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Die Deutsche Bank macht derzeit ihre  Eigentümer unglücklich.
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Die Deutsche Bank macht derzeit ihre Eigentümer unglücklich.

Deutsche Bank

Aktionäre strafen Jain und Fitschen ab

  • Antje Mathez
    VonAntje Mathez
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Rechtsstreitigkeiten und ein mickriger Gewinn: Die Aktionäre der Deutschen Bank brauchen in diesem Jahr gute Nerven. Auf der Hauptversammlung nutzen sie die Gelegenheit zur Abrechnung.

Die Aktionäre der Deutschen Bank haben am Donnerstag auf der Hauptversammlung das Führungsduo abgestraft: Die Co-Vorstandsvorsitzenden Anshu Jain und Jürgen Fitschen wurden lediglich mit jeweils 61 Prozent entlastet. Üblich sind mit mindestens 90 Prozent erheblich mehr.

"An diesem Tag ist jedes Wort wichtig", sagt Anshu Jain, der Cochef der Deutschen Bank. „Deshalb erlaube ich mir, in meiner Muttersprache weiterzumachen.“ Was dann folgt, gleicht eher einem schlechten Film, denn der wichtigsten Rede bei der Hauptversammlung von Deutschlands größter Bank. In der gut gefüllten Frankfurter Festhalle erleben die Aktionäre wie Jain der Ton abgedreht wird und die deutsche Übersetzung seiner in Englisch gehaltenen Rede aus dem Off vorgelesen wird. Jain, überlebensgroß auf Großleinwand auch vom hintersten Winkel der Festhalle noch gut zu sehen, darf dazu die Lippen bewegen.

Der Simultanübersetzer spricht mit monotoner Stimme von dem, was Jain und sein Co-Chef Jürgen Fitschen sich vorgenommen hatten als sie 2012 die Nachfolge von Josef Ackermann an der Spitze des Geldhauses angetreten hatten, was erreicht wurde und – vor allem – was nicht. „Wir werfen einen ehrlichen Blick auf das, was wir versprochen haben, und auf die Frage, ob wir unsere Versprechen eingelöst haben“, kündigt Jain tonlos an.

Versprochen hatten Jain und Fitschen ihren Investoren nichts weniger als einen Kulturwandel in dem von Skandalen und Prozessen gebeutelten deutschen Branchenprimus und eine Eigenkapitalrendite von zwölf Prozent. Geschafft wurde weder das eine noch das andere. „Wir machen an vielen Stellen Fortschritte“, beteuert Jain. Allein den Aktionären fehlt der Glaube. Das mag auch nicht weiter verwundern, ist die Deutsche Bank doch nach eigenen Angaben in rund 6000 Rechtsstreitigkeiten verwickelt und Cochef Fitschen muss derzeit einmal wöchentlich vor Gericht erscheinen. „Das ist ein direkter Schlag ins Gesicht des von Ihnen ausgerufenen Kulturwandels“, urteilt Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) unter tosendem Applaus.

Applaus, der Jain weitgehend verweigert wird. Der Manager zeigt sich demütig, versucht Emotionen zu wecken. „Wir wissen, dass Sie enttäuscht sind“, ruft Jain angesichts einer Eigenkapitalrendite nach Steuern im ersten Quartal von mickrigen 3,1 Prozent ins Publikum. „Als Mitaktionären geht es Jürgen und mir sowie allen Vorstandskollegen genauso.“ Doch Jain schafft es nicht, dem vom Simultansprecher vorgelesenen Redetext zumindest mit seiner Mimik Gefühl einzuhauchen. Schmallippig, mit einem eingefrorenen Lächeln steht er am Rednerpult.

Versteinerte Mienen auch am Tisch des Aufsichtsratschefs und der Vorstandsmitglieder. Das mag daran liegen, dass die Bankspitze unter einem enormen Druck steht. Einige Großinvestoren hatten im Vorfeld des Aktionärstreffens offen ihre Unzufriedenheit mit dem bislang Erreichten zum Ausdruck gebracht. Und auch die neue Strategie 2020 überzeugt nicht. Ende April hatten Jain und Fitschen bekanntgegeben, wie sie das Kreditinstitut neu ausrichten wollen. Mit einer drastischen Schrumpf- und Sparkur will der Vorstand bis 2020 jährlich 3,5 Milliarden Euro einsparen. Neben Einschnitten im Investmentsegment trifft der Sparplan auch das Privatkundengeschäft.

Die Bank will bis 2017 rund 200 ihrer insgesamt etwa 700 Filialen schließen und sich aus einigen Ländern ganz zurückziehen. Wichtigster Punkt ist aber die Trennung von der Postbank. „Wir müssen kundenorientiert bleiben, uns dabei aber auf diejenigen Kunden konzentrieren, die an einer Partnerschaft interessiert sind, die für beide Seiten wertvoll ist“, führt Jain aus. Im Klartext: Die Deutsche Bank will sich auf die vermögenden Kunden konzentrieren.

Unterm Strich gewinnen damit die Investmentbanker wieder an Macht. Also der Bereich, für den Jain steht. Er ist es auch, der die neue Strategie persönlich überwachen soll – am Vorabend der Hauptversammlung hatte die Deutsche Bank einen Vorstandsumbau bekanntgegeben, der den gebürtigen Inder noch einmal deutlich stärkt. Der langjährige Privatkunden-Chef Rainer Neske dagegen verlässt nach 25 Jahren zum 30. Juni das Unternehmen.

Neske, den ein nicht gerade freundschaftliches Verhältnis mit Jain verbinden soll, verlöre mit dem Verkauf der Postbank auf einen Schlag 14 Millionen Kunden, 15 000 Mitarbeiter und fast 50 Milliarden Euro an Spareinlagen. Seine Reaktion auf den Strategiewechsel bezeichnen Aktionärsvertreter deshalb als nachvollziehbar aber auch bedauerlich. „Herr Neske, Sie haben meinen größten Respekt“, sagt Hans-Martin Buhlmann vom Verein institutioneller Privatanleger. „Laufen Sie bitte nicht zu weit weg.“

Die Aktionärsvertreter sprechen den Anwesenden mehrfach aus der Seele. Nieding von der DSW beklagt die ständigen Negativschlagzeilen, für die die Bank sorgt. „Wir zahlen jetzt alle die Zeche für die Kasino-Zockerei unserer Investmentbanker.“ Er fordert eine freiwillige Sonderprüfung, die zeigen soll, ob die finanziellen Rückstellungen des Geldhauses für weitere mögliche Strafzahlungen ausreichen. Sollte der Aufsichtsrat das ablehnen, werde er vor Gericht ziehen.

Ingo Speich, Portfoliomanager bei Union Investment, rechnet vor: „Die Rechtsstreitigkeiten fressen inzwischen mehr als die Hälfte des Betriebsergebnisses auf.“ Die Bank habe in den vergangenen drei Jahren 8,7 Milliarden Euro für Rechtsstreitigkeiten und Strafzahlungen ausgegeben. „Wir fragen uns langsam, ob das Management der Deutschen Bank noch in der Lage ist, das Unternehmen adäquat zu führen“, sagt Speich. Auch andere Aktionärsvertreter zweifeln daran, ob Anshu Jain der Richtige ist für die Zukunft der Bank. Markus Kienle von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre richtet seine Frage direkt an Anshu Jain: „Sind Sie das Problem dieser Bank, die Lösung oder beides?“

Bereits im Vorfeld der Hauptversammlung hatten große Investoren sowie Aktionärsberater ihre Unzufriedenheit laut kundgetan und sich gegen eine Entlastung des Vorstandes ausgesprochen. Aufsichtsratschef Paul Achleitner kündigt an, einzeln über jeden Vorstand abstimmen zu lassen. Früh stellen sich die Aktionäre darauf ein, dass die Hauptversammlung erst gegen Mitternacht endet. (mit jon/dpa)

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