US-Leitzinsen

Das Maß aller Dinge

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Angesichts der starken Konjunktur hat die Fed erneut die US-Leitzinsen erhöht. Das hat Folgen für alle Währungsräume.

Die US-Zentralbank hat die Leitzinsen abermals erhöht. Der Schritt war erwartet worden, denn die starke Konjunktur in den USA rechtfertigt eine schrittweise Verteuerung von Krediten. In den nächsten Monaten und Jahren wird die Federal Reserve Bank die Zinsen allerdings weiter nach oben setzen. Ein Problem dürfte dies weniger für Amerikas Unternehmen und Konsumenten sein, sondern eher für andere Länder – insbesondere die Entwicklungs- und Schwellenländer, die sich am US-Dollar als Maß aller Dinge orientieren müssen.

Amerikas Wirtschaft läuft seit langem rund. Die jüngsten Steuergeschenke der Regierung an Unternehmen und Wohlhabende haben den Aufschwung nochmals verlängert und verstärkt. Die US-Notenbank rechnet nun für dieses Jahr nicht mehr mit einem Wirtschaftswachstum von 2,8 Prozent, sondern von 3,1 Prozent. Für 2019 hat sie ihre Projektion von 2,4 auf 2,5 Prozent erhöht.

Angesichts der Konjunkturstärke hob die Fed am Mittwoch ihren Leitzinskorridor um 0,25 Prozentpunkte auf 2,00 bis 2,25 Prozent an. Es war die achte Zinserhöhung seit 2015. Doch das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht: Laut Projektion der Zentralbank steht dieses Jahr noch eine weitere Zinserhöhung an, voraussichtlich im Dezember. Nächstes Jahr folgen drei Zinserhöhungen, 2020 kommt eine weitere. Im Mittel dürfte das Leitzinsniveau dann bei 3,4 Prozent liegen.

Steigende Zinsen bedeuten nicht nur, dass Kredite für US-Bürger und -Firmen teurer werden. Sondern auch, dass die USA den Anlegern aus aller Welt eine höhere Rendite bieten. Für das Finanzkapital werden die Vereinigten Staaten daher attraktiver. Das zieht Kapital in die USA, deren Staatsanleihen ohnehin schon als sicherer Hafen globaler Geldanleger fungieren. Und das bedeutet: In der Konkurrenz um Kredit, also um das Geld der Finanzinvestoren, müssen alle anderen Länder nachziehen und die Anleger mit höheren Zinsen locken – ob es zu ihrer Konjunktur passt oder nicht.

Das trifft sogar starke, große und daher vom Dollar relativ unabhängige Währungsräume wie die Euro-Zone. Die steigenden Zinsen in den USA „werden den Druck hin zu höheren Zinsen im Euroraum erhöhen, wodurch die europäische Wirtschaft weniger stark unterstützt würde als das zur Zeit noch notwendig ist“, warnt das Wirtschaftsforschungsinstitut DIW.

Umso mehr Probleme bereitet Amerikas Geldpolitik Entwicklungs- und Schwellenländern, die als riskanter gelten und deren Attraktivität für internationale Kreditgeber sich allein daran bemisst, welchen Zinsaufschlag sie gegenüber US-Staatsanleihen zu bieten haben. Zahlen die USA mehr, müssen die Länder mit schwächeren Währungen nachlegen, andernfalls zieht sich das Kapital aus ihnen zurück und lässt ihre Währungen fallen. Eine fallende Währung wiederum erhöht über steigende Importpreise die Inflationsrate und bedeutet gleichzeitig Verluste für internationale Geldanleger, was beides zusammen erst recht den Druck auf die Schwellenländer erhöht, ihre Zinsen hochzusetzen.

Tun sie dies – wie jüngst die türkische Zentralbank – schaden sie damit der heimischen Wirtschaft. Aber sie haben keine Wahl. Denn der Dollar ist das Maß aller Dinge. Und ein freier Kapitalverkehr bedeutet, dass die Konkurrenz der Standorte um Kredit freigesetzt ist.

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