Analyse

Adac gegen Adac

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Im Automobilclub Adac geht es derzeit heiß her, einige Regionalvereine verklagen die Zentrale. Dahinter steckt auch eine private Fehde.

Die Örtlichkeit ist der Veranstaltung entsprechend. Am Nürburgring werden rund 200 Adac-Delegierte diesen Samstag die diesjährige Hauptversammlung von Europas größtem Autofahrerclub abhalten. Das Datum gilt zumindest für den öffentlichen Teil, dem man eine gewisse Langeweile vorhersagen darf. Die eigentliche Diskussion findet wie immer tags zuvor statt, wenn Kameras und Mikrofone abgeschaltet sind.

Das ist in diesem Jahr besonders bedauerlich. Denn der Adac dürfte demnächst gegen den Adac vor Gericht ziehen, was es in dieser Form bei dem 116 Jahre alten Club noch nicht gegeben hat. Einige Regionalclubs machen gegen die Münchner Zentrale mobil. Es geht um Steuern, finanzielle Lastenverteilung und vermutlich auch offene Rechnungen auf persönlicher Ebene.

Auslöser des über dem Treffen schwebenden Streits ist der Umstand, dass der Club versicherungssteuerpflichtig geworden ist. Finanzbehörden sehen die Pannen- und Unfallhilfe des Adac neuerdings als Versicherungsleistung an, was den Club pro Jahr rund 35 Millionen Euro kostet. Bislang ist die Münchner Clubzentrale dafür in Vorleistung getreten, will ihre Regionalclubs aber mit einem Anteil von gut 18 Prozent an der jährlichen Steuersumme zur Kasse bitten. Dieser Verteilungsschlüssel ist bei einem Adac-Verwaltungsratstreffen mit den 18 Regionalclubchefs mehrheitlich beschlossen worden.

Das hat die unterlegene Minderheit nicht akzeptiert, obwohl der beschlossene Steueranteil ein Kompromiss war. Normalerweise tragen die Regionalclubs bei finanziellen Lasten einen Anteil von 37 Prozent. Dessen ungeachtet haben die fünf Regionalclubs Nordrhein, Westfalen, Nordbaden, Saarland und Sachsen vor dem Landgericht München Klage gegen ihre Zentralorganisation erhoben, um die Steuerpflichten klären zu lassen.

Als treibende Kraft der streitsüchtigen Regionalclubs gilt der Adac Nordrhein. Der ist die Machtbasis des einstigen Chefs der Münchner Adac-Zentrale, Peter Meyer. Der 69-jährige war Vorgänger des heutigen Adac-Chefs August Markl und gilt nun als dessen Gegenspieler. Meyer war 2014 ohne größere Schuldeinsicht über den manipulierten Adac-Autopreis Gelber Engel gestürzt und hatte sich in den Adac Nordrhein zurückgezogen.

Dort musste er mit ansehen, wie Nachfolger Markl dem Club mit seinen fast 21 Millionen Mitgliedern eine Reform verordnete, die das kommerzielle Adac-Geschäft strikt vom Vereinsteil abgetrennt hat. Als dritte Adac-Säule wurde eine Stiftung geschaffen. Meyer hat das bekämpft und sich dabei heillos mit Markl zerstritten. Insider sehen in der jetzigen Klage ein Stück Stellvertreterkrieg.

Wenn es durch alle Instanzen geht, wird der wohl nicht mehr entschieden, bis beide abtreten. Für den 70-jährigen Markl ist im Mai 2021 Schluss. Kurz zuvor wird wohl auch Meyer altersbedingt aus allen Adac-Ämtern ausscheiden. Bis dahin dürfte der Streit weitergehen, obwohl der Adac intern Ruhe bräuchte.

Denn es muss gespart werden. Nicht nur wegen der Steuerpflichten, sondern auch wegen der Kosten des Umbaus. Mitglieder müssen wohl dennoch nicht mit einer Erhöhung ihres Beitrags rechnen. Nachgedacht wird aber über eine dritte Form der Mitgliedschaft. Heute gibt es normale und Plus-Mitglieder. Als dritte Klasse könnte es künftig noch umsorgtere Premiummitglieder geben.

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