1. Startseite
  2. Über uns
  3. Schlappekicker

Viel Lob für kreative Inklusionsarbeit

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Jürgen Streicher

Kommentare

Preisverleihung 2: SV Blau-Gelb Frankfurt und der Vorsitzende der Schlappekicker-Aktion Arnd Festerling (rechts).
SV Blau-Gelb Frankfurt und Arnd Festerling, der Vorsitzende der Schlappekicker-Aktion (rechts). © Michael Schick

Die Schlappekicker-Aktion der Frankfurter Rundschau vergibt fünf Preise für inklusive Sportprojekte.

Wie so viele Jungs wollte Tobi als kleiner Bub unbedingt Fußballprofi werden. Tobi aber blieb klein, ihm fehlen Knie und Oberschenkel, von der Sohle des Stollenschuhs bis zum Scheitel misst er nur 1,20 Meter. Er würde nie Profi werden in seinem Lieblingssport, Nationalspieler ist er trotzdem. Vergangene Woche hat er bei einem Turnier in Spanien im Spiel gegen Frankreich sein erstes Tor für seine Nationalmannschaft erzielt, in einem Team kleinwüchsiger Menschen. „Unglaublich, wie er das Ding reingehauen hat“, schwärmt sein Trainer Bruno Pasqualotto.

Tobias Wentzell ist ein absoluter Leader-Typ, sagt sein Heimtrainer, als Kapitän führt er sein „Team United“ meist auf den Platz. Mit fünf Leuten und Mentor Thorsten Picha hat Pasqualotto 2013 angefangen, das Team aufzubauen, heute hat es rund 60 begeisterte Kicker mit und ohne Behinderung, gespielt wird unter dem Dach des SV Teutonia 1910 Köppern. Auch im Teamvideo ist Tobi Frontmann, der Spaß am Spiel steht im Vordergrund, das sieht man deutlich. Das „Team United ist gelebte Inklusion“, das würde hier jeder unterschreiben. Aus einem Umkreis von 80 Kilometern kommen die Akteure zum Training angereist.

Preisverleihung 1: SV Teutonia Köppern und Schlappekicker-Vorstandsmitglied Ulrike Spitz (rechts).
TTC OE Bad Homburg und Schlappekicker-Vorstandsmitglied Harald Stenger (Mitte). © Michael Schick

Der SV Teutonia ist einer von fünf Preisträgern, die gestern vom „Schlappekicker“ für ihre Ideen im Bereich „Inklusiver Sport“ ausgezeichnet wurden. Der Sportkreis Frankfurt als Hausherr und die Schlappekicker-Stiftung luden zu einem kleinen Empfang in die Sportfabrik Fechenheim.

Dabei zeigte das Beispiel des FSV Hessen Wetzlar, dass Corona noch immer nicht nur in den Köpfen ist. Von der Jury ausgewählt, mussten die Initiatoren des Projektes „KlipSi – Bewegung macht Laune!“ für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Handicap kurzfristig wegen mehrerer Corona-Fälle absagen. Alle Vereine erhielten ein Preisgeld von 3000 Euro.

Die Corona-Zwangspause hat alle Vereine hart getroffen. Sportkreis-Vorsitzender Roland Frischkorn berichtete im Gespräch mit Ulrike Spitz, seiner Kollegin aus dem Schlappekicker-Vorstand, von rund 12 000 Vereinsaustritten. Das habe sich allerdings in diesem Jahr wieder fast ausgeglichen. Diese Kreativität wünscht sich Frischkorn nun in der „Energiefrage“, denn jetzt würden Austritte aus finanziellen Gründen gemeldet, um Vereinsbeiträge einzusparen. Die Kreativität sei bei den Preisträgern herausragend, ihr Engagement, ihre Leidenschaft und Liebe zum Sport immer stärker als alle Hindernisse, lobte der Schlappekicker-Vorsitzende Arnd Festerling.

Preisverleihung 3: TTC OE Bad Homburg und Schlappekicker-Vorstandsmitglied Harald Stenger (Mitte).
SV Teutonia Köppern und Schlappekicker-Vorstandsmitglied Ulrike Spitz (rechts). © Michael Schick

Der SV Blau Gelb Frankfurt etwa, auch so ein Vorbild. Ein Verein, bei dem schon immer der Fußball im Mittelpunkt steht. Nun hat er seit zehn Jahren schon eine eigene kleine Abteilung mit der Sportart „Showdown“ im Programm, auch Tischball genannt. Gespielt wird auf einem rechteckigen Tisch mit abgerundeten Ecken und umlaufender Bande mit Holzschlägern wie beim Tischtennis. Der Hartplastikball ist gefüllt mit kleinen Stahlkugeln, denn gespielt wird nach Gehör auf das gegnerische Tor an der Schmalseite des Tisches. Die stark sehbehinderte Elvira Osewald hat das Spiel bei einem Integrationsfest in Hannover kennengelernt und die Idee nach Frankfurt mitgebracht. Alle Spielerinnen und Spieler tragen eine Dunkelbrille, so können Sehbehinderte, Blinde und Sehende mit gleichen Chancen gegeneinander spielen.

Die Gewinner in der Fabriksporthalle Frankfurt.
So sehen Sieger aus! Gruppenbild der Gewinner der Schlappekicker-Inklusionspreise 2022 in der Fabriksporthalle Frankfurt. © Michael Schick

Der Frankfurter Inklusions-Sportverein für seine „Sport-, Freizeit- und Bewegungsangebote für alle unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft und Art der Behinderung“ und der TTC Ober-Erlenbach komplettieren das Quintett der Preisträger. Dass in allen Vereinen das Preisgeld in gute Hände gelangt, dafür verbürgen sich Menschen wie Holger Kranz im Inklusions-Sportverein oder Bernd Röschenthaler im Tischtennis-Club Ober-Erlenbach.

Neben dem Profisport - die Männer-Mannschaft ist ihrem Abstieg in der vorigen Saison derzeit Tabellenführer der 2. Bundesliga - hat der Verein auch ein Seniorentraining für Demenz-Prophylaxe etabliert. Inzwischen gehören zu der gemischten Gruppe auch Parkinson-Patienten. Tischtennis als Therapie hilft ihnen, die Verschlechterung der Symptome zu verlangsamen. Medizinische Erkenntnisse in dieser Richtung haben 2020 zur Gründung von PingPongParkinson Deutschland geführt. Ober-Erlenbach ist einer der ersten PPP-Stützpunkte in Deutschland, im Mai wurden die „Internationalen German Open“ im Tischtennis für Menschen mit Parkinson ausgerichtet, teilgenommen haben 128 Akteure aus 14 Ländern. Der Betrag des Schlappekicker-Inklusionspreises verwendet der TTC OE Bad Homburg zur Finanzierung von zwei Inklusions-Trainingseinheiten für insgesamt 24 Personen unter der Leitung des Ex-Bundesliga-Spielers Heinz Sommer.

Neben den fünf Inklusionspreisen in Höhe von jeweils 3000 Euro gab es noch eine wichtige Entscheidung und Übereinkunft im Rahmen des Treffens: Alle Beteiligten bei der Preisverleihung inklusive des Sportkreises Frankfurt haben sich dazu bekannt, vertieft an einer „Allianz für Inklusion“ mitzuwirken. (Jürgen Streicher)

Auch interessant

Kommentare