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9000 bis 22 000 öffentliche Ladepunkte müssen nach Berechnungen der Kommission jährlich entstehen.

E-Mobilität

„Akuter Handlungsbedarf“

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Kommission für E-Mobilität fordert massiven Zubau von Ladesäulen.

Es ist eine wahre Herkulesaufgabe. Um die Elektromobilität voran zu bringen, müssen die Anstrengungen für den Ausbau der Ladeinfrastruktur massiv verstärkt werden. Es bestehe „akuter Handlungsbedarf“, heißt es in einem Papier der „Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität“, die der Politik Empfehlungen für mehr Klimaschutz im Verkehr geben soll.

Die Kommission schlägt ein „Sofortpaket“ vor, das auch die finanzielle Förderung der privaten Ladeinfrastruktur umfasst. Bislang gibt es nur Unterstützung für öffentliche Stromtankstellen. Um für diesen Bereich eine Beschleunigung des Ausbaus zu erreichen, fordert die Kommission den Aufbau von Planungs-Know-how in den Kommunen und die Entwicklung eines Flächenatlas’ für den städtischen Raum, um mögliche Standflächen zu identifizieren.

„Wir sprechen uns dafür aus, dass auch semi-öffentliche Ladepunkte wie Parkhäuser mitberücksichtigt werden“, sagte ein Sprecher des Verbandes kommunaler Unternehmen. Zudem müssten konkrete Flächenpotenziale im nicht-öffentlichen Bereich bei Handel, im Wohnungsbau und am Arbeitsort systematisch erschlossen und angereizt werden. „Im Bereich der privaten Ladeinfrastruktur bietet es sich an, die Förderung bei Privatpersonen und Unternehmen/Arbeitgebern zu unterteilen, weil es hier unterschiedliche Bedarfe und Möglichkeiten gibt“, betonte der VKU-Sprecher.

Um die Dimension des Ausbaus taxieren zu können, hat eine Arbeitsgruppe der Kommission hochgerechnet, wie sich der Bedarf entwickeln wird, wenn Elektroautos einen Anteil von zehn Prozent bei den Neuzulassungen erreichen – derzeit sind es noch etwa 2,5 Prozent. Jährlich müssten dann 9000 bis 22 000 öffentliche „und 325 000 private Ladepunkte am Wohnort und Arbeitsplatz“ der Elektroauto-Fahrer zusätzlich entstehen.

Investitionen insgesamt von zwölf Milliarden Euro schlägt die Kommission laut Medienberichten für die Ladeinfrastruktur vor. Oliver Krischer, Fraktionsvize der Grünen, warnt aber vor überzogenen Prognosen: „Die Ladesäulen werden sich auch über den Verkauf des Stroms refinanzieren müssen.“ Auch werde der Bedarf an öffentlichen Ladesäulen überschätzt. „Die neuen Elektroautos haben eine Batterie-Reichweite von rund 600 Kilometer, so dass die Ladevorgänge in der Regel zu Hause oder auf dem Firmengelände stattfinden werden“, sagte Krischer.

Die Mobilitäts-Kommission tagte am Montag und will am Freitag einen Zwischenbericht mit Empfehlungen für die Politik vorlegen. Umstritten ist insbesondere, wie mit der Besteuerung von Sprit und wie synthetische Kraftstoffen umgegangen werden soll.

Derweil müssen Tausende von E-Tankstellen mit Stromzählern nachgerüstet werden. Experten gehen davon aus, dass von den 16 000 öffentlichen und halböffentlichen Ladepunkten hierzulande etwa die Hälfte nicht mit Zählern ausgestattet ist, die den Vorgaben des Eichrechts entsprechen – sie sind deshalb eigentlich illegal, wurden bislang aber geduldet. Am 31. März sollte die Frist dafür endgültig ablaufen, Bußgelder und Stilllegungen hätten gedroht. Doch jetzt wurde ein Kompromiss erzielt. „Es gibt nun keine förmlich-einheitliche Frist mehr, bis zu der deutschlandweit alle Ladeeinrichtungen umgerüstet werden müssen“, heißt es in einem Brief des VKU an seine Mitgliedsfirmen. Stattdessen wird nun erstmal eine Bestandsaufnahme gemacht.

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