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Schieflage: Die Deutsche Bank in Frankfurt.

Schwarzbuch Börse

Wo Aktionäre Geld verlieren

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Schwarzbuch Börse veröffentlicht: Besonders die Banken verbrennen das Geld ihrer Eigentümer. Abstieg der Deutschen Bank aus dem Dax?

Das Schwarzbuch Börse 2019 zieht eine teure Bilanz. „Privatanleger haben mehrere Milliarden Euro verloren“, sagt der Vorstand der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), Daniel Bauer. Jedes Jahr legen die Aktionärsschützer der SdK ein Sündenregister börsennotierter Konzerne in Form eines Schwarzbuchs vor. Es ist auch dieses Jahr gut gefüllt. Reihenweise seien Aktien frisch an der Börse notierender Internethändlern massiv auf Talfahrt gegangen, kritisiert SdK-Mitvorstand Markus Kienle. Bei Bayer sei zudem erstmals ein Dax-Vorstand bei der Hauptversammlung nicht von seinen Aktionären entlastet worden. Dazu komme das Trauerspiel um deutsche Großbanken.

Sowohl das Papier der Deutschen Bank als auch das der Commerzbank haben 2019 neue historische Tiefstände erreicht. Unter sechs Euro notierte zeitweise die Aktie der Deutschen Bank, unter fünf Euro die des Frankfurter Leidensgenossens. Erholt haben sie sich kaum. Da bei der Deutschen Bank ein neuer Milliardenverlust programmiert ist, will die SdK nicht ausschließen, dass nach der Commerzbank auch sie noch aus dem Dax fallen könnte. Zu den fünf kleinsten Dax-Werten zählt das einst stolze Institut schon.

Von den schwelenden Brandherden unter börsennotierten Unternehmen hätten deutsche Großbanken das bedeutendste Drohpotenzial, findet Bauer. Bei Deutscher und Commerzbank hält der SdK-Vorstand die bestehenden Risiken sogar für noch größer als beim Chemieriesen Bayer, der schwer unter dem Kauf des Glyphosat-Herstellers Monsanto leidet. Auf 42 700 habe sich die Anzahl der US-Klagen Glyphosat-Geschädigter mittlerweile aufgetürmt. Das werde Bayer wohl noch Milliarden Euro an Entschädigung kosten und dem Aktienkurs nicht gut tun.

Am anderen Ende des Börsenspektrums blicken die SdK-Experten mit Sorgenfalten auf diverse Jungfirmen, die es an die Börse geschafft haben, obwohl sie dafür erkennbar nicht reif gewesen seien. Das gelte vor allem für mehrere Börsenneulinge aus dem Umfeld des Berliner Beteiligungsunternehmens Rocket Internet. Gemeint sind die Online-Möbelhändler Westwing und home24 sowie der Bekleidungsversender Global Fashion Group. Massive Kurseinbrüche von zeitweise bis zu 90 Prozent hatte das Trio 2019 zu verkraften.

Alle dunklen Seiten des Kapitalmarkts hat das Schwarzbuch Börse 2019 indessen nicht beleuchtet. Ausgerechnet an den größten Verlierer unter den deutschen Dax-Konzernen hat sich die SdK nicht herangetraut. Das ist der klagefreudige Zahlungsdienstleister Wirecard, dessen Aktie 2019 nach andauernden Betrugsvorwürfen rund ein Viertel an Wert verloren hat.

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