Der Triebwerksbauer MTU ist einer der großen Profiteure des weltweiten Luftfahrtbooms.
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Der Triebwerksbauer MTU ist einer der großen Profiteure des weltweiten Luftfahrtbooms.

MTU

Aktie mit Auftrieb

  • Thomas Magenheim-Hörmann
    vonThomas Magenheim-Hörmann
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Kein Dax-Papier hat dieses Jahr mehr zugelegt als das des Triebwerksherstellers MTU. Technologie der Münchner steckt weltweit in fast jedem dritten Flugzeug.

In den Wochen vor Silvester hat das Geschäft mit Flugzeugtriebwerken noch einmal mehr Schub entwickelt als das mit Sportschuhen. Das hat den Anteilsschein des Turbinenherstellers MTU zur Dax-Aktie des Jahres 2019 gemacht - knapp vor Papieren des Sportartiklers Adidas. Beide haben dieses Jahr rund 60 Prozent zugelegt, MTU am Ende etwas mehr als Adidas. Etwa 255 Euro kostet eine Aktie der Industrieperle aus dem Münchner Norden nun. Wer nach Gründen für den Höhenflug sucht, könnte es sich einfach machen. Ende September wurde MTU in den führenden deutschen Aktienindex aufgenommen. Fonds, die ihn abbilden, mussten daraufhin kaufen, was der Aktie viel Auftrieb beschert hat. Das allein hat aber nicht zum Aufstieg der einst eher unscheinbaren Daimler-Tochter geführt.

2003 war es, als der Stuttgarter Autobauer beschlossen hatte, MTU für 1,5 Milliarden Euro an den Finanzinvestor KKR zu verkaufen. Zwei Jahre später startete MTU an der Börse mit 21 Euro je Aktie als Erstnotiz. Weit mehr als verzehnfacht hat sich der Kurs seither. Das Unternehmen wird heute mit gut 13 Milliarden Euro bewertet.

Dabei baut MTU nicht einmal komplette Flugzeugtriebwerke wie die US-Hersteller GE und Pratt & Whitney oder die britische Rolls-Royce. Der Luftfahrtzulieferer aus München fertigt aber Schlüsselkomponenten wie Hochdruckverdichter oder Niederdruckturbinen, die es technologisch derart in sich haben, dass MTU-Teile im Schnitt in jedem dritten Passagierjet – von Boeing über Airbus bis Embraer oder westliche Militärjets wie dem Eurofighter – stecken. Der jeweilige MTU-Triebwerksanteil schwankt dabei zwischen vier und 40 Prozent.

Teil des Erfolgsgeheimnisses ist auch, dass sich die Münchner nicht exklusiv an einen großen Triebwerkshersteller binden, sondern von Modell zu Modell abwechselnd mit GE, Pratt & Whitney oder Rolls-Royce kooperieren. Das verteilt Risiken und kein Geschäft ist von vorneherein ausgeschlossen.

Dazu kommt, dass die Wettbewerberzahl sehr überschaubar ist. Experten zählen in der Branche weltweit inklusive MTU acht relevante Konkurrenten, was sich wegen hoher Eintrittshürden auch kaum erhöhen dürfte. „Ein neues Triebwerk zu entwickeln kostet mehrere Milliarden Dollar und ist technisch sehr anspruchsvoll“, stellt MTU-Chef Reiner Winkler klar. Er ist ein betont ruhiger Vertreter der Managerzunft und neigt nicht zu Übertreibungen.

Andererseits ist ein Zulieferer wie MTU und damit auch dessen Aktienkurs abhängig von der Entwicklung der Luftfahrtbranche, die sich immer mehr der Klimadiskussion stellen muss. Noch stehen die Zeichen aber auf Steigflug. Verbraucher fliegen unvermindert, so wie sie immer mehr Geländewagen kaufen. Eine Airbus-Studie sagt bis 2038 fast eine Verdoppelung der weltweiten Flugzeugflotten auf etwa 48 000 Maschinen voraus. Auch diese Aussichten haben MTU 2019 beflügelt.

Lässt die Branchenkonjunktur einmal nach, können die Münchner mit dem lukrativen Wartungsgeschäft an Standorten wie Hannover und Berlin-Ludwigsfelde von einem wichtigen Pfund zehren. Beim Verkauf von Triebwerken an Flugzeughersteller wird branchenüblich relativ wenig verdient. Üppige Margen aber bringen Reparatur und Wartung. Das könnte die Münchner demnächst in einem speziellen Fall zum Krisengewinnler machen.

Wegen des anhaltenden Flugverbots für die Boeing 737 Max müssen eingemottete Passagierflieger wieder flugfähig gemacht werden, sagt UBS-Analystin Celine Fornaro voraus. Das werde das Wartungsgeschäft von stimulieren. Die Branchenexpertin der UBS-Bank hat deshalb das Kursziel für MTU jüngst auf 295 Euro angehoben. Von gut 20 Bankanalysten, die MTU regelmäßig begutachten, rät aktuell aber nur noch knapp ein Drittel zum Kauf der Aktie. Die Hälfte empfiehlt ein Halten des Papiers, weil seine Kursentwicklung nach allgemeiner Einschätzung vorerst ausgereizt ist.

Das Rekordjahr, das MTU 2019 mit 4,7 Milliarden Euro Umsatz und 750 Millionen Euro operativem Gewinn vor Steuern und Zinsen eingeflogen haben dürfte, ist im aktuellen Aktienkurs eingepreist. „Weiterem Wachstum steht nichts im Wege“, meinte MTU-Chef Winkler jüngst mit Blick auf 2020 und die folgenden Jahre. Dafür sorge auch anhaltender Stellenaufbau auf zuletzt weltweit 10 500 Beschäftigte. 21 Milliarden Euro Auftragsbestand lasten die Produktion rechnerisch auf gut vier Jahre aus.

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