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Ein Roboterarm bei Sohlenproduktion eines Adidas-Schuhes in Ansbach.

Laufschuh-Fertigung

Adidas stoppt Prestigeprojekt in Herzogenaurach

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Mit digitaler 3-D-Technik wollten die Herzogenauracher Laufschuhe auch hierzulande schneller und umweltfreundlicher fertigen. Doch jetzt werden die Speedfactories nach Asien verlagert.

Es war der Traum, nach Asien abgewanderte Fertigung von Sportschuhen, nach Deutschland und andere Endkundenländer zurückzuholen. Als innovatives Vehikel dafür wollte der Herzogenauracher Sportartikler Adidas sogenannte Speedfactories nutzen, die hochautomatisiert und bei niedrigen Lohnkosten Schuhe im 3D-Druck herstellen.

Erste Prototypen dieser Roboterfabriken wurden vor gut drei Jahren erst im fränkischen Ansbach und dann in Atlanta in den USA eröffnet. Etwa eine Million Paar Schuhe wurden dort zuletzt pro Jahr gedruckt. Damit ist spätestens im April 2020 Schluss. Denn die dortige Produktion wird eingestellt, die Technologie Ende 2019 zu zwei Zulieferern nach China und Vietnam verlagert, kündigte Adidas-Vorstand Martin Shankland an.

„Wir bedauern sehr, dass unsere Zusammenarbeit in Ansbach und Atlanta endet“, meinte der Manager. Betroffen ist in erster Linie Adidas-Technologiepartner Oechsler, der die beiden Fabriken betreibt und nun 170 Stellen abbauen muss. Die Fabrik in Atlanta werde komplett geschlossen, die in Ansbach produziere weiter Sohlen, aber keine kompletten Schuhe mehr, sagte eine Oechsler-Sprecherin. „Wir bedauern diese Entscheidung“, stellte Oechsler-Chef Claudius Kozlik mit Blick auf Adidas klar.

Technologisch habe alles funktioniert, beteuert eine Adidas-Sprecherin. Es habe sich aber gezeigt, dass es ökonomisch sinnvoller sei, die innovative Technologie in bestehende Zulieferstrukturen zu integrieren.

Vor dreieinhalb Jahren hatte sich das noch ganz anders angehört. „Mit der Speedfactory revolutionieren wir die Industrie“, hatte der damalige Adidas-Chef Herbert Hainer damals noch gehofft. Auf mittlere Sicht werde man in allen großen Absatzmärkten Adidas-Speedfactories finden, um die Produktion wieder hin in die Abnehmermärkte zu verlagern. Damit kämen Verbraucher schneller an individualisierte Wunschware. Adidas könne binnen Stunden nach Bestellung liefern. Zudem fielen lange Transportwege weg, was den Ausstoß klimaschädlicher Schadstoffe reduziere. „Made in Germany“ sollte so zudem wieder zum Verkaufsargument werden.

Daraus wird nun nichts. In asiatischen Zulieferstrukturen könne die Technologie aber auch die Fertigungszeiten verkürzen und die Produktion flexibilisieren, beteuern die Herzogenauracher. Durch die Speedfactory-Technik werde es statt bisher 18 Monate nur wenige Wochen dauern, bis ein neues Modell entworfen und in den Endkundenmärkten angekommen ist. Adidas will in Asien künftig nicht nur Laufschuhe wie in Ansbach und Atlanta 3D-drucken sondern auch Lifestyle-Modelle und das 3D-Fertigungsvolumen in ungenanntem Umfang ausweiten.

Zuletzt haben die Franken gut 400 Millionen Paar Schuhe aller Art zu weit über 90 Prozent bei asiatischen Zulieferern fertigen lassen. Die Speedfactory-Produktion mit insgesamt einer Million Paar war also erst ein kleines Pflänzchen, das nun in China und Vietnam weiterwächst. Die Speedfactory-Technologie ist erst voriges Jahr mit dem Deutschen Innovationspreis ausgezeichnet und als Forschungsprojekt hierzulande auch staatlich gefördert worden.

Innovative Prozesstechnik erforscht Adidas indes weiter im sogenannten Adidas-Lab in Scheinfeld nahe Herzogenaurach. Man kooperiere auch weiter technologisch mit Oechsler. Mit den Speedfactory-Vorzeigefabriken in Ansbach und Atlanta sei aber demnächst unwiderruflich Schluss.

Noch nicht ausgeträumt ist die Vision, in Adidas-Läden in einigen Jahren individualisierte Einzelmodelle per 3D-Druck zu fertigen, erklärte eine Firmensprecherin. Wann das einmal sein könnte, wollen die Herzogenauracher aber nach den Erfahrungen mit Speedfactory nicht genauer abschätzen.

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