Studie

Abgehängt: 19 deutsche Regionen, denen es besonders schlecht geht

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Ökonomen warnen davor, diese Gegenden zu vernachlässigen.

Das Ruhrgebiet und die Region um Bremerhaven sind wegen ihrer Strukturschwäche am meisten gefährdet, sozial und wirtschaftlich abgehängt zu werden. Dazu kommen die Altmark und die Region um Bitterfeld in Sachsen-Anhalt sowie die sächsische Oberlausitz. Dort bereitet vor allem die Überalterung Sorgen. Das hat ein Forscherteam für das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) herausgefunden. Die Studie „Die Zukunft der Regionen in Deutschland“ wurde am Donnerstag in Berlin vorgestellt.

Die Forscher ermittelten insgesamt 19 Regionen, in denen sie dringenden Handlungsbedarf festmachen. Elf davon liegen in Ostdeutschland, vier in Nordrhein-Westfalen entlang der Ruhr. Dazu kommen Bremerhaven, das Saarland, die Westpfalz und Ostholstein.

Die Gründe, warum eine Region in den Augen der Forscher gefährdet ist, sind regional sehr unterschiedlich. Mit Blick auf die Wirtschaft liegen die Schlusslichter in Westdeutschland: Besonders düster sieht es in Duisburg/Essen, Emscher-Lippe und Bremerhaven aus. Ostdeutschland hat indes vor allem ein Demografie-Problem.

Anhalt-Bitterfeld-Wittenberg, Lausitz-Spreewald, Oberlausitz-Niederschlesien sowie Ost- und Südthüringen weisen ein hohes Durchschnittsalter der Bevölkerung auf, das in den vergangenen Jahren auch noch überproportional gestiegen ist. Bei der Infrastruktur gibt es deutschlandweit Probleme. Die drei westdeutschen Regionen Emscher-Lippe, Trier und Westpfalz plagen besonders hohe Verschuldungsquoten. In den ostdeutschen Regionen Altmark, Magdeburg und Halle/Saale ist die digitale Infrastruktur noch viel zu wenig ausgebaut. Auch Ostholstein bereitet den Forschern in diesem Punkt Sorgen.

„Die Länder sollten Schuldenerlasse für die Kommunen in Betracht ziehen, damit diese wieder handlungsfähig werden“, schlägt Michael Hüther, Direktor des IW, vor. „Eine kluge Regionalpolitik sollte den Kommunen die Möglichkeit geben, sich selbst zu helfen“, ergänzt Jens Südekum, Studienmitautor und Ökonom an der Universität Düsseldorf.

Hüther wandte sich mit Nachdruck gegen Vorschläge seines Forscherkollegen Reint Gropp vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle, abgehängte Regionen ausbluten zu lassen und nicht mehr zu fördern. Gropp hatte vor kurzem in der „Leipziger Volkszeitung“ erneut gefordert, Investitionen in Infrastruktur auf die Wachstumskerne zu konzentrieren. Eine Autobahnausfahrt auf dem platten Land und flächendeckende 5-G-Anbindung seien einfach zu teuer.

Hüther ist gegenteiliger Meinung: „Ich halte es für fatal, Regionen aufzugeben und quasi abzuschließen“, sagte er, „aus politischer, gesellschaftlicher und ökonomischer Hinsicht.“ Investitionen in Infrastruktur müssten dazu dienen, die Potenziale einer Region zu heben. „Die Regionalpolitik muss jetzt dringend gegensteuern, sonst werden die gesellschaftlichen Spannungen zunehmen und es kann zu gefährlichen Abwärtsspiralen kommen“, warnen Hüther und Südekum in ihrer Studie.

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