1. Startseite
  2. Wirtschaft

2023 bringt Krankenkassenbeträge auf Höchststand: Was die geplante Erhöhung um 0,3 Prozent bedeutet

Erstellt:

Von: Sandra Kathe

Kommentare

Krankenversicherung
Wenn es nach einem Plan des Gesundheitsministeriums geht, steigen die Krankenkassenbeiträge 2023 auf ein Rekordhoch. © Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Nach den Plänen des Gesundheitsministeriums gehen nächstes Jahr 16,2 Prozent des Brutto-Einkommens von Arbeitnehmern an die Krankenkasse – das stößt auf scharfe Kritik.

Berlin – Die Ankündigung von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), 2023 den durchschnittlichen Zusatzbeitrag für die gesetzliche Krankenversicherung um 0,3 Prozentpunkte auf 1,6 Prozent des Bruttoverdiensts und damit einen historischen Höchststand anzuheben, wird vielen Seiten scharf kritisiert. Begründet hatte der SPD-Politiker die Anhebung mit dem zu erwartenden Rekorddefizit der Krankenkassen, das sich bis Ende 2022 auf rund 17 Milliarden Euro belaufen soll.

Der durchschnittliche Zusatzbeitrag liegt aktuell noch bei 1,3 Prozent des Bruttoverdiensts und kommt zum allgemeinen Beitragssatz von derzeit 14,6 Prozent hinzu. Alles zusammengerechnet würde sich der Gesamtbetrag somit auf 16,2 Prozent erhöhen, sofern die Vorlage von der Bundesregierung sowie im Bundestag angenommen wird. Die Hälfte des Gesamtbetrags übernehmen die Arbeitgeber.

Anhebung des Zusatzbeitrags für Krankenkassen soll Rekord-Defizit verringern

Durch die Anhebung des Zusatzbeitrages rechne Lauterbachs Ministerium mit Mehreinnahmen von 4,8 bis 5 Milliarden Euro, die dazu beitragen sollen, das historisch größte Defizit der gesetzlichen Krankenkassen nach und nach auszugleichen. Zur Finanzierung des Defizits soll es zudem einen zusätzlichen Bundeszuschuss in Höhe von zwei Milliarden Euro sowie Darlehen für die Kassen geben. Darüber hinaus werde geplant, die Reserven des Gesundheitsfonds sowie der einzelnen Kassen zugehen und eine Solidarabgabe in Höhe von einer Milliarde Euro von der pharmazeutischen Industrie zu fordern.

Lauterbach betonte in seiner Ankündigung, die Bundesregierung habe die Finanzen der gesetzlichen Krankenversicherung in einem sehr schwierigen Zustand vorgefunden. Er habe das Defizit im Wesentlichen von seinem Vorgänger Jens Spahn (CDU) geerbt, es sei nicht größer geworden. Dieser habe „teure Leistungsreformen“, aber keine notwendigen Strukturreformen vorgenommen.

Kritik an Krankenkassenbeiträgen in Rekordhöhe: Verbände und Politik bezweifeln Erfolg

Bereits unmittelbar nach der Ankündigung im Juni erntete der Plan des Gesundheitsministeriums von vielen Seiten Kritik. So bezeichnete die Verbandschefin des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) die Erhöhung der Beiträge als „allenfalls eine finanzielle Atempause“. So sei es noch offen, ob die Anhebung der Zusatzbeitragssätze um 0,3 Prozentpunkte tatsächlich ausreichen werde, betonte Pfeiffer. „Sicher ist aber schon jetzt, dass die Politik nun wohl auch die letzten Rücklagen der Krankenkassen für kurzfristige Effekte verbraucht.“

Auch Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger warnte vor dem Szenario von steigender Inflation und teuren Energiekosten davor, den Plan des Gesundheitsministeriums in die Tat umzusetzen. Die steigenden Krankenkassen-Beiträge belasteten „Unternehmen und Beschäftigte, und die Lohn-Preis-Spirale dreht sich immer schneller“, sagte er. Höhere Beiträge müssten deshalb durch Zuschüsse und Reformen verhindert werden.

Markus Jerger, Vorsitzender des Bundesverbandes Der Mittelstand (BVMW) warnte: „Eine weitere Erhöhung der Krankenkassenbeiträge kann sich Deutschland nicht mehr leisten.“ Schon jetzt habe man die größte Abgaben- und Steuerlast in Europa. Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, schlug die Einführung eines ermäßigten Mehrwertsteuersatzes auf Arzneimittel vor, um die Kassen deutlich zu entlasten. Dies sehe Lauterbachs Entwurf aber nicht vor. (ska mit dpa/AFP)

Auch interessant

Kommentare