Berufsunfähigkeit: Diese Krankheiten werden von Versicherungen häufig akzeptiert
Berufsunfähigkeit kann heutzutage jeden treffen. Im Fall einer Krankheit oder eines Unfalls zahlt die Versicherung dann monatlich eine vereinbarte Rente. Doch welche Krankheiten sind offiziell anerkannt?
Frankfurt am Main ‒ Müde, schlapp und antriebslos? Viele Menschen kennen diesen Zustand. Sie haben daraufhin ihre Bettmatratze ausgetauscht, Stress abgebaut – vielleicht ernähren sie sich auch inzwischen gesünder und gönnen sich ein bisschen mehr Schlaf. Wenn auch das nicht hilft, könnte tatsächlich eine ernsthafte Erkrankung dahinter stecken. In jedem Fall müssen sich Arbeitnehmer krankmelden. Sechs Wochen zahlt der Arbeitgeber weiter. Doch was passiert mit Beschäftigten, wenn sie längere Zeit einfach ausfallen, im schlimmsten Fall berufsunfähig werden. So erhalten Versicherten den nötigen Schutz.
Immerhin wird jeder Vierte laut dem Gesamtverband der Versicherer (GDV) statistisch gesehen mindestens einmal berufsunfähig im Laufe seines Arbeitslebens. Das ergab eine Analyse von Daten zur Berufsunfähigkeitsversicherung der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) im Jahr 2018. Dabei zeigte sich, das Risiko ist unabhängig vom ausgeübten Beruf. Ob gefahrloser Bürojob, Gärtner:in in der Landwirtschaft, Maler:in und Lackierer:in oder Arbeiter:in auf dem Bau.

Berufsunfähigkeit: Psychische Erkrankungen sind die häufigste Ursache
Können Betroffene ihrer bisher ausgeübten Tätigkeit nicht mehr nachgehen, geraten sie möglicherweise schnell in finanzielle Nöte. Eine Berufsunfähigkeit bietet hierbei Schutz.
Die häufigsten Ursachen für Berufsunfähigkeit:
- Psychische Leiden (etwa 30 Prozent): Burn-out, Depression
- Schwere Unfälle (rund 8,20 Prozent)
- Erkrankungen am Bewegungsapparat (19,1 Prozent): Rückenleiden, Arthrose, Gelenkprobleme
- Krebs (19,3 Prozent)
- Herzkreislaufsystem (6,1 Prozent)
- Nervensystem (7,6 Prozent)
Quelle: GDV
Die Absicherung der eigenen Arbeitskraft scheint auf Grundlage dieser Daten ein Muss für jeden Beschäftigten. Dabei sollte nicht nur ein mit den Händen arbeitender Klempner das Risiko im Blick haben. Auch ein im Büro am Schreibtisch sitzender Controller oder eine Controllerin, der oder die täglich mit Zahlen im Kopf jongliert, kann von Berufsunfähigkeit getroffen werden.

Berufsunfähigkeit: Die Liste oftmals akzeptierter Krankheiten ist lang
Zu den wohl gefährlichsten Berufen zählen beispielsweise Gerüstbauer, Dachdecker, Wurstwarenhersteller, Fliesenleger, Sprengmeister und Bäcker. Aber auch Tierpfleger und Schornsteinfeger haben laut Versicherern eine hohe Wahrscheinlichkeit, das Rentenalter nicht gesund zu erreichen. Bei Dachdeckern liegt die Wahrscheinlichkeit, das Rentenalter gesund zu erreichen, bei rund 49 Prozent, bei Gerüstbauer bei etwa 48 Prozent.
Diese Krankheiten werden von Versicherungen oft akzeptiert:
- ALS
- Autismus
- Angststörung
- Alkoholerkrankung
- Borderline-Syndrom
- Borreliose
- Burnout
- Bipolare Störung
- Blindheit
- Chorea Huntington
- Cluster-Kopfschmerz
- COPD
- Depression
- Drogenmissbrauch
- Fatigue-Syndrom
Fibromyalgie
Hirnblutung
Hirntumor
Krebs
Lupus
Multiple Sklerose
Morbus Chron
Mukoviszidose
Narkolepsie
Neurodermitis
Niereninsuffizienz
Osteoporose
Panikstörung
Parkinson
Polyneuropathie
Posttraumatische Belastungsstörung
Schädel-Hirn-Trauma
Schlaganfall
Taubheit - Verbrennungen
- Zwangsstörungen
Quelle: VUMAK
Diese Krankheiten werden nur in bestimmten Berufen von Versicherungen akzeptiert:
- Asthma
- Arthrose
- Allergien
- Bandscheibenvorfall
- Bänderrisse
- Chondropathie
- Diabetes
- Epilepsie
- Gicht
- HIV
- Querschnittslähmung
Rheuma - Thrombose
- Unfall
- Migräne
Spricht sich zum Beispiel ein Malermeister den Arm und zieht sich eine Oberarmfraktur zu, muss ihm anschließend ein Arzt bzw. eine Ärztin bestätigen, dass der Meister prägende Tätigkeit seines Berufs - wie Schleifen, Spachteln, Lackieren und Streichen - nicht mehr ausüben kann, was eine Berufsunfähigkeit von 75 Prozent zur Folge haben könnte. Aber auch die Angststörung einer Flugbegleiterin, allergische Reaktionen auf Lacke und Farben oder Pflanzen können in manchen Berufen zur Berufsunfähigkeit führen.
Berufsunfähigkeit liegt vor, wenn der Versicherte voraussichtlich sechs Monate lang zu mehr als 50 Prozent berufsunfähig sein wird oder dieser Zeitraum schon verstrichen ist. Geprüft wird die Berufsunfähigkeit anhand umfangreicher Formulare und Berichten von Ärtz:innen. Die Beweislast liegt bei den versicherten Personen, sie müssen die Berufsunfähigkeit gegenüber der Versicherung nachweisen.
Die meisten Berufstätigen seien sich über mögliche Ursachen für eine Berufsunfähigkeit und die damit verbundenen Versorgungslücken nicht bewusst, erklären Verbraucherschützer von der Verbraucherzentrale NRW. Beschäftigte sollten sich zur Berufsunfähigkeit am besten umfassend beraten lassen. Die Beitrags- und Leistungsunterschiede bei den Versicherungen seinen enorm. Sie könnten bei gleichen Leistungen auch schon einmal 200 Prozent ausmachen. Je nach Vertragsumfang könnten Versicherte bei der Wahl des falschen Versicherers leicht einige Tausend Euro in den Sand setzen. Auch der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung für Kinder kann sich durchaus lohnen, auch für Auszubildende und Studierende.