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Die Böden sind schon jetzt viel zu trocken: ein Feld in der Region Hannover.

Dürresommer

Alarmierende Trockenheit

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Landwirtschaftsministerin Klöckner beobachtet die Trockenheit mit Sorge. Die Grünen fordern eine „echte Agrarwende“ und mehr Klimaschutz, Bayern überarbeitet seine Wasserstrategie.

Die Sorge von Bauern, Gärtnern und Forstleuten vor einem erneut sehr trockenen Jahr und einer möglichen Dürre beschäftigt inzwischen auch die Bundespolitik. Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) zeigte sich Donnerstag anlässlich des „Tags des Baums“ beunruhigt. Waldbesitzer und Forstwirte müssten vor allem bei der Aufgabe unterstützt werden, „langfristig zu handeln und das Ökosystem Wald widerstandsfähiger gegenüber dem Klimawandel zu machen“.

Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) sind die Böden in vielen Regionen deutlich trockener als im vieljährigen Durchschnitt. Besonders betroffen sind die östlichen Bundesländer. Nach Einschätzung der Experten könnte sich bei anhaltender Trockenheit die Dürre des Jahres 2018 somit wiederholen.

„Wir beobachten diese Entwicklung genau und nehmen die Sorgen der Landwirtschaft sehr ernst“, sagte eine Sprecherin Klöckners. „Wichtig ist aber auch, darauf hinzuweisen, dass es den Wetterdiensten nicht möglich ist, eine gesicherte Prognose über einen längeren Zeitraum hinweg geben zu können. Alle jetzt abgegebenen Prognosen, die den gesamten Sommer betreffen, sind Spekulation.“

Der agrarpolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Harald Ebner, fordert Ministerin Klöckner zum Handeln auf. „Die erneute Trockenheit ist ein Alarmsignal: Wir brauchen eine echte Agrarwende. Denn die Landwirtschaft ist einerseits als erstes und mit am stärksten betroffen von der Klimakrise und damit auch von der Dürre, aber sie gehört andererseits auch zu den Verursachern,“ sagte Ebner auf Anfrage. Ministerin Klöckner dürfe deshalb den Klimaschutz nicht länger verschleppen. „Die Bundesregierung muss die Anpassung der Landwirtschaft an Wetterextreme zum Forschungsschwerpunkt machen.“

Neben dem Einsatz resilienter Sorten, die mit Trockenheit und Nässe gleichermaßen klarkommen, fordert Ebner auch die starke Reduktion von Mineraldüngern und Pestiziden. „Staatliche Hilfen müssen an klare Auflagen geknüpft werden. Die EU-Agrarförderung darf nicht länger vor allem nach schierer Größe verteilt werden, sondern nur noch an Bauern gehen, die im Sinne von Umwelt und Klima wirtschaften“, so Ebner. „Öffentliches Geld nur für öffentliche Leistungen!“

Wächst da was? Ein Landwirt bringt Samen auf seinem Acker aus.

Die Union warnt zwar vor Panikmache. „Wir sehen aber, dass die Land- und Forstwirte wie überall auf der Welt als Erste die Vorboten des Klimawandels spüren“, sagte der agrarpolitische Sprecher von CDU/CSU, Albert Stegemann. „Vor allem der Wald bereitet mir große Sorgen, weil insbesondere der Borkenkäfer aktuell ideale Brutbedingungen vorfindet.“ Stegemann, der auch Vorsitzender des CDU-Bundesfachausschusses Agrar ist, betont, dass die Politik nur Rahmen setzen könne. „Wir unterstützen die Landwirte und Waldeigentümer als aktive Klimaschützer. „Dass der Bund bei Wetterereignissen von nationalem Ausmaß schnell reagiert, haben wir im letzten Jahr bewiesen.“

Der CDU-Politiker kündigte Erleichterung beim Schadensersatz an. „Wir wollen noch in diesem Jahr die steuerliche Gewinnglättung auf den Weg bringen und schnellstmöglich Versicherungslösungen gegen Trockenschäden durch ermäßigte Versicherungssteuersätze etablieren“, so Stegemann.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat schon jetzt Vorsorgemaßnahmen angekündigt. „Wir müssen nachhaltig vorsorgen. Wir können das Wetter nicht politisch beeinflussen, und auch nicht den Klimawandel grundlegend ausschalten“, sagte Söder am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. „Aber wir brauchen eine Klimaanpassungsstrategie. Wir werden uns besser vorbereiten als im vergangenen Jahr.“

Söder berichtete, er habe das Umwelt- und das Agrarministerium gebeten, die bayerische Wasserstrategie weiterzuentwickeln. Die beiden Ministerien sollen schon kommende Woche im Kabinett berichten.

Die mögliche Dürre beschäftigt auch die am Donnerstag gestarteten Landwirtschaftsausstellung Agra 2019. Bei der Eröffnung in Leipzig sagte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU), selbst wenn es in diesem Jahr mehr regne als im Vorjahr, gehe er davon aus, dass 2019 „ein ganz, ganz problematisches Jahr“ werde.

Hoffnung auf Hilfen für die Landwirtschaft „in der Größenordnung wie im Vorjahr“ dämpfte Haseloff. Bund und Länder hatten 2018 ein 340 Millionen Euro umfassendes Hilfsprogramm zum Teilausgleich von dürrebedingten Schäden für die in der Existenz gefährdeten landwirtschaftlichen Unternehmen aufgesetzt. Es wurden fast 9 500 Anträge mit einem Volumen von 393 Millionen Euro gestellt.

Die große Trockenheit beunruhigt auch die EU-Kommission. „Natürlich sind wir besorgt über die dramatischen Änderungen der Wettermuster in den vergangenen Jahren“, sagte Agrarkommissar Phil Hogan am Donnerstag in Brüssel. Während sich in Südeuropa Überschwemmungen häuften, herrsche im Norden Dürre.

Doch gebe es Instrumente zur Unterstützung von Bauern und ländlichen Gemeinden. „Wir haben alle diese Ressourcen bei vielen Gelegenheiten mobilisiert, auch im vergangenen Jahr“, sagte Hogan. „Und wir werden das wieder tun, wenn Mitgliedsstaaten uns darum bitten.“

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