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Rund 50 000 Menschen protestierten laut BUND gegen Kohleabbau.

Rodungsstopp

Aktivisten zelten wieder im Wald

Hambacher Forst: Umweltschützer rufen zur erneuten Besetzung auf. Mit einer Großdemonstration hatten am Samstag tausende Umweltschützer am Hambacher Forst gegen den Kohleabbau demonstriert

Nach dem Rodungsstopp im Hambacher Forst und der Großdemonstration am Samstag sind Umweltaktivisten in das Waldgebiet zurückgekehrt. Ein Polizeisprecher berichtete am Sonntag von Barrikaden auf den Wegen und „zeltähnlichen Strukturen“ am Boden, die mit Brettern verbaut seien. Es sei auch eine Form von kleinen Siedlungen entstanden. Nach Einschätzung der Polizei sind die neu errichteten Behausungen aber nicht vergleichbar mit den Baumhäusern, die von der Polizei im Hambacher Forst geräumt worden waren.

Die Aktion Unterholz hatte am Wochenende eine „neue Besetzung“ des Waldgebiets angekündigt. Auch das Aktionsbündnis „Ende Gelände“ erklärte, bis zu einem Kohleausstieg bleiben zu wollen. „Wir freuen uns über weitere Baumhäuser und Strukturen“, hieß es im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Am Sonntag trafen sich Umweltschützer erneut zu einem sogenannten Waldspaziergang am Hambacher Forst, an dem mehrere hundert Menschen teilnahmen. Zudem veranstalteten die nordrhein-westfälischen Grünen einen Parteitag am Hambacher Wald. Landesvorsitzender Felix Banaszak forderte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) auf, nicht länger Interessenvertreter des Energiekonzerns RWE zu sein, sondern „Interessenvertreter von NRW“.

Mit einer Großdemonstration hatten am Samstag tausende Umweltschützer am Hambacher Forst gegen den Kohleabbau demonstriert und den vorläufigen Rodungsstopp gefeiert. Die Veranstalter, darunter Greenpeace und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), sprachen von rund 50 000 Teilnehmern und der „bislang größten Anti-Kohle-Demonstration im Rheinischen Revier“. Die Polizei schätzte die Teilnehmerzahl hingegen deutlich niedriger.

BUND-Chef Hubert Weiger sprach von einem „starken Signal der Zivilgesellschaft für einen schnellen Kohleausstieg“. Für die eingesetzte Kohlekommission gehe es nun darum, einen großen gesellschaftlichen Kompromiss für den schnellen Kohleausstieg und für zukunftsfähige Arbeitsplätze in den betroffenen Regionen zu verhandeln.

Auch Greenpeace-Geschäftsführer Martin Kaiser wertete die Großdemo am Hambacher Forst als „klares Signal Richtung Berlin“. „Hunderttausende Menschen wollen, dass der Ausstieg aus der Kohle schon heute beginnt“, erklärte Kaiser. Kein Wald, kein Dorf, keine Kirche dürften mehr für klimaschädliche Kohle geopfert werden.

Neben den großen Umweltverbänden hatten auch Initiativen wie Buirer für Buir, Campact und die Naturfreunde Deutschland zu der Veranstaltung aufgerufen. Vor Ort auf einem Feld neben dem Wald herrschte Festival-Atmosphäre mit Ballons und Livemusik. Auf Bannern waren Losungen wie „Hände weg vom Hambacher Forst“, „Kein Baum ist egal“ und „Hambacher Wald bleibt! Kohleausstieg jetzt!“ zu sehen.

Angsichts des jüngsten Gerichtserfolges der Umweltschützer herrschte am Hambacher Forst nach Aussage von Greenpeace-Aktivisten „super Stimmung“. Das Oberverwaltungsgericht Münster hatte am Freitag einen Eilentscheid erlassen, wonach der Hambacher Forst nicht gerodet werden darf, bis über eine Klage des Umweltverbands BUND entschieden ist. Damit rechnet der Energiekonzern RWE, der den Wald abholzen will, um seinen angrenzenden Braunkohletagebau zu erweitern, aber nicht vor Ende des Jahres 2020.  (afp)

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