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Der Discounter Aldi steht vor großen Herausforderungen.

Machtkampf bei Aldi

Bei Aldi übernimmt der Enkel

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Sprung vom Gründer zum Enkel: Peter Max Heister wird nach dem Tod des Konzernpatriarchen Karl Albrecht beim Discounter Aldi Süd wohl die zentrale Rolle spielen.

Er ist schon etwas aus der Art geschlagen. Denn er gilt als extrovertiert. Und den richtigen Namen trägt er auch nicht. Aber Peter Max Heister wird nach dem Tod des Konzernpatriarchen Karl Albrecht beim Discounter Aldi Süd wohl die zentrale Rolle spielen.

Karl Albrecht war vorige Woche im Alter von 94 Jahren gestorben. Mit ihm ist die Gründergeneration abgetreten. Sein Bruder Theo wurde schon 2010 beerdigt. Die Geschwister hatten nach dem Krieg aus einem Tante-Emma-Laden einen Handelskonzern gemacht, den sie sich dann brüderlich aufteilten. Theo übernahm Aldi Nord, Karl kümmerte sich um Aldi Süd. Karl Albrecht lebte jahrzehntelang völlig abgeschirmt von der Öffentlichkeit. Schon vor  knapp 20 Jahren zog er sich aus dem operativen Geschäft zurück, er soll aber bis zuletzt die Geschicke des Unternehmens verfolgt haben. 

Wie es jetzt weitergeht?  Aldi Süd äußert sich wie üblich sehr zurückhaltend: Man sehe es als Vermächtnis an, die Unabhängigkeit des Unternehmens „auch künftig zu gewährleisten“. Mittels Stiftungen habe Karl Albrecht  die Voraussetzungen dafür geschaffen. Die Siepmann-Stiftung ist der Haupteigentümer von Aldi Süd. An deren Spitze steht Peter Max Heister (Jahrgang 1976) bereits seit 2006. Er ist der Enkel von Karl Abrecht. Auch seine Mutter Beate Heister soll in der Stiftung eine entscheidende Rolle spielen.

Peter Max Heister schlägt aus der Art, weil es in den Führungszirkeln  von Aldi seit jeher eine Abneigung gegen Akademiker gibt. Kaufleute, die ihren Job von der Pike auf gelernt haben, haben hier das Sagen.  Heister aber hat Volkswirtschaft studiert und eine Doktorarbeit über gefährliche Investitionsentscheidungen für Unternehmen, die nachhaltig wirtschaften, geschrieben. Bei einem Risiko-Kapitalgeber in München hat er berufliche Erfahrungen gesammelt.

Druck von der Konkurrenz

Medienberichten zufolge soll Peter Max Heister in den nächsten ein bis zwei Jahren an die Spitze eines weiteren enorm wichtigen Gremiums rücken, dem sogenannten Beirat von Aldi Süd. Dieser hat eine ähnliche Funktion wie der Aufsichtsrat in einer Aktiengesellschaft: Er kontrolliert das Management, das die eigentliche Arbeit leistet. Bei Aldi Süd heißt diese Führungsebene Koordinierungsrat und ist besetzt mit einem Trio aus angestellten Führungskräften mit Norbert Podschlapp als Sprecher.   

Aber warum der Sprung vom Gründer zum Enkel? Das hat mit den Verwerfungen in der Aldi-Dynastie zu tun. Eigentlich wollte Karl Albrecht seinen erstgeborenen Sohn Karl junior zu seinem Nachfolger machen. Der  übernahm auch verschiedene Positionen im Unternehmen, war unter anderem am Aufbau des US-Ablegers beteiligt. Krankheiten warfen ihn zurück. Und er soll sich letztlich als ungeeignet für den Posten des Konzernlenkers erwiesen haben.

Da er kinderlos ist, kam irgendwann  nur noch die Familie seiner Schwester in Frage. Beate Heister aber hatte nie im Konzern selbst eine Funktion. Ihr Ehemann Peter kam als Angeheirateter  für die Rolle einer zentralen Machtfigur nicht in Frage. Immerhin hat er es aber zum Sprecher des Beirats geschafft – den Posten, den sein Sohn demnächst übernehmen soll. Peter Max Heister bleibt letztlich als einziger für die Position des neuen starken Mannes übrig, zumal er  Führungsqualitäten gezeigt haben soll.  Die wird er auch brauchen.

Es kursieren allerlei Spekulationen darüber, dass Podschlapp und die beiden anderen Koordinierungsräte  seit Jahren bei Aldi Süd das Heft in der Hand haben. Zwecks Machterhalt soll es ihnen unter anderem gelungen sein, mehrere Manager-Rivalen wegzubeißen, mit denen die Familie eigentlich Umstrukturierungen angehen wollte. Hier liegt denn auch die zentrale Zukunftsfrage für Peter Max Heister: Wie viel Umbau muss sein?  Die Konkurrenz wird insbesondere auf dem deutschen Heimatmarkt härter.

Das einst von den Aldi-Brüdern entwickelte Discount-Konzept – Märkte mit kleinem Sortiment und gutem Preis-Leistungsverhältnis – ist von der Konkurrenz längst weiterentwickelt worden. Rewe und Edeka bieten viele Produkte genauso billig an wie Aldi, ergänzen das Sortiment aber mit Produkten aus der Feinkost-Kategorie. Aldi versucht mitzuziehen. Dennoch gingen Marktanteile verloren. Bislang konnte Aldi Süd das aussitzen: Es sollen noch immer hohe Gewinne abfallen.                  

 

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