Gesundheitsversorgung

Ärzte in die Heime!

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Es fehlt ein Konzept zur medizinischen Versorgung von Alten

„Altern ist nichts für Feiglinge“ bemerkten nicht nur die amerikanische Schauspielerin Mae West oder der deutsche Showmaster Joachim Fuchsberger, das erleben tagtäglich auch viele Bewohner von Alten- und Pflegeheimen in Deutschland. Sie machen schlechte Erfahrungen vor allem dann, wenn sie ärztliche Hilfe benötigen und nicht mehr eigenständig die niedergelassene Praxis aufsuchen können.

Längst sind die Zeiten vorbei, als alle Hausärzte ihre Patientinnen und Patienten auch im Heim weiter betreuten. Einen neuen Hausarzt, der Heimbewohner vor Ort betreut, finden diese nur schwer. Generell sind Hausbesuche rückläufig. Das gilt ganz besonders für die fachärztliche Versorgung, die zwar Jahr für Jahr quantitativ ausgebaut wird, qualitativ aber die Heimversorgung ausspart.

Zwar hat der Gesetzgeber Kassenärztliche Vereinigungen in die Pflicht genommen und Heimen subsidiär die Anstellung von (Fach-)Ärzten erlaubt; geschehen ist in der Praxis wenig bis nichts. Anders als in der zahnmedizinischen Versorgung, wo sich die Spitzenorganisationen der Zahnärzte dieser Problematik angenommen haben, liegt kein Konzept zur Versorgung alter pflegebedürftiger Menschen vor.

Auch existieren kaum besondere vertragliche Vereinbarungen, sei es auf regionaler Ebene, sei es auf der spezifischen Hausebene, die die Versorgungsprobleme dieser Zielgruppen in den Fokus rücken. Schließlich kümmern sich weder Kassenärztliche Vereinigungen noch Krankenkassen gezielt um diese Menschen, selbst wenn diese noch zu Hause leben. Vielmehr orientiert sich die Versorgung am Leitbild der kurativen Akutmedizin und vernachlässigt chronische Erkrankungen sowie Multimorbidität.

Unbestreitbar hat die Politik in den vergangenen Jahren große Anstrengungen zur Verbesserung der Leistungen bei Pflegebedürftigkeit unternommen, dabei aber die medizinische Versorgung aus den Augen verloren. Bloße Appelle an die Vertragsparteien auf Bundes- und Landesebene und die Schaffung neuer gesetzlicher Möglichkeiten reichen offenbar nicht aus. Hier besteht Handlungsbedarf in Form klarer inhaltlicher Vorgaben mit Fristsetzung und Konfliktlösung. Das ist misslich für die Selbstverwaltung, aber wohl unvermeidlich, wenn man die Lage der Betroffenen verbessern will.

Der Autor ist Jurist und Vorstand des BKK-Dachverbands. Von ihm wird im nächsten Monat zusammen mit Holger Pfaff der BKK-Gesundheitsreport 2016 zum Schwerpunktthema „Gesundheit und Arbeit“ herausgegeben.

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