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Ein Auto per App mieten.

Carsharing per App

Airbnb für Autos

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Über Portale wie Drivy oder Snappcar kann man seinen Wagen zeitweise untervermieten.

Den Anfang machten drei Familien in Marseille. Sie nutzten gemeinsam ein Auto – und teilten sich die damit verbundenen Kosten mittels einer Excel-Tabelle. Paulin Dementhon hörte davon und entwickelte daraus ein Geschäftsmodell, das 2010 Wirklichkeit wurde: Drivy, eine Vermittlungsplattform für private Autobesitzer und autolose Führerscheininhaber. Die einen erzielen Einnahmen mit ihrem Auto, das bis dato die meiste Zeit ungenutzt herumstand. Die anderen müssen nicht auf Mietwagenfirmen zurückgreifen und tragen auch nicht zum Wachstum der Carsharingflotten bei. Heute ist Drivy nach eigenen Angaben Marktführer in Europa – mehr als 50 000 Autos, darunter rund 6000 in Deutschland, sind über Drivy zu mieten, mehr als zwei Millionen Menschen nutzen das Angebot des französischen Start-ups.

Längst ist Drivy nicht mehr allein mit diesem speziellen Carsharing, bei dem Gleichrangige miteinander ins Geschäft kommen und das deshalb Peer-to-Peer (P2P) genannt wird: Bei der 2011 im niederländischen Utrecht gegründeten Plattform Snappcar sind hierzulande nach Firmenangaben bereits knapp 15 000 Autos registriert, obwohl das Unternehmen erst seit einem Jahr in Deutschland tätig ist. Deutlich kleiner sind Getaway, das lediglich über 50 Autos in Berlin, Magdeburg, Hamburg, Essen und Fürth verfügt, sowie der im Januar gestartete US-Anbieter Turo mit deutschlandweit mehr als 1300 Wagen – darunter knapp 250 in Nordrhein-Westfalen, 170 in Berlin und 120 in Hessen.

Die Idee scheint immer mehr Anhänger zu finden: Drivy etwa berichtet von einem Nutzerzuwachs von 33 Prozent im ersten Halbjahr. Turo spricht gar von einem „rasanten Wachstum“. Und auch die Allianz sieht ein „steigendes Potenzial“. Der Versicherungskonzern hat speziell für diese Art Autovermietung eine Police entwickelt, die einen Haftpflichtschutz und eine Vollkaskoversicherung beinhaltet. Diese Versicherung springt ein, falls der Mieter mit dem fremden Privatauto beispielsweise einen Unfall verursacht. Der Auto-Eigentümer soll so bei einem Schadensfall nicht mit höheren Prämien rechnen müssen. Drivy, Turo und Snappcar arbeiten mit der Allianz zusammen, Getaway hat sich für ein ähnliches Produkt der Gothaer Versicherung entschieden.

Während die Plattformbetreiber dadurch alle Eventualitäten geregelt sehen, mahnt der ADAC zur Vorsicht: Die Verkehrsrechtsexperten des Automobilclubs ziehen in Zweifel, dass durch die Zusatzversicherung des Plattformbetreibers die eigentliche Versicherung des Autobesitzers im Schadensfall außen vor ist. Es sei fraglich, ob etwa ein geschädigtes Unfallopfer wirklich die Versicherung der Plattform verklagen könne. Der ADAC rät Autobesitzern, die ihren Wagen bei einem Peer-to-Peer-Portal einstellen wollen, zu einer genauer Prüfung der Konditionen.

Die Portalbetreiber kommen einerseits für die Kosten der Zusatzversicherung auf, erhalten andererseits eine Provision für erfolgreiche Vermietungen. Drivy kassiert 30 Prozent der Mieteinnahmen, Snappcar und Turo 25 Prozent. Getaway wollte den Anteil nicht quantifizieren.

Wie hoch die Mieteinnahmen sind, liegt im Ermessen des Autobesitzers: Bei Drivy, Turo und Snappcar legt er einen Tagespreis fest; bei Snappcar ist ein Wagen nach Firmenangaben ab 22,50 Euro zu haben, im Schnitt läge der Tagespreis bei 35 Euro. Bei Getaway legt der Autobesitzer einen Kilometersatz fest, dieser liege zwischen 20 und 50 Cent. Die Abrechnung erfolge kilometergenau.

Denn in die Getaway-Wagen wird eine Steuereinheit installiert, die neben einem GPS-Sender eine Box für den Autoschlüssel und eine Tankkarte enthält, mit der der Mieter kostenlos Sprit auffüllen kann. Durch diese Technik lassen sich bei Getaway registrierte Autos über die App vom Mieter öffnen, ein Treffen mit dem Besitzer zur Schlüsselübergabe ist nicht nötig. Hunderte Autos befänden sich derzeit in der Warteschlange, um die entsprechende Ausrüstung zu erhalten, so Getaway.

Führerscheinprüfung erfolgt online

Über eine ähnliche Technik, die das Öffnen der Wagen per Smartphone ermöglicht, verfügen zumindest einige Hundert der tausend Drivy-Fahrzeuge in Berlin. In Köln, wo über diese Plattform etwa 200 Autos zu haben sind, wurde erst kürzlich mit dieser Ausrüstung begonnen. In Frankfurt, wo über Drivy etwa hundert Autos gemietet werden können, soll sie nächstes Jahr eingeführt werden.

Bei Fahrzeugen ohne diese Ausstattung ist wie bei Snappcar und Turo eine persönliche Schlüsselübergabe notwendig. Bei diesem Treffen wird auch geprüft, ob der Mieter im Besitz eines gültigen Führerscheins ist, werden bereits vorhandene oder (bei der Abgabe) neue Schäden dokumentiert sowie der Kilometerstand und die Tankbefüllung festgehalten.

Der Mieter ist verpflichtet, den Wagen mit dem gleichen Tankfüllstand zurückzugeben, den er bei der Übergabe hatte. Bei den gepimpten Drivy-Autos wird auch Tank- und Kilometerstand automatisch erfasst; mögliche Differenzen würden mit dem hinterlegten Zahlungsmittel des Fahrers beglichen, teilt das Unternehmen mit. Online erfolge auch die Überprüfung, ob der Mieter im Besitz eines Führerscheins sei.

Nach Auskunft der Plattformbetreiber käme es äußerst selten vor, dass Autos beschädigt zurückgegeben oder gar gestohlen würden. Die Allianz, die im Schadensfall ja einspringen müsste, arbeitet nach eigenen Angaben „sehr eng mit den Plattformbetreibern zusammen, um vor allem Betrugsfälle und Diebstähle vermeiden zu können“. Dies beinhalte, dass bei der Registrierung von Vermietern und Mietern ein Sicherheitscheck durchgeführt werde.

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