Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

In vielen Branchen seien Abweichungen von der tarifvertraglich vereinbarten Arbeitszeit selbst dauerhaft möglich.
+
In vielen Branchen seien Abweichungen von der tarifvertraglich vereinbarten Arbeitszeit selbst dauerhaft möglich.

Arbeitszeiten in Deutschland

Abschied vom Acht-Stunden-Tag

  • VonStefan Sauer
    schließen

Die Arbeitgeber fordern eine Änderung des Arbeitszeitgesetzes, Beschäftigte sollen flexibler als bisher eingesetzt werden. Dabei ist der Acht-Stunden Tag eh schon längst passé.

Die Arbeitszeiten in Deutschland sind nach Ansicht vieler Unternehmen zu starr geregelt. In Zeiten fortschreitender Digitalisierung seien immer mehr Arbeitnehmer kaum noch an feste Orte und Zeiten gebunden, um ihrem Beruf nachzugehen, lautet ein häufig angeführtes Argument. Die Industrie 4.0 benötige flexibel einsetzbare Belegschaften, und auch die Beschäftigten könnten vom Abschied von starren Schichten profitieren, lautet ein anderes. Der notwendigen Flexibilisierung stehe schlechterdings das Arbeitszeitgesetz mit Höchstgrenzen für die tägliche und wöchentliche Arbeitsdauer entgegen, weshalb das Gesetz geändert werden müsse, forderte Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer unlängst.

Richtig ist: Das Arbeitszeitgesetz limitiert die werktägliche Arbeit auf acht Stunden. Eine Verlängerung auf zehn Stunden ist zwar möglich. Allerdings muss der zusätzliche Einsatz ausgeglichen werden, so dass innerhalb von sechs Kalendermonaten oder 24 Wochen die durchschnittliche Arbeitszeit acht Stunden täglich nicht überschreitet. Außerdem sieht das Gesetz vor, dass Sonn- und Feiertagsarbeit nur in definierten Ausnahmefällen zulässig ist.

Drittes Kernelement sind Mindestruhezeiten nach spätestens sechs Stunden im Job. Zwischen dem Ende einer Schicht und dem Beginn des nächsten Arbeitstages müssen mindestens elf Stunden liegen. Auch hiervon gibt es Ausnahmen, etwa in Krankenhäusern oder in der Gastronomie. Vor allem aber gibt es zahlreiche Abweichungen, die in Tarifverträgen niedergelegt sind. Und die nach Ansicht der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung den Unternehmen ausreichenden Spielraum lassen, um Arbeitszeiten flexibel zu gestalten.

Langzeitkonten in verschiedenen Branchen

Das der Stiftung angeschlossene Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) hat 18 Branchen in 23 Tarifgebieten auf die vertragliche Gestaltung der Arbeitszeiten hin untersucht und kommt zu dem Ergebnis, dass „sich die Betriebe über mangelnde Spielräume nicht beklagen“ könnten. In vielen Branchen seien Abweichungen von der tarifvertraglich vereinbarten Arbeitszeit selbst dauerhaft möglich.

In der Chemieindustrie etwa biete ein Korridor zwischen 35 und 40 Stunden pro Woche flexible Einsatzmöglichkeiten. Für die Beschäftigten in der Metallindustrie Nordwürttemberg/Nordbaden ist sogar eine Wochenarbeitszeit von bis zu 50 Stunden zulässig, sofern dies nicht häufiger als zweimal pro Monat der Fall ist und die Mehrarbeit binnen eines Jahres ausglichen wird. Im nordrhein-westfälischen Einzelhandel wie auch der bayerischen Landwirtschaft können bis zu 52 Wochenstunden abgeleistet werden, in der Gastronomie des Freistaates sind bis zu 200 Stunden im Monat zulässig, und im privaten Verkehrsgewerbe NRW sitzen Kraftfahrer sogar bis zu 208 Stunden monatlich am Steuer.

Zudem existieren in verschiedenen Branchen sogenannte Langzeitkonten. Im Bankensektor etwa dürfen pro Beschäftigten bis zu 195 Stunden pro Jahr „angespart“ werden. Im Bauhauptgewerbe ist ein „Kontostand“ zwischen minus 30 und plus 150 Stunden möglich. Auch auf befristete Arbeitszeitkürzungen auf 30 bis 32 Stunden pro Woche können die Arbeitgeber in mehreren Branchen zurückgreifen, etwa um Auftragsflauten zu überbrücken. Die Auswertung der Untersuchung zeigt: Eines Abschieds vom Achtstundentag im Arbeitszeitgesetz bedarf es gar nicht. Er ist längst Wirklichkeit.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare