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Weltweit sitzen 600 000 Thomas-Cook-Kunden fest - auch auf Mallorca.

Krise des Pauschaltourismus

Thomas Cook: Der Absturz eines Giganten

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Die Pleite von Thomas Cook lässt nicht nur Hunderttausende Urlaubsträume platzen. Sie steht auch für die Krise des Pauschaltourismus.

Die Leute wissen nicht, wie sie nach Hause kommen sollen“, berichtet Maija Linnhoff. Es geht um deutsche Urlauber, die bei Thomas Cook einen Urlaub gebucht haben und nun aus Sizilien festsitzen. Auf die Insel wurden sie von einer Airline geflogen, die nicht zu dem Reisekonzern gehört, der am Montag seine Insolvenz erklären musste. Diese Fluggesellschaft weigere sich nun, die Reisenden zurück nach Deutschland bringen. „Wir bemühen uns, Lösungen zu finden“, so die Vorsitzende des Verbandes unabhängiger selbstständiger Reisebüros (VUSR). Womöglich müssten die gestrandeten Passagiere aber den Rückflug zunächst aus eigener Tasche bezahlen.

Die Reisebranche erlebt gerade den schlimmstmöglichen Fall: Den ungebremsten Absturz eines Giganten. Zehntausende Kunden des britisch-deutschen Reisekonzerns sind gestrandet. Viele erfuhren erst aus dem Fernsehen oder dem Internet, dass das Unternehmen in die Zahlungsunfähigkeit gerutscht ist. Oder es wurde ihnen erst kurz vor Abflug klar. Rund 140.000 deutsche Touristen sind unmittelbar betroffen. Insgesamt sollen es etwa 600.000 Reisende sein.

Die Pleite des weltweit zweitgrößten Tourismuskonzerns kam zwar plötzlich, aber nicht unerwartet. Seit Monaten gab es Warnsignale, die in den vergangenen Tagen immer vernehmlicher wurden. Am Sonntag unternahm Konzernchef Peter Fankhauser einen letzten Rettungsversuch. Doch er scheiterte. Am Montagmorgen musste die britische Muttergesellschaft des Unternehmens ihre Insolvenz erklären. Es fehlten letztendlich 200 Millionen Pfund, was etwa 227 Millionen Euro entspricht. Diese Summe wäre mindestens nötig gewesen, um über den Winter mit seinem schwächeren Reisegeschäft zu kommen. Doch ein Konsortium aus Gläubigerbanken lehnte eine weitere Finanzspritze ab. Auch die britische Regierung war nicht bereit, kurzfristig Geld zur Verfügung zu stellen. Das Management hatte um 150 Millionen Pfund gebeten.

Der hiesige Ableger des Reiseveranstalters erklärte am Montagmittag, man sehe sich nun gezwungen, „auf Notgeschäftsführung“ umzustellen. Die Durchführung von Urlaubstrips, die am Montag oder Dienstag starten sollten, könnten nicht mehr gewährleistet werden. Und : „Jeglicher Verkauf von Reisen ist gestoppt.“ Weiter hieß es: Es würden „letzte Optionen“ ausgelotet. Details wurden nicht genannt. Doch sollten diese scheitern, müsse man auch für hiesige Gesellschaften beim Amtsgericht Anträge auf Einleitung von Insolvenzverfahren stellen. Gemeint sind neben der Thomas Cook GmbH selbst auch Töchter wie Öger Tours oder Bucher Reisen. Condor indes firmiert als eigenständiges Unternehmen und kann deshalb zunächst weiterfliegen und Reisende befördern, die nur ein Flugticket und/oder bei einem Reiseveranstalter gebucht haben, der nicht zum Konzern gehört. Vieles hängt nun von der Bundesregierung ab, bei der ein Überbrückungskredit für den Ferienflieger beantragt wurde. Es soll sich nach Informationen aus Branchenkreisen um 200 Millionen Euro handeln.

Am Boden: Maschinen von Thomas Cook auf dem Flughafen in Manchester.

Der Niedergang von Thomas Cook hat eine lange Vorgeschichte. Das britisch-deutsche Unternehmen war schon 2012 in schwere Bedrängnis geraten. Wertminderungen auf das Veranstaltergeschäft in Großbritannien und die IT-Systeme brachten es an den Rand des Ruins. Damals sprangen Banken ein, stellten beträchtliche Summen zur Verfügung, was aber die Verschuldung massiv erhöhte. Zuletzt wurden Verbindlichkeiten von 1,6 Milliarden Pfund mit entsprechend hohen Zinszahlungen genannt. Der Vorstand hat in den vergangenen Jahren einen harter Sparkurs gefahren. „Doch der führte auch dazu, dass das Tafelsilber verkauft wurde und die Geschäfte nicht weiterentwickelt wurden“, erläutert ein Insider.

Unter anderem versäumte das Management, konsequent in das stark expandierende Kreuzfahrtgeschäft einzusteigen – es wirft hohe Renditen ab und hat unter anderem dem globalen Branchenprimus TUI geholfen, seine Geschäfte zu stabilisieren. In den vergangenen Monaten setzte dem Konzern zudem der harte Wettbewerb massiv zu. So führte ein Überangebot an Betten in Spanien zu einem heftigen Preiskampf. Vielen Briten wurde überdies die Reiselust durch das immer schwächere Pfund vermiest. Bei den Banken wuchsen die Befürchtungen über eine heftige Schieflage. Viele Reisebürobetreiber hierzulande wurden zunehmend zurückhaltender, wenn es um Buchungen bei Cook und seinen Töchtern ging. Auch Verbraucherschützer warnten. Das setzte nach Brancheninformationen einen Teufelskreis in Gang, der zu immer weniger Geld in der Kasse des Konzerns führte.

Die Airlinesparte litt darüber hinaus unter den Schwankungen des Kerosinpreises in Kombination mit einem massiven Konkurrenzkampf in der Luftfahrtbranche. Von all diesen Fährnissen sind beinahe alle Reiseunternehmen betroffen. „Aber es hat auch einfach an einem tragfähigen Sanierungsplan für den Konzern gefehlt“, erläuterte Marianna Sigola von der Uni Adelaide in einem Fernsehinterview. Die Tourismusexpertin befürchtet nun, dass Thomas Cook eine Reihe weiterer Unternehmen in die Tiefe reißen könnte. Vor allem kleinere und mittlere Hotelbetreiber in beliebten Ferienregionen könne es erwischen. Möglich sei sogar, dass die Hoteliers nun von den Gästen vor Ort Geld verlangen werden, weil von Thomas Cook die Begleichung offener Rechnungen nicht mehr zu erwarten sei.

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Fankhauser hatte schon im Frühjahr einen gewagten Plan auf den Weg gebracht. Zunächst gelang es ihm, den chinesischen Großaktionär Fosun dazu zu bringen, ganz groß einzusteigen. Der Mischkonzern aus der Volksrepublik wollte 450 Millionen Pfund locker machen, um 75 Prozent an den Reiseveranstaltern und 25 Prozent an den Ferienfliegern zu übernehmen. Doch auch dieses Konzept hatte seine Tücken, denn die Aktionäre wären leer ausgegangen. Massiver Ärger auf der Hauptversammlung, die nächste Woche über die Bühne gehen sollte, war programmiert. Das Treffen erübrigt sich nun.

Die zuletzt ins Spiel gebrachte Aufstockung des Rettungspakets um 200 Millionen auf 1,1 Milliarden Pfund scheiterte wohl vor allem am Veto der Royal Bank of Scotland und der Lloyds Bank. Offenbar fehlte es den Bankern an Vertrauen in die Sanierungsfähigkeit von Thomas Cook. Fankhauser bezeichnete nun das Aus bei den Verhandlungen als „verheerend“.

Was nach der Insolvenz kommen wird, ist derzeit noch nicht absehbar. Verschiedene Fluggesellschaften könnten die Jets der Ferienflieger und die Start- und Landerechte untereinander aufteilen. Easyjet und Ryanair sollen schon vor Monaten ihr Interesse bekundet haben. Auch Lufthansa-Chef Carsten Spohr betonte, dass Teile von Condor für sein Unternehmen nützlich sein könnten. Das betreffe insbesondere Langstreckenverbindungen. Insgesamt verfügt Condor über 52 Flugzeuge und fliegt unter anderem zahlreiche Fernreiseziele in den USA und in Asien an.

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