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Das Misstrauen gegenüber diesen Maschinen wächst: Boeing 737 Max auf dem Gelände von Boeing in Renton, Washington.

Stornierungen

Absage an Boeing

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Erste Airline storniert Bestellung für 49 Maschinen des Typs 737 Max.

Die indonesische Airline Garuda storniert als erste Fluggesellschaft einen Großauftrag für die Boeing 737 Max – als Konsequenz von zwei Abstürzen von Maschinen des gleichen Typs. Dies könnte der Auftakt für viele weitere Abbestellungen sein. Garuda teilte mit, die Passagiere hätten nur noch geringes Vertrauen in das Flugzeug, sie würden es meiden.

Vergangenen Sonntag war ein Jet der Ethiopian Airlines wenige Minuten nach dem Start abgestürzt. Ganz ähnlich war der Verlauf bei einem Crash mit einer baugleichen Maschine der indonesischen Fluglinie Lion Air Ende Oktober 2018 verlaufen. Insgesamt starben bei den Unglücken mehr als 340 Menschen. Vieles spricht dafür, dass beide Crashs auf ein fehlerhaftes Stabilisierungsprogramm zurückzuführen sind, das eigentlich einen zu steilen Winkel beim Steigflug verhindern soll. Stattdessen wird in manchen Fällen jedoch die Nase nach unten gedrückt, was die Maschine unkontrollierbar macht. Die Ermittlungen zur Klärung der Unfälle laufen.

Anfang der Woche wurden weltweit Flugverbote für die Modelle 737 Max 8 und 737 Max 9 verhängt. Der deutsche Luftraum ist für diese Maschinen bis Mitte Juni gesperrt. Auch die bislang einzige 737 Max von Garuda steht seither am Boden. Die nun von der Airline rückgängig gemachten Orders betreffen weitere 49 Flugzeuge, deren Listenpreis insgesamt bei rund vier Milliarden Euro liegt.

Beobachter erwarten, dass weitere Stornierungen folgen werden, weil Passagiere nicht mehr in Maschinen dieses Typs einsteigen wollen. Auch Flugbegleiter in den USA haben massiv dagegen protestiert, in der Maschine Dienst zu tun.

Derweil hat die Ratingagentur Fitch angedeutet, dass die Ratings für Boeing und ihre Lieferanten herabgesetzt werden könnten. Noch sei es zwar zu früh für solch einen Schritt. Das könnte sich aber ändern, wenn sich zeige, dass die technischen Probleme systematischer Natur seien.

Dahinter streckt die Vermutung, dass die Flugverbote über einen längeren Zeitraum anhalten werden. Hinzu kommen könnten neben Abbestellungen auch Schadensersatzforderungen – nämlich von Fluggesellschaften, die wegen des Groundings zusätzliche finanzielle Belastungen schultern müssen. Für die Flieger, die am Boden bleiben, müssen Ersatzmaschinen plus Crews angemietet werden, was pro Jet mehr als 200 000 Euro pro Monat kosten kann. Genau darunter leidet auch die polnische Lot, die am Freitag ankündigte, Entschädigungsforderungen zu prüfen.

Boeing hat indes mitgeteilt, zügig ein Software-Update für das Stabilisierungsprogramm bereitzustellen. Gleichwohl droht das Unternehmen nun in einen Teufelskreis zu geraten. Nach Herabstufungen durch Ratingagenturen würde es für das Unternehmen teurer, sich neue Kredite zu besorgen, was wiederum die Gewinne drücken und die finanziellen Spielräume einschränken könnte.

Boeing ist von der 737 Max extrem abhängig. Derzeit hat das Unternehmen noch mehr als 4500 Bestellungen in den Büchern. Die Mittelstreckenmaschine mit den sparsamen Triebwerken ist der wichtigste Gewinnbringer des Konzerns.

Von Stornierungen könnte der europäische Flugzeugbauer Airbus profitieren, der mit der A320-Familie die einzigen Konkurrenzmodelle zur 737 fertigt. Allerdings hat Airbus derzeit keine freien Kapazitäten.

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