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Akuter Hunger trifft Millionen

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Von: Tobias Schwab

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Dürre in Somalia
Die Zahl der hungernden Menschen steigt stetig. © Farah Abdi Warsameh/dpa

UN-Organisationen warnen vor Folgen sich überlappender Krisen.

Das Szenario könnte düsterer nicht ausfallen. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und das UN-Welternährungsprogramm (WFP) warnen vor einer sich dramatisch zuspitzenden Ernährungskrise in zahlreichen Ländern. In 20 Hotspots werde sich die Lage bis September noch verschärfen, prognostizieren die Organisationen in ihrem jüngsten Ausblick.

„Wir sind zutiefst beunruhigt über die kombinierten Auswirkungen von sich überlappenden Krisen, die die Fähigkeit der Menschen gefährden, Lebensmittel zu produzieren und Zugang zu ihnen zu bekommen“, warnte FAO-Generaldirektor Qu Dongyu vor wenigen Tagen bei der Vorstellung des Berichts in Rom.

Besonders schlimm ist demnach die Lage in Äthiopien, Nigeria, dem Südsudan und im Jemen, wo die höchste Hunger-Warnstufe gilt. Seit dem vorherigen Report vom Januar kamen noch Afghanistan und Somalia zu dieser Kategorie hinzu. In diesen sechs Ländern seien bis zu 750 000 Menschen vom Hungertod bedroht. 400 000 von ihnen lebten in der äthiopischen Region Tigray.

Schlechte Prognosen geben die UN-Organisationen zudem auch für die Demokratische Republik Kongo, Haiti, den Sudan und Syrien. Ein neues Hotspot-Land ist außerdem die vom russischen Angriffskrieg heimgesuchte Ukraine.

Der Krieg in der Ukraine – einer der weltweit größten Exporteure von Weizen, Mais und Sonnenblumenöl – habe zu einem weiteren Anstieg der Nahrungsmittel- und Energiepreise geführt, was die Wirtschaften aller Regionen treffe, so die UN. Die Schocks träten in Kontexten auf, die bereits durch ländliche Marginalisierung und fragile Nahrungsmittelsysteme gekennzeichnet sind.

Auf vielen betroffenen Volkswirtschaften lasteten zudem immer noch die Folgen der Covid-19-Pandemie mit Lohnverlusten bei den Ärmsten, die den größten Teil ihres verfügbaren Einkommens für die Ernährung aufwenden müssen. Diese Bedingungen engen auch Handlungsspielräume der nationalen Regierungen ein, soziale Sicherungsysteme, einkommensstützende Unternehmungen und die Einfuhr lebenswichtiger Güter zu finanzieren, so der Report.

Millionen Familien, die gerade noch so hatten auskommen können, seien nun akut gefährdet, sagte der Direktor des Welternährungsprogramms, David Beasley. „Die Bedingungen sind viel schlimmer als während des Arabischen Frühlings 2011 und der Lebensmittelpreiskrise von 2007/2008, als 48 Länder von politischen Unruhen, Aufständen und Protesten erschüttert wurden“, warnte Beasley bei der Präsentation des Reports.

Als Ursache der sich in vielen Staaten zuspitzenden Lage benennt der Bericht auch die Erderwärmung. Klimaphänomene wie La Niña könnten sich 2022 weiter verstärken und mehr Menschen in akuten Hunger treiben. Hinzu kämen unerwartete Dürren in Ostafrika und andererseits Fluten, die etwa im Südsudan die Menschen von ihren Wohnorten vertreiben. Der Bericht rechnet auch mit überdurchschnittlichen Regenfällen und dem Risiko lokaler Überschwemmungen in der Sahelzone, einer intensiveren Hurrikansaison in der Karibik und unterdurchschnittlichen Regenfällen in Afghanistan, das bereits mehrere Jahre von Dürre geplagt ist.

Die UN fordern nun, präventive Maßnahmen zu ergreifen, um humanitäre Katastrophen zu verhindern. FAO-Chef Qu Dongyu sprach von einem Wettlauf mit der Zeit, „um den Landwirten in den am stärksten betroffenen Ländern zu helfen“. Dabei müsse es um eine rasche Steigerung der Nahrungsmittelproduktion und um präventive Programme gehen in der Entwicklungszusammenarbeit.

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