Produktion eingebrochen

Airbus streicht massiv Jobs

  • Stefan Brändle
    vonStefan Brändle
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5000 Stellen sollen hierzulande wegfallen.

Es ist wie beim Sturz ins Luftloch – niemand weiß, wie groß es ist. Anfang des Jahres war das europäische Vorzeigeunternehmen Airbus noch ganz oben gewesen, während der US-Rivale Boeing bereits am Boden war. Im Februar wollte Konzernchef Guillaume Faury gerade die Fertigung seines Verkaufsschlagers A320 auf 67 Maschinen im Monat erhöhen; die Personalabteilungen in Toulouse und Hamburg schraubten die Löhne hoch, um Ingenieure zu finden.

Dann brach die Pandemie los. Ein Vierteljahr später gab Faury bekannt: Die Produktion sei um 40 Prozent eingebrochen. 14 931 Arbeitsplätze müssten gestrichen werden, sagte er am Dienstagabend. Von den vier Partnerländern verliert Deutschland 5100 Stellen, Frankreich 5000, Großbritannien 1700 und Spanien 900.

Faury will vor allem mit dem Vorruhestand operieren, zumal in den nächsten sieben Jahren ein Drittel der 135 000-köpfigen Belegschaft in Rente gehen wird; aber er schließt auch Kündigungen nicht aus. Der Einbruch vieler Fluggesellschaften lasse Airbus gar keine Wahl, meinte der 52-jährige Franzose. Sein Hauptargument ist für alle sichtbar: Auf den Flugfeldern in Toulouse, wo die Airline-Delegationen bisher täglich nagelneue Maschinen übernahmen, warten nun selbige im Dutzend – bestellt, aber nicht mehr abgeholt.

Die französische Regierung räumte am Mittwoch ein, dass der „Schock massiv und brutal“ sei. Trotzdem sei die Zahl der angekündigten Stellenstreichungen „überrissen“, verkündete das Pariser Wirtschaftsministerium, das wie das deutsche Pendant je elf Prozent am Unternehmen hält. Der französische Staat hatte seiner Luftfahrtindustrie jüngst mit 15 Milliarden Euro unter die Arme gegriffen. Dafür verlangt Paris nun die Rettung von 2000 der 5000 bedrohten Stellen in Frankreich.

Airbus hatte allerdings vor Wochen schon von sich aus auf Staatshilfen verzichtet. Die deutsche Regierung schließt daraus, wie ihr Luftfahrtkoordinator Thomas Jarzombek der „FAZ“ mit einer gewissen Ironie erklärte, dass bei Airbus offenbar eine „größere Liquiditätslinie vorhanden“ sei.

Die Gewerkschaften weisen darauf hin, dass die Auftragsbücher von Airbus auf acht Jahre hinaus ausgelastet sind. Airbus habe alles Interesse, das rare Fachpersonal für die Zeit nach der Krise zu behalten, so der Konzernbetriebsrat.

Airbus versucht nun, die Bundesregierung zu einer Verlängerung der Kurzarbeit-Regelung zu bewegen. Wenn die auf zwei Jahre verlängert werde, könne Airbus in Deutschland 1500 der 5100 gefährdeten Jobs erhalten, sagte Produktionschef Michael Schöllhorn. Staatliches Forschungsgeld für die Entwicklung umweltfreundlicherer Flugzeuge könne weitere 500 Jobs sichern . (mit dpa)

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