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Trotz aller Schwierigkeiten konnte Airbus seinen Umsatz steigern.

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Airbus bangt um Lieferziel

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Der französische Flugzeugbauer hat Probleme mit Turbinenherstellern und bangt um die Lieferziele. Außerdem bleibt der A 400M die Dauerbaustelle.

Ein besenreines Haus wird der deutsche Airbus-Chef Tom Enders kaum übergeben, wenn sein französischer Nachfolger Guillaume Faury im April auf dem Chefsessel des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns Platz nimmt. Zwar hat Airbus nach neun Monaten 2018 bilanziell besser abgeschnitten als allgemein erwartet. Der Umsatz ist um sechs Prozent auf gut 40 Milliarden Euro geklettert. Der operative Gewinn vor Steuern und Zinsen wurde sogar auf 2,7 Milliarden Euro gut verdoppelt. Aber hartnäckige Probleme beim Militärtransporter A 400M und dem neuen Passagierflugzeug A 320neo bleiben. Dazu kommen das weltgrößte aber kaum noch verkäufliche Passagierflugzeug A 380 und neue Herausforderungen beim A 330neo. 

„Vor uns liegt noch viel Arbeit, um unsere Zielvorgaben zu erreichen“, warnte Enders. 800 Flugzeuge will Airbus bis Jahresende ausgeliefert haben. In dieser Prognose sind neuerdings auch 18 Flieger des vom Konkurrenten Bombardier zugekauften A 220-Programms eingerechnet.

Trotzdem dürfte es eng werden. Nach neun Monaten sind gerade etwas mehr als 500 Flugzeuge an Kunden übergeben worden. Das liegt vor allem an den Turbinenbauern Pratt&Whitney sowie CFM für den neuen Hoffnungsträger A 320neo, die mit ihren Zulieferungen hinterherhinken. Zudem mussten nun auch die Auslieferpläne von Airbus für das größere Modell A 330neo angepasst werden, weil auch hier der in diesem Fall britische Triebwerkspartner Rolls Royce säumig ist. 

Ein grundsätzliches Problem stellt sich beim weltgrößten Passagierflugzeug A 380, das kaum noch neu bestellt wird. Hier gebe es „industrielle Diskussionen“, räumte der ebenfalls scheidende Airbus-Finanzchef Harald Wilhelm ein. Ob diese eine Einstellung des Programms oder seine Modernisierung zum Ziel haben, ließ er aber auch auf Nachfragen offen. Experten fürchten, dass die Fertigung des A 380 ab 2024 auslaufen könnte. 

Beim Pannenflieger A 400M wiederum sind die Verhandlungen mit den sieben Staaten, die den Militärtransporter bestellt haben, ins Stocken geraten. Seit Februar wird hier um angepasste Verträge gerungen, die Airbus neue finanzielle Lasten bringen könnten. Eigentlich sollten die Gespräche mit den Abnehmerstaaten bis Ende 2018 zum Abschluss gebracht werden. Gut 100 Millionen Euro sind im laufenden Jahr bereits zusätzlich für die A 400M zurückgestellt worden. 

Insgesamt hat sich in den letzten Jahren eine Milliardensumme als Belastung aufgetürmt und die aktuelle Zwischenbilanz dafür sieht unvermindert düster aus. Es bestünden weiter Risiken bei der Entwicklung der vom Flugzeug verlangten technischen Fähigkeiten und der operativen Zuverlässigkeit speziell seiner Triebwerke, räumt Airbus ein. Der Flieger kann also weiter nicht, was er können soll. Auch bei der Sicherung von Exportaufträgen und angestrebten Kostenreduzierungen ist Airbus noch nicht am Ziel. Die Mängelliste bleibt also umfassend. 

Abseits vom operativen Geschäft vererbt Enders an Faury zudem ein rechtliches Problem. In mehreren Staaten ermitteln Staatsanwälte wegen Korruptionsvorwürfen im Zusammenhang mit dem Kampfflugzeug Eurofighter. Finanziell hat Airbus dafür an Anwaltskosten und ähnlichem 2018 bereits über 100 Millionen Euro aufwenden müssen. Abgeschlossen sind die Ermittlungen aber noch längst nicht. Auch hier könnte auf Airbus mit seinen weltweit über 132 000 Beschäftigten noch einiges zukommen, was dann Faury managen muss. 

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