Insgesamt lieferte Airbus 863 Verkehrsflugzeuge aus während Boeing lediglich auf 345 Maschinen kam.
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Insgesamt lieferte Airbus 863 Verkehrsflugzeuge aus während Boeing lediglich auf 345 Maschinen kam.

Flugzeugbauer

Airbus überholt Boeing

  • vonFinn Mayer-Kuckuk
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Aus dem Kopf-an-Kopf-Rennen ist ein himmelweiter Vorsprung für den europäischen Flugzeugbauer geworden. Airbus ist derzeit gegenüber Boeing klar im Vorteil.

Führungswechsel im Flugzeugmarkt: Die Sicherheitsprobleme bei Boeing haben sich im vergangenen Jahr deutlich in den Absatzzahlen niedergeschlagen – und erlaubten Airbus den Wiederaufstieg zur Nummer eins der Branche. Insgesamt lieferte Airbus 863 Verkehrsflugzeuge aus während Boeing lediglich auf 345 Maschinen kam.

Der europäische Flugzeugbauer hatte zuletzt 2011 mehr Maschinen abgesetzt als sein amerikanischer Erzrivale. Nun ist der Absatz von Boeing fast auf die Hälfte abgesackt und Airbus erfreut sich voller Auftragsbücher und kommt kaum mit der Herstellung hinterher.

Während es also bei Airbus läuft, kommen nach dem Absturz von zwei 737 Max-Flugzeugen immer neue Zweifel an der Zuverlässigkeit von Boeing auf. Die US-Regierung hat das Unternehmen zur Herausgabe interner Unterlagen gezwungen. Aus den E-Mails und Chats spricht eine gewisse Verachtung gegenüber allzu hohen Sicherheitsstandards und den Anforderungen der öffentlichen Aufseher. Auch qualifizierte Mitarbeiter hatten nur geringes Zutrauen in die Abläufe, wie aus Zitaten hervorgeht, die der Wirtschaftsdienst Bloomberg veröffentlicht hat.

Während der Entwicklung der 737 Max im Jahr 2016 schrieb ein Testpilot beispielsweise an einen Kollegen: „Dieses Flugzeug wird von Clowns konstruiert, die von Affen überwacht werden.“ Zwei Jahre später fragte ein anderer Mitarbeiter seinen Kollegen, ob er seine Familie auf einer 737 Max mitfliegen lassen würde. „Ich nicht.“

Bei den Abstürzen im Oktober 2018 und im März 2019 hatte der Bordcomputer Sensordaten so interpretiert, als befinde sich die Maschine im Steilflug nach oben. Das Gerät hat dann eigenmächtig Kommandos gegeben, um die Nase nach unten zu drücken. Seitdem haben Behörden weltweit der 737 Max die Starterlaubnis entzogen.

Die Untersuchung der Ereignisse förderte Mängel in der Sicherheitskultur bei Boeing, aber auch Nachlässigkeit auf Seite der Luftfahrtaufsicht zutage. Das Unternehmen hatte den Flieger zügig auf den Markt gebracht. Das Verhalten der Software war daher nicht gut durchdacht. Boeing hat zudem verschwiegen, dass die Piloten eigentlich aufwändige Schulungen brauchen, um das Verhalten des umgestalteten Jets zu verstehen. Man habe gegen die Aufseher „Jedi-Manipulationstricks“ angewandt, um Probleme zu vertuschen, schrieb ein Testpilot in Anspielung an die „Star Wars“-Filme.

Hier liegt derzeit der Hauptgrund für weitere Verzögerungen und neue Kosten: Wenn die europäischen und die amerikanischen Aufseher darauf bestehen, dass alle 737-Piloten ein gesondertes Simulatortraining für die Max durchlaufen müssen, dann entstehen zusätzliche Kosten. Außerdem verliert der Typ an Popularität.

Es war gerade das Versprechen, dass beim Umstieg vom alten auf das neue Modell keine weiteren Schulungen nötig sein werden, das viele Airlines gereizt hat, die Maschinen zu kaufen. Wenn Boeing die Fluglinien für die Personalausfälle entschädigen muss, dann kommen neue Zahlungen von mehr als fünf Milliarden Dollar auf den Konzern zu, schätzt Analyst George Ferguson von Bloomberg.

Airbus wiederum bietet mit der A320neo-Familie eine Alternative mit gutem Ruf an. Die Maschinen sind seit 2016 im Einsatz, verbrauchen ein Sechstel weniger Sprit als die Vorgängermodelle und gelten als modern.

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