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Ärzte sollten selbst entscheiden können, ob sie sich im Internet bewerten lassen.

Jameda

Ärzten die Wahl lassen

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Mediziner müssen selbst entscheiden dürfen, ob sie sich im Internet bewerten lassen wollen. Ein Kommentar

Spätestens seit der im vergangenen Jahr breit geführten Debatte über Hetze und Hasskommentare im Internet ist deutlich geworden, dass das Netz immer wieder Menschen dazu verleitet, jeden menschlichen Anstand zu vergessen. Davon können auch Mediziner ein Lied singen, die sich bisher in Vergleichsportalen von Patienten bewerten lassen (müssen).

Die Kölner Medizinerin, die sich gegen das Bewertungsportal Jameda wehrte, musste ebenfalls eine Reihe von unsachlichen Kommentaren ertragen. So etwas können die Betroffenen zwar löschen lassen, doch dazu ist ein erheblicher Aufwand nötig. Es ist daher verständlich, wenn Medizinern derartige Portale ein Dorn im Auge sind, zumal sie dort ungefragt gelistet werden. Doch der Bundesgerichtshof hat schon früher entschieden, dass nicht nur Ärzte, sondern zum Beispiel auch Lehrer die Bewertungsportale dulden müssen, weil sie durch die Meinungsfreiheit gedeckt seien.

Mit dem Urteil vom Dienstag korrigiert der BGH zwar das Geschäftsmodell von Jameda leicht. Doch grundsätzlich bestätigt er seine Linie, die falsch bleibt. Es muss dem einzelnen Arzt überlassen werden, ob er in ein solches Portal aufgenommen werden will. Tut er es nicht, nimmt er schließlich auch Nachteile in Kauf. Interessierte Patienten dürften sich davon abschrecken lassen, wenn sie über einen Arzt gar keine Bewertungen im Netz finden. Ein Mediziner wird es sich also zwei Mal überlegen, sich streichen zu lassen. Doch er sollte die Wahl haben.

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