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„Dramatische Lebensmittelknappheit“ droht – Käse und andere Milchprodukte könnten knapp werden

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Von: Lucas Maier

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Die Gas-Krise gefährdet die Lebensmittelversorgung in Deutschland. Käse und Co. können nur mit hohem Energieaufwand hergestellt werden, ist damit bald Schluss?

Frankfurt/Berlin – Aktuell verschärft sich die Gas-Krise in Deutschland. Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) warnte zuletzt davor, dass es zu einer monatelangen Unterbrechung der Gasströme kommen könnte. Produkte wie Käse könnten dann zur Mangelware werden.

Um die Produktion von Käse in Deutschland aufrechterhalten zu können, treffen erste Molkereien bereits selbständig Vorkehrungen, wie der Bayrische Rundfunk (BR) berichtet. Denn sollte sich die Lage weiter zuspitzen, droht ein Produktionsstopp.

Aldi, Lidl, Rewe: Molkereien schlagen Alarm - Wird Käse in Deutschland knapp?

Die Produktion von Käse, Butter, Milch und Co. ist extrem energieintensiv. Sollte es zu einem langfristigen Gas-Stopp kommen, würde die Produktion vielerorts auf Eis liegen. In der Molkerei von Berchtesgadener Land hat man deshalb die Energieversorgung mit Heizöl wieder reaktiviert. Sogar ein eigenes Heizöltankfahrzeug wurde hierfür angeschafft, wie der BR berichtet.

Käse-Knappheit in Deutschland droht
Käse vor dem Aus? Die Gas-Krise gefährdet einen ganzen Industriezweig. (Symbolfoto) © Martin Wagner / Imago Images

Sollte Wladimir Putin beispielsweise nach der aktuellen Wartung der Pipeline Nord Stream 1, den Gas-Hahn weiter geschlossen halten, wie es Robert Habeck befürchtet, müssten Unmengen an Milch entsorgt werden. Diese könnten dann nicht mehr verarbeitet werden.

Bei einem solchen Gas-Stopp würde Gas nur noch nach Priorisierung in Deutschland verteilt. In der Molkerei- und Landwirtschaftsbranche wächst jetzt die Angst, dass sie dabei zu kurz kommen könnten. „Wir brauchen eine Priorisierung beim Gas für den gesamten Landwirtschafts- und Ernährungssektor“, fordert deshalb Joachim Rukwied, der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, laut der Nachrichtenagentur AFP.

Warnung vor „dramatischen Lebensmittelknappheit“: Gas-Stopp hat Auswirkung auf Käse und Co.

Vor einer „dramatischen Lebensmittelknappheit“ warnt der Rukwied. Beim Thema Ernte drohe ebenfalls ein massiver Einbruch, sollte Russland den Gas-Hahn nicht wieder aufdrehen.

„Um stabile Ernten zu gewährleisten, ist die Verfügbarkeit von Düngemitteln essenziell. Wir brauchen Gas für die Erzeugung von Stickstoffdünger“

Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes

Um 30 bis 40 Prozent würden die Erträge einbrechen, wenn Düngemittel nicht mehr in ausreichender Menge vorhanden sein sollte, warnt Rukwied gegenüber der AFP. Bernhard Pointer warnt im BR davor, dass seine Branche sowie die Landwirtschaft kurz vor einer Krise stehen würden.

Vorbereitung auf die Krise: Viele Betriebe haben keine Chance, sich auf einen Gas-Stopp einzurichten

Zuständig für die kritische Infrastruktur ist das Wirtschaftsministerium. Zuletzt hatte Wirtschaftsminister Habeck die zweite Warnstufe im Gas-Notfallplan aktiviert. Hintergrund war eine Drosslung der Gas-Lieferungen aus Russland.

„Ob Molkereien bei der Ausrufung der 3. Stufe des Notfallplans von einer eventuellen Gasreduzierung betroffen sind, können wir nicht sagen.“, antwortete das Ministerium auf eine Anfrage der Tagesschau.  Die Bundesnetzagentur sei zuständig.

Gas-Krise in Deutschland: Habeck erwartet möglicherweise monatelange Unterbrechung

„Wir reden hier möglicherweise von einer monatelangen Unterbrechung von Gasströmen“, verdeutlichte Habeck am Dienstag (12. Juli) die akute Gas-Situation. Er kritisierte in diesem Zuge auch die vorgesehene Priorisierung von Verbrauchern vor der Industrie, wie AFP berichtet. Private Haushalte müssten auch „ihren Anteil leisten“, heißt es weiter.

Doch nicht nur die Gas-Krise gefährdet die Verfügbarkeit von Käse und Co. In Italien herrscht derzeit eine der schlimmsten Trockenheit der vergangenen Jahre, auch sie gefährdet die Käse-Produktion. (lm)

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