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Achleitners Abschied

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Von: Nina Luttmer

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Aufsichtsratschef Paul Achleitner steht 2017 bei der Hauptversammlung der Deutschen Bank in der Festhalle.
Aufsichtsratschef Paul Achleitner steht 2017 bei der Hauptversammlung der Deutschen Bank in der Festhalle. © Boris Roessler/dpa

Zehn Jahre lang war er einer der mächtigsten und bestbezahlten Aufsichtsratschefs. Nun verlässt Paul Achleitner die Deutsche Bank.

Am Ende kommen dann doch noch Emotionen hoch. Paul Achleitners Stimme kippt, als er die letzten Worte seiner allerletzten Rede als Aufsichtsratschef der Deutschen Bank spricht. Zehn Jahre lang hat der frühere Deutschlandchef von Goldman Sachs und Ex-Finanzchef des Versicherungskonzerns Allianz das Kontrollgremium des Instituts geleitet - so lange wie kein Aufsichtsratschef nach dem Zweiten Weltkrieg zuvor und das in einer Phase, in der die Bank in ihrer schwersten Krise jemals steckte. Und so liegt ein Fokus der Hauptversammlung des Geldhauses, die am Donnerstag wieder nur virtuell stattfand, auf dem Abschied Achleitners von Deutschlands größter Bank.

Achleitner war immer wieder eine Reizfigur für Aktionärinnen und Aktionäre: Die Deutsche Bank erlitt in seiner Amtszeit hohe Verluste, musste milliardenschwere Strafzahlungen für Sünden der Vergangenheit leisten, ihr Geschäftsmodell umbauen, und das Management mehrfach austauschen. Nicht immer machte Achleitner dabei eine glückliche Figur. Vor allem wurde ihm vorgeworfen, zu lange an den Vorstandschefs Anshu Jain und später John Cryan festgehalten zu haben.

Das nicht immer alles glatt lief, gesteht er auf der Hauptversammlung in seiner Rede auch ein. Er habe die Startvoraussetzungen der Bank bei seinem Amtsantritt 2012 falsch eingeschätzt und nicht erahnt, welche Schwierigkeiten noch vor dem Geldhaus lagen, sagt er. „Der Weg in die neue Realität war nicht immer ein geradliniger. Manches, was man als Fortschritt angedacht hatte, stellte sich als Rückschritt heraus. Manches, was zur Lösung beitragen sollte, vergrößerte tatsächlich das Problem. Und es wurden Fehler gemacht, und ja, auch ich habe Fehler gemacht“, so Achleitner. Fakt sei aber, dass die Deutsche Bank nun wieder auf dem richtigen Weg sei.

„Ein Fels in der Brandung“

Tatsächlich hat die Bank im vergangenen Jahr einen Gewinn von 1,9 Milliarden Euro gemacht. Das war das beste Ergebnis seit dem Jahr 2011. Von 2015 bis 2019 standen Verluste zu Buche. Die Aktionär:innen sollen nun, nach zwei Jahren Pause, wieder eine Dividende von 20 Cent je Papier bekommen - auch wenn ein Aktionär auf der Hauptversammlung anmerkt, davon könne man sich nicht einmal eine Brezel beim Aldi kaufen, „die kostet nämlich 29 Cent“. Für die kommenden Jahre hat das Institut sich aber ehrgeizige Wachstumsziele gesetzt und will mehr Geld an die Aktionär:innen ausschütten.

Und so dankt Vorstandschef Christian Sewing Achleitner auch ausgiebig. „Sie hinterlassen uns und Ihrem Nachfolger Alexander Wynaendts ein bestelltes Haus“, sagt er. Und auch die meisten Aktionärsvertreter:innen, die live zugeschaltet werden, danken Achleitner und betonen, er sei bei allen gemachten Fehlern „ein Fels in der Brandung“ gewesen.

Alexander Wynaendts, der Achleitner beerben soll, stellt sich auf der Hauptversammlung ebenfalls vor. Die Nachricht, dass der Niederländer das Amt übernehmen soll, hatte vor einigen Monaten wohl die gesamte Finanzbranche überrascht. Kaum jemand hatte den in Deutschland weitgehend unbekannten Manager für den mächtigen und hochdotierten Posten des Chefaufsehers auf dem Radar. Wynaendts ist studierter Elektrotechniker, verbrachte aber seine gesamte berufliche Laufbahn im Finanzsektor, erst bei der Bank ABN Amro, dann als Chef des niederländischen Versicherungskonzerns Aegon. Am Donnerstag verspricht er in ordentlichem deutsch, dass er seine gesamte Kraft der Deutschen Bank widmen werde.

Ob die Hauptversammlung auch in den kommenden Jahren virtuell stattfinden wird, ließ die Deutsche Bank übrigens offen. Die Bundesregierung will es Unternehmen dauerhaft ermöglichen, Aktionärsversammlungen nur noch virtuell durchzuführen.

Wegbegleiter:innen Achleitners fragen sich nun, was der 65-jährige Österreicher in Zukunft tun wird. In einem auf der Hauptversammlung eingespielten Video verabschieden sich Vorstände und Aufsichtsratsmitglieder von ihm und machen Vorschläge für die künftige Freizeitgestaltung. Ex-Vorstand Marcus Schenck etwa wünscht Achleitner „etwas Zeit, damit Du Deine Kochkünste über ein einfaches Curry ausweiten kannst“.

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