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Aktien ohne Gebühren kaufen - Bei manchen Brokern ist auch das möglich.

Geldanlage

Online-Broker: Aktien kaufen zu Niedrigstpreisen

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Online-Broker wie Trade Republic, Justtrade oder Gratisbroker.de ermöglichen kostengünstige Aktien-Käufe - Geldanlage mit Aktien wird so günstiger.

Es ist noch nicht lange her, dass Online-Banken wie Comdirect, Consors oder die Diba den traditionellen Banken und Sparkassen mit ihren Tiefpreisen und Gratis-Wertpapierdepots das Leben schwer machen. Jetzt kommen auch sie unter Druck – durch Online-Broker, die den Wertpapierhandel bei kostenfreien Depots extrem günstig anbieten.

Getrieben wird die Entwicklung wieder einmal aus den USA, wo etwa das Fintech Robinhood den Markt durcheinanderwirbelt. Doch auch findige Bankerinnen und Bankern und IT-Experten in Deutschland gehen voran.

Bei den Neulingen in Deutschland ist wichtig: Alle werden von der Finanzaufsicht Bafin überwacht, alle arbeiten mit Banken zusammen, die der gesetzlichen Einlagesicherung von 100 000 Euro unterliegen, jeweilige Depots sind von einer Insolvenz nicht betroffen. Zur Auswahl stehen jeweils mehrere Tausend Aktien, börsengehandelte Indexfonds (ETF), Zertifikate und andere Wertpapiere. Allerdings: Beratung gibt es nicht. Die neuen Anbieter locken vor allem mit niedrigen Preisen. Die Depotführung ist umsonst, der Kauf einer Aktie kostet maximal einen Euro oder ist sogar gratis. Zwar kosten Depots auch bei Consors und Co. nichts, aber jeder Kauf und Verkauf eines Wertpapiers schlägt mit einer Provision von mindestens 4,95 Euro zu Buche. Dazu kommen oft 0,25 Prozent des Ordervolumens und die Handelsgebühr an der Börse. Werden so etwa für 5000 Euro Telekom-Aktien gekauft, summiert sich das schnell auf 20 Euro und mehr. Bei Banken und Sparkassen ist es noch mehr, zumal dort auch das Depot kostet.

Aktien ohne Gebühren kaufen - auch das bieten manche Broker an

Hierzulande hat die Berliner Trade Republik im Mai den Startschuss gegeben. Jeder solle die Möglichkeit haben, einfach, verständlich und kostenlos am Kapitalmarkt investieren zu können, wirbt das Unternehmen. Vier Jahres lang haben zwei Investmentbanker und ein Software-Experte die App entwickelt und Partner und Investoren gesucht. Im Mai ging es los. Das Prinzip: Interessenten laden sich die App auf ihr Smartphone, identifizieren sich per Video und können loslegen. Dabei handelt das Unternehmen die Wertpapiere über das elektronische Handelssystem LS der Hamburger Börse, meidet die traditionellen Börsen in Frankfurt, Stuttgart oder München.

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Partner von Trade Republik sind die HSBC als Abwickler der Geschäfte, der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock für ETF und die Solarisbank. Und wie verdient Trade Republic Geld? Die Partner zahlen eine Provision, im Branchenjargon eine Rückvergütung oder auch Kick Back. Eine Praxis, die im Bankgeschäft seit Jahren üblich ist.

Anfang Oktober ist Justtrade an den Start gegangen, im November Gratisbroker.de. Beide finanzieren sich ebenfalls über Rückvergütungen. Der Unterschied zu Trade Republic: Beide verlangen nicht einmal einen Cent Gebühr beim Wertpapierhandel. Gratisbroker setzt auf die Baader Bank, die Deutsche Bank ETF-Tochter DWS Xtrackers und die Handelsplattform Gettex. Für den Kunden fallen keine Gebühren an – einzige Bedingung: Eine Order muss bei mindestens 500 Euro liegen. Die Kostenersparnis erklärt das Unternehmen auch damit, dass man auf die Entwicklung einer App verzichtet hat.

Für Aktien-Neulinge sind diese Broker nicht das Richtige

Justtrade kooperiert mit der Hamburger Sutorbank und dem Fintech JT Technologies. Gehandelt werden kann außerbörslich oder über alle Börsen, sowohl über die App als auch online. Eine direkte Depoteröffnung ist noch nicht möglich, Interessenten können sich nur registrieren.

Finanzexperten können den Billigheimern durchaus etwas abgewinnen. Wer günstig deutsche Einzelwerte und ETF handeln wolle, könne kaum attraktivere Angebote finden, heißt es beim Finanzportal biallo.de mit Blick auf Trade Republic. Kritisiert wird aber die Beschränkung auf jeweils nur einen Fonds- und ETF-Anbieter. Auch bei "Finanztest" steht man den neuen Offerten positiv gegenüber. Allerdings könnten sich die Anbieter an der Handelsspanne bedienen. Den Kunden würden damit etwas ungünstigere Kurse gewährt. Das sieht auch Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg als eventuell kritischen Punkt. Aber selbst dann dürfte der Wertpapierkauf über Trade Republic und Co. noch deutlich günstiger sein als bei Direktbanken.

Allerdings rät Nauhauser Interessierten, bei den Neulingen genau hinzuschauen. Bei Finanztest heißt es: „Für Anleger, die langfristig investieren wollen, ist Trade Republic kaum das Richtige.“ Die ETF-Auswahl sei zu klein, die Depotinformationen rudimentär. Damit seien die Online-Broker auch für Aktien-Neulinge nichts.

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