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Präsident Erdogan eröffnete den Flughafen.

Türkei

Nichts läuft wie es soll

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Auch die Türkei hat einen Pannenflughafen, der für viel Ärger sorgt.

Eigentlich sollte der Flugverkehr längst auf Hochtouren laufen. Auf den ersten Blick ist auch alles bereit am neuen Airport Istanbul: die Check-In-Schalter, die Gepäckbänder, die Fluggastbrücken. Aber in der riesigen Abflughalle verlieren sich nur wenige Menschen. Lediglich 3000 bis 4000 Passagiere benutzen den Flughafen bisher täglich. Ausgelegt ist er für bis zu 250 000 Reisende am Tag. Am kommenden Wochenende sollte der Flugverkehr binnen 48 Stunden komplett vom bisherigen Atatürk-Flughafen auf den neuen Airport an der Schwarzmeerküste verlagert werden. Aber daraus wird nichts. Der bereits drei Mal verschobene Umzug verzögert sich erneut.

Als man im Juni 2014 mit dem Bau begann, wurde der 29. Oktober 2017 als Eröffnungstermin genannt, der türkische Nationalfeiertag. Die Einweihung fand dann erst ein Jahr später statt. Der Umzug der Airlines zum neuen Flughafen verzögerte sich aber. Erst wurde der 31. Dezember 2018 genannt, dann der 3. März 2019.

Bisher nutzt nur die staatlich kontrollierte Turkish Airlines den neuen Flughafen im Testbetrieb für etwa 20 Flüge pro Tag. Es gebe immer noch erhebliche Probleme bei der Organisation der Abläufe und mit der Informationstechnik, berichten Insider hinter vorgehaltener Hand. Offenbar gibt es aber auch Konstruktionsmängel. Ein Wolkenbruch setzte kürzlich Teile des Flughafengeländes meterhoch unter Wasser.

Zu den technischen Schwierigkeiten kommen nun auch finanzielle Probleme. Ein Konsortium von fünf regierungsnahen Bauunternehmen hat den Flughafen errichtet und soll ihn auf 25 Jahre betreiben. Wegen des Lira-Verfalls und der Verzögerungen scheint aber die Finanzierung aus dem Gleis zu laufen. Vergangenes Jahr musste das Konsortium mit staatlichen Bürgschaften einen zusätzlichen Kredit aufnehmen. Im Januar verließ einer der fünf Konsortialpartner die Betreibergesellschaft. Zwei weitere Teilhaber wollen ebenfalls aussteigen, berichten türkische Medien. Turkish Airlines könnte mit seiner Immobilientochter als Partner in das Flughafenprojekt einsteigen. Damit würde ein Teil der Milliardenschulden des Konsortiums beim Staat landen.

Der neue Airport ist das wichtigste der Großprojekte von Staatschef Recep Tayyip Erdogan. Im Endausbau soll es der größte Flughafen der Welt werden. Entsprechend stark ist der politische Druck. Jetzt gibt es Überlegungen, den Flugverkehr nicht in einem großen Hauruck zum neuen Airport zu verlagern, sondern schrittweise über die nächsten zwei Jahre. Das würde allerdings Turkish Airlines Zusatzkosten verursachen und für Umsteiger lange Wege bedeuten: Die Bus- oder Taxifahrt vom Atatürk-Airport zum neuen Flughafen kann über eine Stunde dauern.

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