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ARCHIV?- Ein Firmenschild steht am 30.01.2012 in K?ln vor einer Aldi-Filiale. Foto: Federico Gambarini/dpa (zu: "Aldi-Mitgr¸nder Karl Albrecht ist tot" vom 21.07.2014) +++(c) dpa - Bildfunk+++

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Aldi-Mitbegründer Karl Albrecht ist tot

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Fast jeder kennt Aldi, den Gründer Karl Albrecht kannten aber nur ganz wenige. Der reichste Deutsche mied die Öffentlichkeit. Er schuf mit seinem Bruder einen globalen Handelsriesen, der ohne Ende wächst.

Geboren in Essen, Mitbegründer der Discount-Kette Aldi. Das ist weitgehend auch schon alles, was man über den angeblich reichsten Deutschen gesichert weiß. Selbst der Tod des öffentlichkeitsscheuen Unternehmers wurde nun wie ein Staatsgeheimnis behandelt: Karl Albrecht ist bereits am vergangenen Mittwoch im Alter von 94 Jahren gestorben. Er wurde am Montag in Essen im engsten Familienkreis bestattet, wie eine Sprecherin der Stadt bestätigte.

Karl Albrecht hat zusammen mit seinem bereits 2010 verstorbenen Bruder Theo den Aldi-Konzern geschaffen, und damit das größte Handelsimperium der Bundesrepublik. Auf diesem Weg hat er die Kauf- und wohl auch die Essgewohnheiten der Deutschen maßgeblich mitbestimmt.

Die Geschichte der beiden Brüder ist die des deutschen Wirtschaftswunders. Albrecht wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf, der Vater arbeitete als Brothändler, die Mutter führte im Essener Arbeiterviertel Schonnebeck einen kleinen Lebensmittel-Laden. Nach dem Besuch einer Volksschule lernte Albrecht von 1934 bis 1936 bei einem Delikatessenhändler in Essen den Beruf des Verkäufers.

Gleich nach dem Krieg übernahmen Karl und sein zwei Jahre älterer Bruder den elterlichen Laden. Sie expandierten rasch und kontrollierten bereits Anfang der 50er Jahren eine kleine Kette von 13 Filialen, die unter dem Namen Albrecht KG firmierte. Anfang der 60er Jahre waren es dann bereits rund 300 Filialen. Anders als in den bis dahin üblichen Lebensmittelläden – ein Verkäufer bedient an einer Theke und packt die weitgehend losen Waren ein – boten die Albrecht-Brüder verpackte Waren in schmucklosen Hallen zu konkurrenzlos niedrigen Preisen an. Dabei ließen sie sich von den in den Vereinigten Staaten damals bereits verbreiteten Discount-Modellen leiten.

Die Idee war erfolgreich, die Kette wuchs weiter. Um sich gegenseitig nicht ins Gehege zu kommen, trennten die Brüder 1961 das Unternehmen in zwei Teile. Karl Albrecht übernahm Aldi Süd im Gebiet südlich der Ruhr, nördlich davon herrschte Theo Albrecht mit Aldi Nord – der Name Aldi leitet sich von Albrecht-Discount ab.

Aldi wuchs und wuchs und machte die Brüder immer reicher. Karl Albrecht war dabei offenbar einen Tick erfolgreicher als Theo. Das US-Wirtschaftsmagazin „Forbes“ führte die beiden Unternehmer lange auf Platz eins und zwei der reichsten Deutschen. Laut der „Forbes“-Liste vom März dieses Jahres verfügte Karl Albrecht zuletzt über ein geschätztes Vermögen von 18,2 Milliarden Euro.

„Karl Albrecht war der Kreativere der beiden, Theo eher der Verwalter“, erinnert sich der ehemalige Aldi-Manager Eberhard Fedtke am Montag. Karl Albrecht sei ein einfacher, höflicher, zurückhaltender Mann“ gewesen. „Aber in seiner Art; das Geschäft zu führen, war er sehr bestimmend und direkt – ohne modernes Trallala, aber sehr effizient.“

Aus dem operativen Geschäft zog sich Karl Albrecht bereits Mitte der 90er Jahre zurück. Danach führte er den Aufsichtsrat. Seit der Aufgabe dieses Postens 2002 wird Aldi überwiegend von familienfremden Managern geleitet. In den vergangenen Jahren geriet das Unternehmen mehrfach in die Kritik wegen seines Umgangs mit Mitarbeitern.

Privates weiß man vom Discount-König so gut wie nicht. Bereits Mitte der 50er Jahre zogen sich er und sein Bruder komplett aus der Öffentlichkeit zurück. Interviews lehnte er ab, Filmaufnahmen existieren angeblich nicht. Auf Fotos wurde er oft mit seinem Bruder verwechselt. Der wurde 1971 entführt und erst nach einer Lösegeldzahlung wieder freigelassen. Auch das gilt als Grund für die Öffentlichkeitsscheu der Albrechts.

Als einzige überlieferte und authentische Äußerung von Karl vermerkt die Online-Enzyklopädie „Wikipedia“ eine Bemerkung aus dem Jahre 1953 auf einem Treffen des Lebensmittelverbandes von Nordrhein-Westfalen. Dort sagte er angeblich über die Aldi-Prinzipien: „Seit 1950 verfolgen wir neben dem Grundsatz des kleinen Warenangebotes den des niedrigen Preises.“

Bis zuletzt soll der Vater von zwei Kindern vergleichsweise bescheiden gelebt haben. Erwähnt wird neben seiner Villa im Essener Stadtteil Bredeney noch eine Golfanlage bei Donaueschingen, auf der er seinem Hobby nachging. Das Begräbnis am Montagvormittag war laut „faz.net“ so, wie Albrecht sein Leben führte: ohne Pomp, ohne Aufsehen, ungestört von Kameras und Paparazzi. Begraben wurde er neben seiner vor einem Jahr verstorbenen Frau und seinem Bruder.

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