„Keinesfalls nur auf Gold setzen“, raten die Experten.
+
Wie lege ich mein Geld am besten an? „Keinesfalls nur auf Gold setzen“, raten die Experten.

Experten geben Tipps

Das Vermögen während der Corona-Krise sicher anlegen – mit diesen Tipps

Finanzexperten erklären unseren Leserinnen und Lesern, wie sie ihr Vermögen während Corona sicher anlegen können und welche grundsätzlichen Regeln es zu beachten gilt.

  • Sie möchten ihre Vermögen während der Corona-Krise und trotz steigender Coronainfektionen sicher anlegen?
  • Doch Sie wissen nicht, in welche Anlagen Sie investieren sollen?
  • Finanzexperten erklären, welche Regeln es beim Anlegen zu beachten gilt.

Ich habe ca. 30.000 Euro langfristig übrig und würde gerne in Aktien einsteigen – weiteres Vermögen und Liquidität sind vorhanden. Aber Corona ist noch nicht vorbei und ich frage mich, ob das Kursniveau jetzt gut zum Kaufen ist?

Wenn die Infektionen mit Corona wieder ansteigen, könnten die Auswirkungen auf die Kapitalmärkte weniger gravierend sein wie im Frühjahr. Damals waren die Überraschung und damit verbundene Unsicherheit immens groß. Da konnte sich auch kaum jemand vorstellen, dass die Kurse so schnell dieses Niveau wieder erreichen. Aber natürlich sind Rückschläge an den Börsen quasi jederzeit möglich.

Wenn Sie mit Schwankungen leben können und langfristig das Anlagekapital nicht benötigen, kann sich der Einstieg dennoch lohnen. Starten Sie aber am besten nach und nach mit Teilbeträgen, so kaufen Sie gegebenenfalls auf unterschiedlichen Kursniveaus ein. So könnten Sie zum Beispiel 7500 Euro über vier Monate verteilen, oder 5000 Euro über sechs Monate. Oder Sie starten einen monatlichen Sparplan mit Aktienfonds. Denken Sie daran, dass Sie Ihre Aktienanlage weltweit und branchenübergreifend streuen sollten.

Wie legt man in unsicheren Zeiten sein Geld sicher und gewinnbringend an? Orientierungshilfe rund um die Geld- und Vermögensanlage erhielten unsere Leser bei einer Telefonaktion von Experten Danijela Streil und Stephan Schuth vom Bundesverband deutscher Banken. Hier eine Zusammenfassung zum Nachlesen.

Unter dem Motto „Nachhaltig“ gibt es immer mehr Angebote für Finanzprodukte wie Aktien. Welches ist für mich das richtige?

Vorrangig sollte bei der Auswahl sein, dass die Anlage zu Ihnen und Ihrer Lebenssituation passt. Dabei spielt Ihre Risikobereitschaft eine Rolle, wie lange Sie welchen Betrag anlegen möchten, muss berücksichtigt werden und welche Geldanlagen Sie bereits haben. Immer mehr Investments bieten den Anlegern auch die Berücksichtigung sozialer, ökologischer oder gesellschaftlicher Kriterien. Das eine, allumfassende Wertegerüst gibt es dabei allerdings nicht. Investoren sollten also einen Blick auf die Auswahl- und Ausschlusskriterien werfen und prüfen, dass diese die eigene Haltung reflektiert. Für eine konkrete Empfehlung sollten Sie ein Beratungsgespräch bei Ihrer bevorzugten Bank vereinbaren.

Wie kann ich herausfinden, ob meine persönlichen Kriterien für Nachhaltigkeit und Ökologie eingehalten werden?

Fragen Sie gezielt nach: Welche Unternehmen sind dabei und was genau tun diese? In dem sogenannten Fonds-Factsheet wird erläutert, wie viele und welche Einzelwerte in dem Fonds enthalten sind. Denken Sie auch daran, dass mehr Werte eher eine breite Risikostreuung gewährleisten. Informieren Sie sich auch über die Leitlinien des Fondsmanagers und prüfen Sie, ob das zu Ihnen und Ihren Anlagekriterien passt. Auch Verbraucherzentralen und Stiftung Warentest beleuchten unterschiedliche ökologische Geldanlagen. Werfen Sie zudem einen Blick auf die Wertentwicklung der letzten Jahre, nach Abzug der Kosten.

Ich habe von der grünen Bundesanleihe gehört. Was bringt mir die als Privatanleger?

Die grüne Bundesanleihe wurde am 2. September mit zehnjähriger Laufzeit auf den Markt gebracht. Im Vordergrund steht hier ganz klar die Verwendung: Der Bund will damit gezielt klimafreundliche Projekte finanzieren. Sie bieten aber keinen Zinsbonus. Die Rendite dieser Anleihe ist vergleichbar mit anderen Bundesanleihen, die in weiten Teilen derzeit negativ rentieren.

Die Expert:innen

Danijela Streil arbeitet seit 20 Jahren in der Bankenbranche und ist heute Leiterin einer großen Bankfiliale. Die gelernte Bankkauffrau hat Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Banken studiert. Stephan Schuth ist Diplom-Betriebswirt (FH) und Wealth Advisor und seit 1994 für ein großes Kreditinstitut tätig. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Kapitalmarkt, Anlagestrategie und Vermögensverwaltung.

Stephan Schuth

Eine Möglichkeit wäre, den Großteil der Summe in eine Vermögensverwaltung zu geben. In einem ausführlichen Gespräch legen Sie Ihre Anlageziele und Risikobereitschaft fest. Die Vermögensverwaltung wählt dann eine passende Anlagestrategie und sorgt für eine weltweite Streuung. Sie reagiert auch aktiv auf Entwicklungen am Kapitalmarkt und passt sich etwaigen Veränderungen Ihrer persönlichen Situation an. Dafür bezahlen Sie eine laufende Verwaltungsgebühr. Da diese Gebühren variieren, sollten Sie mehrere Angebote vergleichen. Und falls noch nicht vorhanden, legen Sie sich eine Liquiditätsreserve für Notfälle und geplante Ausgaben zur Seite.

Aus einem Hausverkauf haben wir (Ehepaar, 75 Jahre alt) 200 000 Euro zur Verfügung. Davon benötigen wir allerdings monatlich Geld für die Mietkosten. Welche Möglichkeiten haben wir?

Danijela Streil.

Für einen Teil des Geldes kommt eine Sofortrente in Betracht. Hier erhalten Sie lebenslang eine garantierte Rentenauszahlung und hätten so eine hohe Planungssicherheit. Eine weitere Möglichkeit wäre eine Fondsanlage mit einem Entnahmeplan. Hier sind bessere Renditen möglich, aber die Anlage ist Wertschwankungen ausgesetzt. Lassen Sie sich beide Optionen von verschiedenen Anbietern durchrechnen und vergleichen Sie in Ruhe.

Ich bin Berufsanfängerin und interessiere mich für nachhaltige Fonds oder ETFs, da ich schon ein bisschen Geld angespart habe. Was ist rentabler?

Ein ETF (Exchange Traded Funds – börsengehandelter Fonds) ist praktisch die Kopie von einem Index, wie etwa dem DAX. Die Wertentwicklung richtet sich nach dem Index, auf den er aufbaut. Er macht also alle Index-Schwankungen mit, ist aber kostengünstig. Gemanagte Fonds können flexibler auf sich ändernde Kapitalmärkte reagieren und verschiedenen Segmente und Regionen berücksichtigen. Dafür sind die Kosten höher als bei ETFs. Welcher langfristig besser abschneidet, lässt sich pauschal nicht beantworten, denn wir können nicht in die Zukunft schauen. Je nach Strategie kann auch eine Aufteilung in beide sinnvoll sein. Lassen Sie sich beraten und informieren Sie sich selbst. Im Internet gibt es diverse Seiten zum Fondsvergleich (beispielsweise BVI oder Onvista).

Ich bin Mitte dreißig und möchte monatlich etwa 250 Euro sparen. Soll ich lieber auf einen Fondssparplan setzen oder doch besser auf ein Sparbuch wegen der turbulenten Zeiten?

Bei einem langfristigen Anlagezeitraum haben Sie mit Fondssparplänen bessere Renditechancen als auf dem Sparbuch, die besten mit einem Aktienfondssparplan, auch ein ETF kann geeignet sein. Da Sie noch jung sind, kann der Aktienanteil hoch sein: Auf lange Sicht gleichen die Kursgewinne zwischenzeitliche Verluste aus und erzielen attraktive Renditen. Über die Kursschwankungen profitieren Sie vom Cost-Average-Effekt: Bei niedrigen Kursen kaufen Sie mit Ihrem Sparbetrag mehr, bei hohen Kursen weniger Anteile. Dadurch haben Sie langfristig einen günstigen Durchschnittskurs.

Ich überlege in Gold anzulegen. Ist das eine sichere Sache?

Gold gilt als Krisenwährung, ist sehr schwankungsintensiv und daher eher eine spekulative Anlageform, die keine Zinsen oder Dividenden bringt. Als kleine Beimischung kann Gold ein breit gestreutes Vermögen gut ergänzen. Aber bitte keinesfalls nur auf Gold setzen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare