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Rettung könnte da künftig aus der Luft kommen.

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Darmstädter Start-Up: Lieferung von Antibiotika per Drohne 

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Das Darmstädter Start-up Wingcopter und die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) testen in Südostafrika die Lieferung von Medikamenten an Kliniken.

Von Dezember bis April ist in Malawi Regenzeit. In dem südostafrikanischen Land melden dann viele ländliche Regionen „Land unter“. Die üblichen Wege in die Dörfer sind kaum noch passierbar. Aber auch in den anderen Monaten können manche entlegene Gebiete nur schwer mit Fahrzeugen über unbefestigte Straßen erreicht werden. „Es ist dann zum Beispiel ein riesiges Problem, lebenswichtige Medikamente über die sogenannte letzte Meile zu kriegen“, sagt Unicef-Innovationsexperte Michael Scheibenreif.

Rettung könnte da künftig aus der Luft kommen. In Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) hat das Darmstädter Start-up Wingcopter in Malawi mehrere Monate lang die Lieferung von Medikamenten per Drohne getestet. Mit Erfolg, wie Projektmanagerin Hanna Steinebach berichtet. Musste es aus medizinischen Gründen schnell gehen, stieg im Unicef-Testkorridor Kasungu, in Malawis Zentralregion gelegen, die Drohne aus Darmstadt auf – an Bord beispielsweise Laborproben, Infusionen, Antibiotika oder Schmerzmittel.

Medikamente nur einmal im Monat

Mit diesen Medikamenten und Tests versorgt das Distriktkrankenhaus in Kasungu zahlreiche Gesundheitsstationen in der Region, die mehrere 100 000 Bewohnerinnen und Bewohner zählt. Die Health Center notieren ihre Bestellungen in einem Order Book und schicken das in die Zentralklinik. Sind die Präparate auf Lager, wird in der Regel einmal im Monat geliefert. „Kritisch wird es in Notfällen, wenn Medikamente vor Ort in den Gesundheitszentren nicht mehr verfügbar sind und eine Eilbestellung schnell zugestellt werden müsste – aber der Transport nicht möglich ist oder viel zu lange dauern würde“, erklärt Steinebach.

Dringend benötigt wurde in der Pilotphase beispielsweise das synthetische Hormon Oxytocin, das in der Geburtshilfe eingesetzt wird, um unter anderem starke Nachblutungen zu verhindern. Die Wingcopter-Drohne transportierte das Präparat nach Notrufen in die rund 40 Kilometer von Kasungu entfernten Gesundheitsstationen Kapelula und Silemba. „Wir konnten das Medikament innerhalb einer Stunde im District Hospital organisieren und damit nach weiteren 60 Minuten am Gesundheitszentrum landen“, erzählt Projektmanagerin Steinebach. „Wenn Wege überschwemmt sind oder Mitarbeiter eines Gesundheitszentrums sich mit dem Fahrrad stundenlang auf unbefestigten Wegen abstrampeln müssen, um ein Medikament abzuholen, ist das ein entscheidender Zeitvorteil“, erklärt Unicef-Experte Scheibenreif.

Bis zu sechs Kilo Fracht kann der von Jonathan Hesselbarth und Tom Plümmer an der TU Darmstadt entwickelte Wingcopter transportieren - wenn es nötig ist, auch gekühlt. Die mehrfach mit Preisen ausgezeichnete Hybrid-Drohne steigt senkrecht wie ein Hubschrauber auf und geht dann mittels Schwenkrotoren elegant in den Horizontalflug über. Dabei kann der Wingcopter in der Spitze bis zu 240 Stundenkilometer erreichen. Damit haben es die Darmstädter sogar ins Guiness-Buch der Rekorde gebracht.

Impfung gegen Krebs

Rund 250 medizinische Flüge hat der Wingcopter im Projekt in Malawi zurückgelegt und nach Auskunft der GIZ rund 90 Kilo medizinische Produkte ausgeliefert. Der autonome Flug wurde dabei von einem Piloten an der Bodenstation überwacht, um im Notfall die Steuerung zu übernehmen. Für das Landemanöver an den Gesundheitsstationen bildeten Hanna Steinebach und ihr Team sogenannte Visual Observer aus, die mit den Piloten kommunizieren, dafür sorgen, dass das Flugfeld am Health Center frei ist, die Medikamente aus der Transportbox holen und sie für den Rückflug beispielsweise mit eiligen Laborproben oder HIV-Tests befüllen.

Nach der Pilotphase prüfe das Bundesentwicklungsministerium jetzt eine Folgefinanzierung, teilte die GIZ auf Anfrage mit. Ideal wäre, die Drohnen künftig im staatlichen Gesundheitssystem von Malawi zu etablieren, sagt Hanna Steinebach. Michael Scheibentreif von Unicef denkt schon daran, Drohnen in Malawi bei einer Impfkampagne gegen Gebärmutterhalskrebs einzusetzen. Da könnten dann auch die ersten Absolventinnen und Absolventen der African Drone and Data Academy eine Rolle spielen.

Von Tobias Schwab

Afrikas Überflieger: Medikamente transportieren, Katastrophengebiete identifizieren, Umweltdaten erfassen – in Malawi bildet das Hilfswerk Unicef Studierende für den Einsatz von Drohnen zu humanitären und entwicklungspolitischen Zwecken aus.

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