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Voll in: Stehpaddeln.

Markt ausverkauft

Standup-Paddling: Der Run aufs Brett

  • Thomas Magenheim-Hörmann
    vonThomas Magenheim-Hörmann
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In diesem Sommer boomt das Stehpaddeln. Eine Folge von Corona, sagen Experten. Der Markt ist für diese Saison ausverkauft.

Die Sportartikelhändler waren unter den ersten, die in der Pandemie in die Knie gingen. Branchengrößen wie Adidas und Puma baten um Staatskredite, weil fast alle stationären Läden schließen mussten. „Auch bei uns ist das Geschäft kollabiert, aber nur kurzfristig“ sagt Till Eberle. Er ist Geschäftsführer und Miteigner von Boards & More in Oberhaching bei München. Die Bayern sehen sich als Weltmarktführer für Bretter zum Kite- und Windsurfen. „Schon vier Wochen nach Ausbruch der Pandemie war dann aber eine unheimliche Nachfrage bei den SUPs da“, sagt der Manager und spricht von Boards zum Stehpaddeln, dem dritten Standbein der Oberhachinger. Heimische Gewässer sind voll von ihnen. Stehend übers Wasser paddeln ist zum Trendsport des Corona-Sommers geworden.

Eberle führt das auf die eingeschränkten Reisemöglichkeiten zurück. „Für Deutsche ist das die Möglichkeit, Beach-Feeling auf unsere Seen und Flüsse zu bringen“, sagt der frühere Profi-Snowboarder. Dazu kommt, dass das sogenannte Standup-Paddling (SUP) für fast jedermann geeignet ist. „Sogar mein 85-jähriger Vater supt“, sagt Eberle im Branchenjargon. Eigentlich brauche man nur Schwimmen können und etwas Gleichgewichtssinn mitbringen.

„In 15 Minuten kann es jeder ganz gut“, sagt auch Steven Bredow. Er ist SUP-Experte des Deutschen Kanu-Verbands und ermuntert Anfänger. „Wer regelmäßig paddelt, bekommt schnell ein Muskelgedächtnis“, sagt er. Der Körper verinnerlicht die Abläufe, heißt das. Zudem sei Stehpaddeln extrem gesund, da der ganze Körper bis in die Feinmuskeln hinein trainiert werde. Deshalb sei anfangs Muskelkater vorprogrammiert vor allem im Rumpfbereich und an den Zehen, denn Anfänger stünden oft zu verkrampft auf dem Brett. Echte Verletzungen gebe es aber kaum. Die größte Gefahr beim Stehpaddeln sei wohl Sonnenbrand, ergänzt Eberle.

Beim Brett empfiehlt Bredow Markenware. „Das merkt man sofort, wenn man draufsteht“, sagt der Fachmann. Billigbretter vom Discounter seien oft zu kurz oder zu schmal und instabil. „Die machen oft die Banane und es fehlt der Service“, warnt er und meint damit, dass sie sich durchbiegen. Auch Paddel seien qualitativ sehr unterschiedlich. 1000 Euro müsse man für ein gutes SUP-Brett mit Zubehör investieren. Ausleihen sei auch eine Option, weil man da immer modernes Material bekäme.

Aktuell seien die Menschenschlangen vor Verleihbetrieben allerdings lang. „Es ist total verrückt geworden dieses Jahr“, sagt Bredow über den unverhofften SUP-Boom. Etwa eine halbe Million Stehpaddler gebe es jetzt in Deutschland, womit die Bewegung auf dem Wasser zum Breitensport geworden ist.

150.000 Bretter wurden 2019 hierzulande verkauft. Dieses Jahr dürften es rund 100.000 mehr werden. „Der Markt ist leergeräumt“, stellt Eberle klar. Für diese Saison nachproduziert werden kann nicht mehr. Die Bretter, die eine Ableitung von Surfboards sind, werden in Asien gefertigt, was sechs Wochen Lieferzeit bedeutet. Bei den asiatischen Herstellern fehlen aber auch Vormaterialien, die nicht kurzfristig besorgt werden können. SUP-Anfänger können damit nur auf Leihbretter ausweichen.

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