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Nach vielen Umwegen könnte die Alitalia doch noch gerettet werden.

Sanierungskonzept

Alitalia steht vor einem Neustart

Die Rettung der italienischen Fluglinie rückt in greifbare Nähe: Auch die Piloten geben grünes Licht für den Sanierungsplan und die Übernahme durch eine private Investorengruppe.

Die Rettung in letzter Minute der maroden italienischen Airline Alitalia wird immer wahrscheinlicher: Nach fast 15-stündigen Verhandlungen haben in der Nacht zum Samstag auch die Piloten grünes Licht für einen Plan zur Sanierung der angeschlagenen Fluglinie gegeben.

Wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete, stimmten die Piloten dem Übernahmekonzept der privaten Investorengruppe CAI zu. Auch die letzten zwei verbleibenden Gewerkschaften stimmten dem Rettungsplan für die angeschlagene Alitalia zu. Die Kabinen- und Bodenpersonalgewerkschaften SDL und AVIA sind mit dem Konzept einverstanden.Die Einigung sehe vor, dass die Kapitäne künftig Manager-Verträge erhielten - was andere Vergütungsstrukturen bedeutet - und die geplante Zahl der Entlassungen reduziert werde.

Am Donnerstag hatten die vier größten italienischen Arbeitnehmervertretungen den Rettungsplan akzeptiert. Nun fehle noch das Einverständnis der Flugbegleiter, hieß es. Bisher hatte lediglich eine Gewerkschaft des Kabinenpersonals, die Anpav, ihre Zustimmung gegeben. Weitere Treffen mit Vertretern der Flugassistenten seien für heute geplant, hieß es. "Ich hoffe, dass dann der gesunde Menschenverstand siegt und endlich alle Gewerkschaften unterschreiben", sagte Verkehrsminister Altero Matteoli.

Die CAI hatte in der vergangenen Woche wegen des Widerstands der Gewerkschaften ihr Übernahmeangebot zunächst zurückgezogen. Regierungsvertreter konnten die Investoren jedoch noch davon überzeugen, dass sie an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Den Plänen der privaten Investorengruppe zufolge müssen zur Rettung der noch staatlichen Airline mindestens 3000 Stellen abgebaut werden.

Die italienische Regierung hofft, dass eine ausländische Airline mit einer Minderheitsbeteiligung bei der Alitalia einsteigt. Im Gespräch sind dafür Lufthansa und Air France-KLM. Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber war am Freitag zu Gesprächen über Alitalia nach Rom gereist. "Die Wahl des Partners ist eine Entscheidung, die nicht die Regierung, sondern die neue, von der CAI gegründete Gesellschaft fällen wird", fügte Verkehrsminister Matteoli hinzu. Dass die deutsche Airline bei Alitalia einsteigt, ist nach wie vor eher unwahrscheinlich. Bislang hatte sich das Management mit dem Verweis zurückgehalten, dass Alitalia erst eine umfassende Restrukturierung durchlaufen müsse, bevor an ein Engagement zu denken sei.

Corrado Passera von der CAI sagte in einem am Sonntag veröffentlichten Zeitungsinterview, der erste November sei "ein machbarer Starttermin für den Beginn einer neuen Reise". Allerdings gebe es im Oktober noch eine Menge Probleme zu lösen, betonte er in der Zeitung Il Sole 24 Ore. Alitalia steht seit Monaten vor dem Abgrund. Ein Verkauf der maroden Fluggesellschaft, die täglich rund zwei Millionen Euro Verlust einfliegt, scheiterte mehrmals an den Gewerkschaften. rtr/dpa

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