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Airbus hebt ab

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Von: Thomas Magenheim-Hörmann

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Stolz: Airbus-Chef Tom Enders.
Stolz: Airbus-Chef Tom Enders. © REUTERS

Der Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus steigert seinen Gewinn kräftig. Besonders das Rüstungsgeschäft stärkt die Bilanzen.

Airbus-Chef Tom Enders ist sichtbar guter Laune. Erstmals legt der Manager die Bilanz des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns, der bis Ende vorigen Jahres noch EADS hieß, am französischen Firmensitz Toulouse vor. Dorthin hat er zuletzt immer mehr Kompetenzen verlagern lassen, weg von der deutschen Zentrale in München. „Wir sind jetzt ein normales Unternehmen ohne Sonderrechte für Staatsaktionäre“, bemerkt Enders noch bevor er die erste Bilanzzahl nennt. Endlich hat der streitbare Deutsche den Staatseinfluss im eigenen Haus zurückgedrängt. Zudem hat 2013 mit einem um gut ein Fünftel höheren Jahresüberschuss auf rund 1,5 Milliarden Euro einen Gewinnsprung gebracht.

Das ist nicht schlecht für einen Konzern, der sich gerade den Abbau von europaweit 5800 Stellen verordnet hat. Deutsche Standorte sind mit 2600 Arbeitsplätzen mit von der Partie. Interessanterweise ist die Profitabilität 2013 gerade in den Bereichen am höchsten ausgefallen, wo nun gespart und gestrichen wird, im Rüstungsgeschäft der Tochter Cassidian und bei der Raumfahrttochter Astrium. Beide werden gerade im Zuge des Radikalumbaus unter dem neuen Dach Airbus Defence & Space vereint. Bei Astrium lag die operative Umsatzrendite 2014 erstmals überhaupt bei sechs Prozent. Cassidian schaffte sogar 7,2 Prozent.

Probleme mit A 400 M

Das allgemein als Zugpferd geltende Geschäft mit Airbus-Passagierflugzeugen bringt es dagegen nur auf vier Prozent Rendite. Das Lächeln verschwindet aus dem Gesicht von Enders, als er gefragt wird, wie das denn zusammenpasst, dort Stellen zu streichen, wo am besten verdient wird. Das ist kein Widerspruch, findet der Manager. Erstens sei die Rendite in der Raumfahrt und Rüstung auch deshalb so gut, weil man zu sparen begonnen und nun die ersten Früchte ernte. Zweitens kämen vor allem im Verteidigungsgeschäft auf Airbus immer schneller harte Zeiten zu. Enders Stimmung schlägt nun um.

„Unerträglich“ sei es, dass die Türkei einen fertig gebauten Militärtransporter vom Typ A 400 M nicht abnimmt. Beim lange mit Anlaufproblemen behafteten A 400 M will man eigentlich nun die Produktion hochfahren. „Aber wie, wenn man nicht weiß, ob die Kunden ihre Bestellungen abnehmen“, wettert Enders.

Jobabbau in Manching

Noch größeres Ungemach droht aus Deutschland. Hier stellt gerade Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen diverse Rüstungsprojekte auf den Prüfstand. Das gilt auch für die Abnahme von 37 bestellten Eurofighter-Kampfjets im Wert von 3,2 Milliarden Euro. „Wir haben gute Verträge“, sagt Enders dazu nur. Dem Vernehmen muss der Bund rund 900 Millionen Euro Kompensation zahlen, falls er die Jets nicht abnimmt. Für den Fertigungsstandort im bayerischen Manching bedeute das, dass die Produktion dort eher früher als später zurückgefahren werden muss, warnt der Airbus-Chef. Das Werk ist schon jetzt vom geplanten Jobabbau mit rund 1000 Stellen am härtesten betroffen. Nach bisherigen Plänen läuft die Eurofighter-Produktion dort 2017 aus.

Nicht risikofrei ist aber auch das Geschäft mit Airbus-Passagierflugzeugen. Dort beginnt gerade die kritische Phase für das neue Langstreckenmodell A350, das Ende 2014 erstmals ausgeliefert werden soll. Dafür sind in der Vorjahresbilanz stolze 434 Millionen Euro Sonderlasten angefallen, mehr als die für den Konzernumbau verbuchten Einmalkosten von 292 Millionen Euro. Er könne nicht garantieren, dass beim A350 nicht weitere Sonderlasten auflaufen, warnte Enders. Dennoch ist er sicher, dass die Profitabilität im Konzern 2014 weiter steigt und 2015 sieben bis acht Prozent operative Umsatzrendite erreicht wird. Bei Rüstung und Raumfahrt sollen es sogar zehn Prozent Rendite werden. Die Umsätze, die 2013 um fünf Prozent auf gut 59 Milliarden Euro zugelegt haben, sollen dieses Jahr stagnieren.

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