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Tom Enders bei der Auslieferung eines Airbus A380 an die japanische Airline All Nippon Airways vergangene Woche.

Rüstung ohne Deutschland

„Eine sehr reale Gefahr“

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Airbus-Chef Tom Enders geht in den Ruhestand – aber nicht ohne Deutschland vor einer Isolation in der europäischen Rüstungspolitik zu warnen.

Rote Cowboystiefel, zerfranste Jeans und ein bayerischer Trachtenjanker, Tom Enders bereitet sich sichtbar auf den Ruhestand vor. Am 11. April wird der deutsche Chef des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns Airbus das Zepter an seinen französischen Nachfolger Guillaume Faury übergeben. Wie ein Manager von der Stange gebärdet sich der 60-Jährige auch bei seinem Abschied in München nicht. Der Ex-Fallschirmjäger und Major der Reserve bleibt vor allem politisch unbequem. „Wir sind drauf und dran die europäische Integration bei der Verteidigung zu verspielen, indem wir uns isolieren“, warnt Enders die Bundesregierung. Die hat soeben ihren Rüstungsexportstopp für Saudi-Arabien um ein halbes Jahr verlängert.

Enders sorgt sich nicht um Airbus. Der Konzern werde bei einem Umsatzanteil der Rüstung von rund einem Fünftel auch ein dauerhaftes Ausscheren Deutschlands überleben. Aber er hat wie wenige andere deutsche Manager ein Ohr an der französischen Politik und auch gute Drähte nach Großbritannien. Dort werde ernsthaft diskutiert, europäische Rüstungsprojekte künftig ohne industrielle Beteiligung Deutschland abzuwickeln. „German free products“, heißt das Schlagwort. „Ich halte das für eine sehr reale Gefahr“, so Enders.

Betreffen könne das Drohnen-Projekte oder den diskutierten Nachfolger für das Kampfflugzeug Eurofighter. Zumindest Letzteres werde es mit oder ohne Deutsche geben. Nicht nur Franzosen und Briten auch Spanier und Italiener würden den deutschen Standpunkt bei Rüstungsexporten nicht mehr verstehen. Ohne gemeinsame Exportmaßstäbe gebe es keine europäischen Rüstungsprojekte mit Deutschland. Man dürfe hierzulande nicht darauf spekulieren, dass Frankreich keine andere Option als Deutschland habe. „Das ist ein Irrtum“, warnt der intern Major Tom genannte Manager. Auch Airbus als Unternehmen müsse sich überlegen, die Produktion von Rüstungsgütern möglichst „German free“ zu machen.

Gegenüber der Politik hat der zackig auftretende Manager nie ein Blatt vor den Mund genommen. Einer „Blutgrätsche“ von Bundeskanzlerin Angela Merkel sei es zu verdanken gewesen, dass sein Plan von einer Rüstungsfusion mit der britischen BAE Systems sich vor sieben Jahren zerschlagen hat. Andererseits habe das die Chance für eine weitgehende Entpolitisierung von Airbus ermöglicht, philosophiert der Mann rückblickend, der seit dieser Zeit Airbus-Chef ist und 28 Jahre lang für den Konzern und seine Vorgängerunternehmen gearbeitet hat.

Fast mitleidend urteilt er über das Debakel des US-Erzrivalen Boeing mit dem neuen Modell 737 Max. Nach zwei Abstürzen mit hunderten Toten darf es derzeit nicht mehr fliegen. „Ich bin der letzte der sagt, so etwas kann uns nicht passieren“, sagt Enders mit Blick auf diverse Airbus-Pannen, auch wenn diese weniger tödlich waren. Die Abstürze seien schlecht für die ganze Branche und würden wohl Zulassungen von Flugzeugen künftig für alle komplizierter machen.

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