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Aida will klimafreundlicher werden

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Von: Joachim Wille

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Bekommen das Rauchen abgewöhnt: Aida-Schiffe.
Bekommen das Rauchen abgewöhnt: Aida-Schiffe. © imago/imagebroker

Die Umweltbilanz selbst vieler neuer Luxusschiffe ist schlecht. Deswegen arbeitet der deutsche Marktführer für Kreuzfahrten, "Aida Cruises" an der Vermeidung von Abgasen und CO2 auf seinen Schiffen.

Der Kreuzfahrten-Markt boomt. Nicht nur betuchte Senioren, auch immer mehr junge Leute gehen mit den luxuriösen schwimmenden Hotels auf Tour. Im vorigen Jahr sind die Deutschen mit über 1,7 Millionen Passagieren sogar zur Kreuzfahrer-Nation Nummer zwei geworden – übertroffen nur von den US-Amerikanern. Doch die Umweltbilanz selbst vieler neuer Luxusschiffe ist schlecht. Sie fahren oft noch mit schadstoffreichem Schweröl, pusten durch den Schornstein große Mengen des Treibhausgases CO2 in die Atmosphäre – und den Fahrgästen und Hafen-Anwohnern hochgradig giftige und krebserregende Abgase um die Nase, nämlich Feinstaub, Schwefel und Stickoxide. Dass es anders geht, will der deutsche Marktführer „Aida Cruises“ zeigen.

Bei früheren Kreuzfahrt-Ökochecks des Umweltverbandes Nabu hatte Aida, die zum britisch-amerikanischen Carnival-Konzern gehört, noch miserabel abgeschnitten. Die von ihr in Auftrag gegebenen Schiffe seien „Umwelt-Dinosaurier“ ohne Abgasreinigung und Rußfilter, urteilten die Nabu-Experten. Im Check von 2014 schaffte Aida es plötzlich an die Spitze des Rankings. Grund: Das Unternehmen lässt eine umfassende Abgas-Reinigungstechnik auf allen Schiffen einbauen. Nun peilt Aida einen weiteren Schritt an – klimafreundlicher zu werden. Die Emissionen sollen sinken, eventuell gar mit dem Fernziel der „CO2- freien Kreuzfahrt“. Zudem können die Kunden ab sofort eine freiwillige CO2-Kompensation zum Ticket dazubuchen.

Die harsche Nabu-Kritik dürfte das Umdenken beschleunigt haben. Aida begann 2013 damit, seine Schiffe mit Filtern für Schwefel, Stickoxide und Ruß nachzurüsten. Inzwischen sind diese Anlagen, die jeweils fünf bis zehn Millionen Euro kosten, bei drei der zehn Aida-Schiffe eingebaut, bis 2018 sollen es alle sein. Zwei neue Schiffe, die 2015 und 2016 zur Auslieferung anstehen, werden zusätzlich erstmals mit Motoren ausgerüstet, die nicht nur mit Diesel, sondern auch mit Flüssiggas (LNG) betrieben werden können („Dual Fuel Motoren“), das 20 Prozent weniger CO2 verursacht.

Geld fließt an ein Öko-Kraftwerk in Nordindien

Um LNG breit einsetzen zu können, gibt es zwei Hürden. Die Häfen sind bisher nur auf die Betankung mit Öl eingerichtet, eine Infrastruktur für Gas muss noch aufgebaut werden. Um LNG mit dem ersten neuen Schiff nutzen zu können, hat Aida ein kleines schwimmendes Flüssiggas-Kraftwerk (LNG-Hybrid Barge) entwickeln lassen, das Kreuzfahrtschiffe mit Strom versorgen kann. Zudem gibt es für den LNG-Betrieb auf See bisher keine Zulassung. Der Gas-Betrieb ist so vorerst nur während der Liegezeiten in Häfen möglich. Der macht bei Kreuzfahrtschiffen allerdings rund 40 Prozent der Nutzungszeit aus. Ziel sei es, Flüssiggas auch unterwegs nutzen zu können, sagte die Aida-Direktorin für Umwelt und Gesellschaft, Monika Griefahn der FR. Sie erwartet, dass die Zulassung dafür in zehn Jahren da ist. LNG sei „genauso sicher wie Diesel“.

Testweise will Aida auf der LNG-Barge zudem Öko-Flüssiggas nutzen, das mit der so genannten Power-to-Gas-Methode aus Wind- oder Solarstrom hergestellt wird und damit CO2-frei ist.

Die Herstellung des „grünen“ LNG wird hierzulande in einer Reihe Pilotanlagen erprobt, unter anderem vom Autokonzern Audi. Bei Aida heißt es: „Wenn erfolgreich, kann dies den Einstieg in die CO2-freie Kreuzfahrt bedeuten.“ Wegen der hohen Kosten und der geringen Verfügbarkeit ist das freilich ferne Zukunftsmusik. Wohl deswegen steigt Aida jetzt in die CO2-Kompensation mit dem Anbieter Atmosfair ein, wie sie vom Fliegen bekannt ist. Das dabei eingenommene Geld fließt an ein Öko-Kraftwerk in Nordindien, das aus Ernte-Resten Ökostrom für 40 000 Haushalte produziert und 30 000 Tonnen CO2 jährlich einspart.

Nabu-Experte Daniel Rieger zeigt sich vom Aida-Kurs durchaus beeindruckt. „Die nehmen richtig viel Geld in die Hand, um die Schiffe sauberer zu machen“, sagte er der FR. Tatsächlich war beim 2014er Ranking der Vorjahressieger „TUI Cruises“ zurückgefallen, da auch dessen neuesten und kommenden Schiffe noch nicht über Rußpartikelfilter verfügten. Der Umweltverband fordert, Rußfilter und Stickoxid-Katalysatoren sowie den Einsatz von schwefelarmem Schiffsdiesel auch in der Hochseeschifffahrt vorzuschreiben. Auch die Aida-Schiffe fahren außerhalb Europas mit Schweröl; in Nord- und Ostsee gelten seit Anfang 2015 niedrige Grenzwerte zum Schwefelgehalt der Kraftstoffe. Teilweise, etwa in der Karibik, seien die benötigten Mengen des sauberen Diesel gar nicht verfügbar, sagte Griefahn dazu. Allerdings gehe es dabei „auch um die Kosten“. Das stark schadstoffhaltige Schweröl ist eben deutlich billiger.

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