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Innerhalb eines Jahres wurde die Erweiterung des Suezkanals realisiert. Künftig sollen Schiffe in beide Richtungen fahren können.

Suezkanal-Erweiterung

„Ägyptens Geschenk an die Welt“

Ägypten setzt alle Hoffnung auf seinen Suezkanal. Ob die milliardenschwere Erweiterung, die am Mittwoch eröffnet wird, Fluch oder Segen ist, bleibt umstritten. Das Megaprojekt hilft vor allem dem Image des Machthabers.

Nichts ist in Ägypten derzeit so oft zu sehen wie Schiffe, die aneinander vorbeifahren. Werbetafeln, Plakate und Fernsehspots zeigen Tanker und Frachter, die den „neuen Suezkanal“ in zwei Richtungen durchqueren – statt wie bisher nur in einer. Morgen wird die Erweiterung einer der wichtigsten Wasserstraßen der Welt eröffnet. Die staatliche PR-Maschinerie macht das Projekt zum Symbol und Heilsbringer für ein Land, das wirtschaftlich am Boden liegt.

„Ägyptens Geschenk an die Welt“ prangt in großen Lettern auf der offiziellen Website. Ganz so uneigennützig sind die Ägypter natürlich nicht. Mit den hohen Gebühren für die Schifffahrtsrinne zwischen Mittelmeer und Rotem Meer – der kürzesten Verbindung von Asien nach Europa – will die Regierung mittelfristig die Einnahmen des Kanals mehr als verdoppeln. Auf über 13 Milliarden US-Dollar (11,8 Milliarden Euro) im Jahr. Experten haben Zweifel, ob das klappt.

Zweifellos aber ist es beeindruckend, dass das erste einer Reihe von Megaprojekten unter Machthaber Abdel Fattah al-Sisi innerhalb nur eines Jahres realisiert werden konnte – noch dazu mit dem Geld normaler Bürger, die Kanal-Anteile in einem „patriotischen“ Akt kauften. Die unnormal hohen Renditeversprechen für die Zertifikate dürften dabei auch zur Investitionslust der Ägypter beigetragen haben.

Es ist das Prestigeprojekt für ein Land, dessen Ökonomie seit Jahren leidet: Die Wachstumsrate ist niedrig, die Jugendarbeitslosigkeit mit geschätzten 40 Prozent hoch. Die Staatsverschuldung nimmt zu. Jeder vierte Ägypter lebt von weniger als 40 Euro im Monat.

Ex-General Al-Sisi begegnet dem mit Megaprojekten. Neben der Erweiterung des Suezkanals soll eine neue Hauptstadt östlich von Kairo aus dem Boden gestampft werden. Es gibt Pläne für Ägyptens ersten 200-Meter-Wolkenkratzer und das erste Atomkraftwerk des Landes. Nicht zuletzt bescherte der Präsident dem Siemens-Konzern für den Bau von Gaskraftwerken den größten Auftrag der Firmengeschichte.

„Das dient vor allem der Propaganda – inwieweit da tatsächlich ein Wirtschaftskonzept dahintersteht, ist unklar“, resümiert Stephan Roll, Experte für ägyptische Wirtschaftspolitik bei der Stiftung Wissenschaft und Politik. Der Suezkanal sei dafür ein gutes Beispiel: Zwar lasse sich dieser erweitern. Dass heiße aber nicht, dass auch mehr Schiffe kämen. Erst im Juni waren die Einnahmen gesunken.

Vernachlässigter Mittelstand

Zudem seien während des Baus zwar kurzfristig viele, aber nur zeitlich begrenzte Arbeitsplätze geschaffen worden. Nachhaltigkeit kann Roll nicht erkennen: „Es ist eine militärische Weise, Wirtschaftspolitik zu betreiben. Nämlich am Reißbrett.“

Ein Problem ist die fehlende Attraktivität des Landes für dringend benötigte ausländische Geldgeber: Überbordende Bürokratie, grassierende Korruption, Intransparenz und eine angespannte Sicherheitslage schrecken westliche Firmen und reiche Unternehmer vom Golf ab.

Das Denken in Milliarden-Kategorien droht, den Mittelstand zu vernachlässigen. Während einige Fachleute an den erhofften Sickereffekten durch die Großprojekte zweifeln, bewertet Scherif al-Diwani, Direktor des Ägyptischen Zentrums für Wirtschaftswissenschaften, die Lage positiver: „Mega-Investitionen sind ein tragfähiger Mechanismus, um einer Wirtschaft in Bedrängnis Starthilfe zu geben“.

Momentan aber nutzt der große Tag vor allem einem: Al-Sisi. Am Nilufer in Kairo verkaufen Händler Poster mit dem Konterfei des Machthabers vor einem riesigen Frachtschiff. Die Regierung überlegt sogar, der Bevölkerung morgen zur Feier des Tages freizugeben. (dpa)

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