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EuGH-Urteil zu Pauschalurlaub: Wann Reisende Geld zurückverlangen können

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Für Pauschalurlauber:innen war der März 2020 eine Zeit voller Frust und Ungewissheit. Nun hat der EuGH ein verbraucherfreundliches Urteil gesprochen.

Luxemburg – Es ist März 2020: Ein Ehepaar tritt seine zweiwöchige Pauschalreise nach Gran Canaria an. Anstelle von Sonne, Strand und Meer muss es aber den ganzen Tag auf dem Hotelzimmer verbringen. Aufgrund der Beschränkung zur Eindämmung des damals neuartigen Corona-Virus untersagt die Verwaltung der Insel alle Freizeitaktivitäten. Diese Beschränkungen treten erst in Kraft, als die beiden Reisenden auf den Kanaren sind.

Nur wenige Tage nach ihrer Anreise ist der Urlaub dann auch beendet - das Ehepaar wird zurück nach Deutschland beordert. In der Heimat angekommen, verlangt das Paar eine Rückerstattung des Reisepreises in Höhe von 70 Prozent. Der Pauschalreiseanbieter verweigert dies. Die Begründung: Für ein solches „allgemeines Lebensrisiko“ müsse das Unternehmen nicht einstehen.

Eine Frau ist mit Maske bekleidet und liest auf ihrem Smartphone am Strand auf Mallorca
Ob man sich mit Maske am Strand entspannen konnte? Dies müssen jetzt Gerichte entscheiden. © Jaime Reina/AFP

EuGH urteilt zum Vorteil der Pauschalreisenden

Daraufhin verklagt das Paar das Pauschalreiseunternehmen. Das Verfahren landet vor dem Landgericht München I und benötigt in zweiter Instanz eine Einschätzung des Europäischen Gerichthofes (EuGH), um den Rechtsstreit zu klären. Dieses Urteil liegt nun vor und ist zum Vorteil der Verbraucher:innen gesprochen.

Leistungen, die ein Faktor bei der Rückerstattung der Reisekosten sind:
Zugang zum Pool und der Liegenlandschaft
Animationsprogramm des Hotels
Freies Bewegen am Urlaubsort
Strandzugang
Freizeitaktivitäten

Der EuGH schreibt in der Urteilsbegründung: „Ein Reisender hat einen Anspruch auf Minderung der Kosten für seine Pauschalreisen, wenn an seinem Reiseziel Einschränkungen zur Bekämpfung des Corona-Virus angeordnet wurden.“ Dabei sei es auch unerheblich, ob am Wohnort des Reisenden ebenfalls Beschränkungen vorherrschen.

Reiseveranstalter haftet unabhängig von eigener Schuld - Höhe des Preisnachlasses wird in München entschieden

Nach den EU-Richtlinen zu Pauschalreisen haftet der Reiseveranstalter vollumfänglich für die Erbringung der vereinbarten Leistungen. Unabhängig davon, ob das Unternehmen für den Ausfall der Leistungen verantwortlich ist. Der EuGH erklärt: „Die Minderung des Preises der Pauschalreise ist dem Wert der vertragswidrigen Reiseleistungen zu entsprechen.“

Nachdem nun der EuGH das Urteil gesprochen hat, muss im Einzelfall entschieden werden, wie viel Geld die Pauschalreisenden zurückerhalten. Es liegt in der Hand des Landgerichts München I einzuschätzen, welche Leistungen der Reiseveranstalter dem Ehepaar nicht leisten konnte und wie viel Prozent des Gesamtpreises zurückerstattet wird. (Patryk Kubocz)

Doch was ist eigentlich, falls man bereits im Vorfeld bemerkt, dass das Reiseziel sich zu einem Corona-Hotspot entwickelt? Seit Ausbruch der Pandemie haben sich viele Bestimmungen beim Reiserücktritt und der Stornierung von Reisen verändert.

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