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Konzertierte Aktion: die Minister Hubertus Heil (SPD), Franziska Giffey (SPD) und Jens Spahn (CDU).

Fachkräftemangel

Alle Kraft in die Pflege

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Die Bundesregierung startet eine Ausbildungsoffensive: Anreize sollen Aussteiger in den Beruf zurücklocken.

Die Bundesregierung will mit einem Maßnahmenpaket gegen den Fachkräftemangel in der Altenpflege vorgehen. „Um mehr Pflegekräfte zu gewinnen, müssen wir ihre Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen verbessern“, erklärte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bei einem Treffen der „Konzertierten Aktion Pflege“, einem Bündnis der Regierung mit Branchenverbänden, Gewerkschaften und Experten. Zunächst ist eine Ausbildungsoffensive geplant. Die FR beantwortet die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wie sieht die Ausbildungsoffensive im Detail aus?
Die Zahl der Ausbildungsplätze und der Ausbildungsstätten soll bis zum Jahr 2023 um zehn Prozent erhöht werden. Aktuell lassen sich rund 68 000 junge Menschen zu Altenpflegefachkräften ausbilden – rund 6000 mehr als noch vor sechs Jahren. Die Bundesregierung plant zudem in Kooperation mit Arbeitsagenturen und Jobcentern 5000 neue Weiterbildungsplätze. So sollen Pflegehilfskräfte zu Fachkräften weitergebildet werden. Während dieser Zeit sollen sie weiter ihre bisherigen Bezüge erhalten. Ein weiterer Punkt: Die Regierung will mit gezielten Anreizen erreichen, dass mehr Pflegefachkräfte, die aus dem Beruf ausgestiegen sind, wieder zurückkehren.

Ist nicht gerade erst eine Ausbildungsreform für die Pflege vereinbart worden?
Das stimmt. Die Reform tritt zu Jahresbeginn 2020 in Kraft. Derzeit laufen die Vorbereitungen an den Pflegeschulen. Wichtiger Punkt dabei ist die Neufassung der Lehrpläne. Die bisher getrennten Ausbildungsgänge Altenpflege, Krankenpflege und Kinderkrankenpflege werden dabei weitgehend zusammengefasst. Erst im dritten Jahr besteht dann die Möglichkeit zur Spezialisierung. Mit dieser schwerpunktmäßig generalistischen Ausbildung sollen Wechsel zwischen verschiedenen Pflege-Bereichen erleichtert werden.

Wie viel Pflegepersonal wird überhaupt benötigt?
Mit dem Pflegepersonalstärkungsgesetz, das zu Jahresbeginn in Kraft getreten ist, ermöglicht der Bund die Finanzierung von 13 000 zusätzlichen Pflegekräften in Heimen. Nur: Dafür müssten erst einmal genügend Bewerberinnen und Bewerber gefunden werden. Zuletzt waren bei der Bundesagentur für Arbeit 23 300 Altenpflege-Stellen als unbesetzt gemeldet. Bei zwei Dritteln davon geht es um Fachkräfte. Eine Stelle in diesem Bereich neu zu besetzen, dauert im Schnitt 171 Tage – ein Spitzenwert im Vergleich zu anderen Branchen.

Wie steht es um die Bemühungen für eine bessere Bezahlung in der Pflege?
Einer aktuellen Studie zufolge liegt der Stundenlohn in der Altenpflege derzeit im Schnitt bei 14,24 Euro. Allerdings: Nur jeder fünfte der rund zwei Millionen Beschäftigten in der Branche erhält Tariflohn. Die Bundesregierung unterstützt Bemühungen für einen allgemein verbindlichen Tarifvertrag. „Dafür müssen sich alle bewegen“, sagte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil am Montag in Berlin. Der SPD-Politiker zielt damit insbesondere auf die privaten Pflege-Arbeitgeber, die vehement gegen eine bundesweite Tariflösung sind. Die Gewerkschaft Verdi will in möglichen Verhandlungen mindestens 16 Euro Stundenlohn für Pflegefachkräfte durchsetzen. Aktuell laufen in der Branche die Vorbereitungen zur Gründung eines Arbeitgeberverbandes.

Welche weiteren Ziele hat die Bundesregierung beim Thema Altenpflege?
Bis zum Sommer sollen die Arbeitsgruppen der „Konzertierten Aktion Pflege“ weitere Ergebnisse vorlegen. Dabei soll es unter anderem um besserer Arbeitsbedingungen und höhere Löhne gehen. Zudem will die Regierung zusammen mit den Verbänden eine Strategie zur Gewinnung von Pflegefachkräften aus dem Ausland entwickeln. Eine Expertengruppe widmet sich auch den Potenzialen von Digitalisierung und innovativen Versorgungsansätzen in der Pflege.

Wer trägt eigentlich die Kosten, wenn die Ausgaben für Pflegepersonal steigen?
Darum wird in der Politik sicherlich noch gerungen werden. Größeren Raum in der Debatte dürfte das Thema erhalten, sobald konkret über einen flächendeckend gültigen Tarifvertrag verhandelt wird. Bisher war es häufig so, dass höhere Löhne für die Beschäftigten zu höheren Eigenanteilen für die Pflegebedürftigen und ihre Familien führten. Allerdings mehren sich inzwischen Stimmen, die eine Begrenzung der Eigenanteile fordern und sich etwa für einen Steuerzuschuss zur Pflegeversicherung einsetzen.

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