+
Ob der Schirm reicht? Die EZB setzt nur Impulse, die Staaten sollen sich dann selbst gegenseitg helfen. 

EZB

750-Milliarden-Euro-Programm

  • schließen

Die Europäische Zentralbank greift ein, um die Wirtschaft in der Eurozone zu stabilisieren.

Die Intervention zeigt zwar Wirkung. Aber dies kann nicht reichen. Die FR erläutert, warum große Rettungspakete nötig sind – vor allem für Italien.

Was hat die EZB getan?

Christine Lagarde, EZB-Präsidentin, teilte per Twitter mit, es gebe keine Limits im Bekenntnis zum Euro. Die Notenbank beschloss in der Nacht zum Donnerstag, die Ausweitung ihres Anleihekaufprogramms um 750 Milliarden Euro. Es soll laufen, bis die Corona-Pandemie überstanden ist – mindestens aber bis Ende des Jahres.

Was war zuvor geschehen?

Investoren verkauften europäische Staatsanleihen in großem Stil. Sie trauen Politikern nicht zu, die Coronakrise einzudämmen, sind deshalb von schweren ökonomischen Verwerfungen ausgegangen, wodurch die Staatshaushalte massiv belastet würden. Die Kurse der Staatsanleihen gaben deutlich nach, dadurch erhöhten sich deren Renditen – quasi ein Risikoaufschlag. Zugleich vergrößerten sich die Abstände (Spreads) der Renditen für die verschiedenen Euroländer. Vor allem italienische Papiere waren betroffen. Deren Rendite lag bei zehn Jahren Laufzeit am Mittwoch zeitweise nahe drei Prozent, während für die als extrem sicher geltenden deutschen Staatsanleihen sogar noch Minuszinsen gezahlt werden mussten.

Warum ist solch eine Entwicklung so gefährlich?

Sie erinnert an die Eurokrise des Jahres 2012. Seinerzeit standen griechische Staatsanleihen im Feuer. Dadurch kam die gesamte Währungsunion in Gefahr. Ein ähnliches Szenario wird nun für Italien befürchtet.

Wirkt die Aktion der EZB?

Es gelang, die Akteure an den Finanzmärkten vorübergehend zu beruhigen. Die Wirkungen des neuen EZB-Programms wurden vorweggenommen: Durch den Kauf der Anleihen schrumpft das Angebot am Finanzmarkt, dadurch steigen die Kurse und die Renditen der Staatsanleihen sinken – italienische lagen gegen Mittag bei 1,7 Prozent, deutsche bei minus 0,25 Prozent.

Reicht das Vorgehen der EZB aus?

Nein. Es hilft aber, weitere Maßnahmen durch die EU und die nationalen Regierungen auf den Weg zu bringen – in Deutschland sind etwa Nothilfen für Selbstständige und Kleinstunternehmen nötig. Lagarde hat immer betont, dass in erster Linie nicht die EZB, sondern die Regierungen handeln müssen. Es geht vor allem darum, große Rettungspakete auf EU-Ebene zu organisieren, mit denen schwächere Staaten gestützt werden können.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare