Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

AirBnB wird gern genutzt – und hat zugleich einen  schlechten Ruf.
+
Airbnb wird gern genutzt – und hat zugleich einen schlechten Ruf, weil Wohnraum zweckentfremdet wird.

Börsengang von Airbnb

Börsengang absolviert: „Airbnb möchte nicht als Mietentreiber dastehen“

  • Friederike Meier
    vonFriederike Meier
    schließen

Ökonom Claus Michelsen im Interview über den Einfluss des Portals Airbnb auf die Mietpreise und die Chancen der Sharing-Ökonomie.

  • Airbnb ist an die Börse gegangen.
  • Sind Airbnb-Angebote in der Nähe, steigt, die Miete.
  • Diesem Sachverhalt muss man gegensteurn, sagt der Ökonom Michelsen.

Herr Michelsen, Airbnb wird kritisiert, die Mieten in die Höhe zu treiben. Sie konnten das in einer Studie bestätigen. Was genau haben Sie untersucht?

Wir haben uns angeschaut, wie sich die Einführung des Zweckentfremdungsgesetzes in Berlin im Jahr 2014 auf das Angebot von Airbnb und die Wohnungsmieten ausgewirkt hat.

… seitdem brauchen Menschen, die ihre Wohnung als Ferienwohnung anbieten wollen, eine Genehmigung, die Geld kostet …

Insgesamt ist die Zahl der angebotenen Airbnb-Wohnungen um mehr als zehn Prozent zurückgegangen. Wir konnten zeigen, dass sich dies in den regulären Mieten niedergeschlagen hat. Durch jede Wohnung auf Airbnb in einem Umkreis von 250 Metern steigt die durchschnittliche Miete pro Quadratmeter und Monat um mindestens sieben Cent. Durch sehr aktive Angebote steigen die Mieten sogar um 13 Cent. Unter dem Strich summiert sich dies in Gegenden mit vielen Airbnb-Wohnungen auf um 38 Euro höhere Mieten pro Monat auf. Über die ökonomische Relevanz dieser Zahl kann man sicherlich streiten. Auch wenn man Airbnb komplett verbieten würde, würden die Mieten nicht massiv sinken. Aber der Effekt ist dennoch statistisch signifikant.

Airbnb umstritten - Einfluss auf Mieten

Solche Gesetze sind also sinnvoll wenn Mieten begrenzt werden sollen ?

Ökonomisch muss man auch abwägen, was man an Wertschöpfung durch Airbnb-Angebote gewinnt und was man an anderer Stelle durch ein zu geringes Wohnungsangebot verliert. Klar ist aber: Wenn man ein vernünftiges Angebot an vermietbarem Wohnraum möchte, dann kann man mit Gesetzen wie in Berlin etwas erreichen. Nämlich die Reduktion der Angebote und entsprechend auch Entlastung für Mieterinnen und Mieter.

Claus Michelsen, Ökonom beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung.

Sind Ihre Ergebnisse auf andere Städte übertragbar?

Die Wohnungsmärkte in Deutschland sind in den Großstädten sehr ähnlich reguliert. In allen Städten gilt das, was im Bürgerlichen Gesetzbuch zu Wohnungsmärkten geregelt ist und in den meisten großen Städten gilt auch die Mietpreisbremse. Prinzipiell würde ich den Mechanismus also auch bei anderen Städten so erwarten.

Laut einer Studie im Auftrag von Airbnb haben Kurzzeitvermietungen keinen negativen Einfluss auf den Wohnungsmarkt.

Die Ergebnisse überraschen mich nicht. Airbnb möchte angesichts des Börsengangs nicht als Mietentreiber dastehen. Die Studie an sich hat das Problem, dass sie keine umfassenden empirischen Auswertungen vorlegt. Durch die Gesetzesänderungen konnten wir den Effekt der Airbnb-Angebote genau bestimmen. Wenn man einfach nur die Korrelation zwischen Airbnb und der Miete heranzieht, weiß man nicht ganz genau, was der Effekt von Airbnb ist und was etwas anderes.

Spitzenangebot von Airbnb in Berlin

In derselben Studie wird auch geschätzt, dass in Berlin nur um die 2600 Wohnungen durch Airbnb vollständig dem Markt entzogen werden. Wie groß ist das Problem aus Ihrer Sicht?

In Berlin gab es einen Spitzenwert von 25.000 Angeboten auf Airbnb. Dies ist nur ein Bruchteil des Berliner Wohnungsmarkts. Aber wenn man die Zahl ins Verhältnis zur Neubautätigkeit setzt, sieht man: Mit einem vollständigen Verbot von Airbnb könnte man schon eine komplette Jahresbauleistung an Wohnungen dazugewinnen. Das ist keine Lösung für das Knappheitsproblem in Berlin, aber auch nicht irrelevant. Man hätte auch davon ausgehen können, dass die Angebote ohne das Gesetz weiter gestiegen wären. Seit der Einführung ist die Kurve etwas flacher.

Gibt es einen Kompromiss zwischen Tourismus und erschwinglichen Mieten?

Die Sharing-Ökonomie hat auch ihre Chancen: Ein Portal das nicht nur reine Ferienwohnungen vermittelt, sondern auf den Charakter des Teilens abstellt, kann durchaus auch größeren Nutzen als Schaden bringen. Wenn Haushalte ihre Mietkostenbelastung dadurch senken können und man sich so zusätzliche Wertschöpfung in die Stadt holt, kann es eine friedliche Koexistenz geben. In den vergangenen Jahren gab es aber immer stärker die Tendenz, dass Wohnungen in guten Lagen angemietet wurden, nur um sie als Ferienwohnungen zu vermarkten. Das nimmt zu viel Angebot aus dem Markt und man kann und sollte genau hier gegensteuern.

Interview: Friederike Meier

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare