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Algorithmen sind ziemlich dumm

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Von: Stephanie Borgert

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Alle paar Jahre wird wieder darüber diskutiert, ob Anwälte und viele andere Berufsgruppen demnächst durch Computer und Roboter ersetzt werden. Und wir fallen drauf herein.

Künstliche Intelligenz (KI) – mein Vorschlag für das Buzzword des Jahres 2018. Kaum ein Artikel über superschlaue Computer oder lebensechte Sexpuppen, der ohne diesen Begriff auskommt. Vor einigen Tagen hat eine „KI-Plattform“ bei der Überprüfung von Verträgen gegen 20 US-Anwälte gewonnen, und zwar in Genauigkeit und Tempo. Es ging um das Finden ganz bestimmter rechtlicher Probleme, 30 an der Zahl. Na, herzlichen Glückwunsch!

Das hat nur leider ungefähr so viel mit Intelligenz zu tun, wie das Aufsagen des kleinen Einmaleins. Bei dieser Art Wettbewerb wird der Mensch immer „verlieren“, denn es entspricht in etwa dem Vergleich, wie lange ein Radfahrer und ein ICE für die Strecke Köln – Frankfurt brauchen. Natürlich kann man feiern, dass der ICE tatsächlich schneller ist, aber er kann auch nicht zwischendurch abbiegen oder sein Ziel ändern.

Die Algorithmen werden von Menschen für genau diese Aufgabe programmiert und trainiert, sie wissen um eben diese 30 rechtlichen Probleme. Ändert sich der Kontext, würde man sie statt auf Vertragstexte auf eine Prosa loslassen, gäbe es nix, noch nicht mal einen Hinweis. Also, worüber staunen wir denn eigentlich? Dass eine spezialisierte Maschine bei klar definierten, stumpfen Aufgaben schneller und präziser ist als der Mensch. Das lockt doch wohl niemanden mehr hinter dem Ofen der Ahnungslosigkeit hervor, oder doch? Vor allem aber hat das die Bezeichnung KI nicht verdient.

Es gibt gar keine künstliche Intelligenz. Es geht lediglich um Schaltkreise und Algorithmen, und die sind ziemlich dumm. Die Recherche zu schwarzen Sportschuhen mit Profilsohle beispielsweise sorgt dafür, dass man wochenlang von unzähligen Werbeanzeigen zu eben solchen Sportschuhen verfolgt wird. Dabei ist es egal, wo im Internet man sich gerade befindet oder ob man vor drei Wochen längst ein Paar online gekauft hat.

Wie dem auch sei, der Begriff KI ist en vogue, hochgespült von der Diskussion über eine digitale Revolution. Alle paar Jahre diskutieren wir wieder darüber, ob Anwälte und viele andere Berufsgruppen demnächst durch Computer und Roboter ersetzt werden. Und wir fallen darauf rein und ereifern und sorgen uns in vielen Internetforen, oft ohne genau hinzuschauen oder selbst zu denken. Und auch das ist nicht besonders intelligent.

Die Autorin ist Managementberaterin und Autorin.

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