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Preisübergabe auf Distanz: Der Frankfurter OB Feldmann (Mitte), Roland Herzberger von der TSV Lämmerspiel (links) und der Schlappekicker-Vorsitzende Arnd Festerling im Kaisersaal des Römers.
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Preisübergabe auf Distanz: Der Frankfurter OB Feldmann (Mitte), Roland Herzberger von der TSV Lämmerspiel (links) und der Schlappekicker-Vorsitzende Arnd Festerling im Kaisersaal des Römers.

Schlappekicker-Preis 2020

Nähe trotz Abstand

  • vonJürgen Streicher
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Die TSV Lämmerspiel erhält im Frankfurter Kaisersaal den mit 5000 Euro dotierten Schlappekicker-Preis.

Ob das was wird in diesen Zeiten? Erst hat Roland Holzberger gezittert, ob er überhaupt Freiwillige findet, dann mächtig gestaunt über die Resonanz, und nach vollbrachter Arbeit war er „riesig stolz“ auf alle, die mit angepackt haben, dem Sportplatz ein neues Gesicht zu geben. Rund 70 Männer, die einen noch nicht der A-Jugend entwachsen, andere mit 70 Jahren schon knapp über der Altersgrenze für aktive Fußballer. Sie eint das „Herzblut“, wie Roland Holzberger es nennt, die Liebe zu ihrer TSV Lämmerspiel. Kann da ein Virus alles Leben ausbremsen? Kann es nicht. Wenn der Verein ruft, dann sind sie da. Nähe und Gemeinsamkeit ist ihnen wichtig, auch wenn Abstand gefordert ist.

Das ist es, was Roland Holzberger, den Vorsitzenden der Fußballer des Vereins im 4000-Seelendorf Lämmerspiel zwischen Offenbach und Mühlheim, so stolz macht. Natürlich ist da noch der frische Meistertitel in der Kreisliga A Offenbach 2 mit der „Ersten“. Siebzehn Siege bis zum Saisonabbruch im Frühjahr, dazu zwei Unentschieden, ungeschlagen mit 108:15 Toren die Konkurrenz dominiert und sich den Aufstieg in die Kreisoberliga redlich verdient. Noch vor der Meisterfeier wollten sie auf dem Sportgelände am Ortsrand mit der Arbeit beginnen und den Sportplatz neu gestalten, doch dann kam die Pandemie. Dass sich ehrenamtliches Engagement davon nicht hat beeindrucken oder gar klein kriegen lassen, war der wahre Sieg dieser unvollendeten Saison. Die TSV Lämmerspiel, ein würdiger Empfänger des diesjährigen Schlappekicker-Preises der Frankfurter Rundschau, dotiert mit 5000 Euro und der Schlappekicker-Trophäe. Einen Ehrenplatz in der Vereinsvitrine wird sie erhalten.

Von Corona nicht gestoppt

„Wir sind überglücklich, dass wir ihn kriegen“, sagte Roland Holzberger, sichtlich gerührt bei der Preisverleihung im Kaisersaal des Frankfurter Römer. Mit ihm freuen sich alle Fußballer aus Lämmerspiel, beim ersten Spiel auf dem Sportplatz werden sie noch darüber reden. Zumal dazu auch der Schlappekicker-Vorstand eingeladen ist. Im Kaisersaal, dem vornehmsten Ort der bürgerlichen Tradition Frankfurts, in dem Dutzende Könige und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation aus ihren Nischen an den Seitenwänden blicken und oft Nationalmannschaften, Olympia-Teilnehmer oder die glorreiche Frankfurter Eintracht für ihre Erfolge geehrt wurden, blieb dem Dorfverein TSV Lämmerspiel die Ehre prominenten Applauses im Corona-Jahr vorenthalten. Für die „wahren Sieger“, die die bei der Verleihung des Schlappekicker-Preises alljährlich im Kaisersaal gefeiert und gefördert werden, blieb diesmal nur ein Fototermin mit Frankfurts OB Peter Feldmann, dem Schlappekicker-Vorsitzenden Arnd Festerling sowie seinem Stellvertreter Roland Frischkorn, der auch Vorsitzender des Sportkreises Frankfurt ist.

Immer wieder ist die Preisverleihung im Römer ein Stelldichein der heimischen Fußballgrößen. Die Eintracht trifft die Kickers aus Offenbach und den FSV vom Bornheimer Hang, Legenden tauchen auf, Fußballmacher, umtriebige Akteure auf allen Fußballfeldern, Vereinspräsidenten und Experten der Trainergilde. Die Aktion bringt Sportler über Grenzen hinweg zusammen, der Kaisersaal mit Foyer für die Nachspielzeit am Büffet mit gepflegtem Umtrunk ist stets ein würdiger Rahmen für das vorweihnachtliche Treffen der Sportlerfamilie in Rhein-Main.

Alles diesmal aus Corona-Gründen gestrichen, im Protokoll mit strengem Regelwerk im Advent 2020 nicht vorgesehen. Trotzdem hatte OB Feldmann in Fortsetzung der bewährten Tradition in den Römer eingeladen, eben nur unter Ausschluss der sportlichen Prominenz wurde aufgrund der Pandemie zum 23. Mal der Schlappekicker-Preis vergeben. Zielgruppe sind Vereine, Personen und Initiativen, die sich in besonderer Weise gesellschaftlich und damit auch für die sozialen Aspekte in ihrem sportlichen Alltag engagieren. Die unter anderem mit den früheren Meistersportlern Cornelia Hanisch, Sylvia Schenk und Harald Schmid prominent besetzte fünfköpfige Jury war bei ihrer Entscheidung besonders angetan davon, dass die TSV Lämmerspiel sich von Corona nicht hat aufhalten lassen. Dass der Verein sein Verhalten der Zeit angepasst und unbeirrt seine Ziele verfolgt hat. Dass er es geschafft hat, ein hohes Maß an Gemeinsamkeit zu erzeugen, wo Abstand gefragt war. „Unser Preisträger ist ein großartiges Beispiel dafür, dass gerade im Sport mit Kreativität und Gemeinsinn im Vereinsleben viel erreicht werden kann“, lobte der ehemalige Chefredakteur der Frankfurter Rundschau und Vorsitzende des Schlappekicker-Vereins, Arnd Festerling, bei der Preisübergabe an Roland Holzberger und seine Begleiter.

Es waren schweißtreibende Samstage auf dem TSV-Sportplatz. Zehn Wochen lang haben sie da gearbeitet, in zwei Schichten à 15 Mann. Haben alles Stehtribünen abgebaut, die Bandenwerbung entfernt und eingelagert, auch die Einzäunung und mit ihr alle Randsteine. Größter Brocken: Alle „Knochensteine“ rund um den Sportplatz sollten entfernt werden, eine Knochenarbeit. Knapp 58 000 Steine zählte „Bauleiter“ Jörg Bauer , sonst Spielausschuss-Vorsitzender. 150 Paletten mit je 350 Steinen wurden notiert, sauber geschichtet. Die haben sie verschenkt, an Kleingärtner und Kleinunternehmer, um Entsorgungskosten zu sparen. Da gab es auch mal einen „Fuffi“ für die Jugendkasse, das war fein. Und örtliche Unternehmer haben mit Bagger, Container und Lkw ausgeholfen.

OB Feldmann beeindruckt

Ein kleines Team hatte zuvor ein ausgeklügeltes Hygienekonzept erarbeitet. Mit festgelegten Wegen auf der Baustelle, mit Desinfektionsstationen, natürlich wurde mit Masken gearbeitet. An zehn heißen Samstagen von früh bis spät. Freiwilliger Beitrag der Kicker, um beim Zwei-Millionen-Projekt Sportplatz-Sanierung mit Anlegen eines neuen Naturrasen- und eines neuen Kunstrasenplatzes für die zwölf Jugendteams und drei Seniorenmannschaften sowie die Alten Herren zu sparen für ein paar Extrawünsche bei den neuen Kabinen mit vier Duschräumen und zwei getrennten für die Schiedsrichter. Um die 60 000 Euro konnten so durch gemeinsame Anstrengung eingespart werden.

„So außergewöhnlich wie das Jahr 2020 ist auch das diesjährige Engagement der TSV Lämmerspiel. Ich bin beeindruckt, wie kreativ und zielstrebig der Verein sein Gelände durch diese enorme Eigenleistung und unter Berücksichtigung der Vielzahl von pandemiebedingten Einschränkungen realisiert hat“, würdigte OB Feldmann den diesjährigen Preisträger: „Das ist ein hervorragendes Musterbeispiel für engagiertes Vereinsleben in Pandemiezeiten.“

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