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Vorbilder am Beckenrand: Anne von Soosten-Höllings und Selda Öztürk.

Schlappekicker-Preis 2011

Integration im Wasser

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Der VFS Rödermark wird für sein innovatives Schwimmprojekt für Frauen und Migrantinnen mit dem Schlappekicker-Preis 2011 ausgezeichnet.

Schwimmen tut gut, das weiß jeder. Doch beim Verein für Fitness und Schwimmsport (VFS) Rödermark steht nicht nur die Gesundheit im Vordergrund. Mit seinem innovativen Projekt „Schwimmen für Frauen – Schwimmen für Migrantinnen“ versucht der VFS dabei zu helfen, Toleranz auf- und gleichzeitig Vorurteile abzubauen – und die Aufgabe, das kann wohl jeder in dieser Zeit des rechtsextremistischen Terrors bestätigen, ist in der Tat keine leichte.

Die beispielhafte Arbeit des Vereins hat letztlich auch die Jury der Schlappekicker-Aktion der Frankfurter Rundschau dermaßen überzeugt, dass sie dem VFS Rödermark den diesjährigen Schlappekicker-Preis zugesprochen hat. Die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung, die seit 1998 sowohl Vereine als auch Einzelpersonen für vorbildliches soziales Engagement im Sport belohnt, wird am Montagabend im Frankfurter Römer verliehen.

Augenmerk auf Benachteiligte

„Wir hoffen schon, dass wir damit zur Integration beitragen können“, sagt die Vorsitzende Anne von Soosten-Höllings, die als Gründungsmitglied des VFS von Beginn an darum bemüht war, neue Wege zu gehen, neue Konzepte zu entwickeln und „verschiedene Nischen“ zu besetzen. Das ist dem Verein bisher über die Maßen gut gelungen. So stand vom ersten Augenblick an die Arbeit an und mit Schulen im Mittelpunkt, wobei der Verein bei seinem kostenlosen Schwimmunterricht ein besonderes Augenmerk auf sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche gelegt hat.

Zudem bietet der VFS seit mittlerweile drei Jahren Wassergewöhnungskurse in Kindertagesstätten an; auch hierbei werden vor allem Jungen und Mädchen angesprochen, die sonst nur selten Schwimmbäder besuchen oder besonderen Förderbedarf haben.

Doch das ist nur der Anfang gewesen. Reine Frauenkurse sind Mangelware in Sportvereinen, und der VFS wollte diese Lücke unbedingt schließen. Nachdem immer mehr Mütter der im Verein betreuten Kinder angefragt hatten, ob nicht auch ein solcher Kurs für Frauen angeboten werden könnte, hat sich der Verein ernsthaft mit diesem Gedanken befasst und mit Beginn des Jahres die Idee auch in die Tat umgesetzt: Das Projekt „Schwimmen für Frauen – Schwimmen für Migrantinnen“ war geboren.

Ganz leicht war das freilich nicht, zumal auch kritische Stimmen zu hören waren. „Es gab schon viele, die gesagt haben: ,Braucht man so etwas? Die sollen doch in normale Stunden gehen‘“, sagt die stellvertretende Vorsitzende Selda Öztürk, die seit März im Vorstand tätig und als Schnittstelle zu den Frauen mit Migrationshintergrund anzusehen ist. „Wir mussten viel Überzeugungsarbeit leisten“, bestätigt Soosten-Höllings, die klar zu verstehen gibt, dass Vorurteile auch im Sportverein nicht auszuschließen sind: „Diese Probleme kann man ja nicht einfach wegreden.“

Inzwischen ist die Kritik allerdings so gut wie verstummt, der Erfolg gibt dem VFS recht. Schon den ersten Kurs, der im Februar 2011 begann, besuchten 55 Frauen; der im September begonnene zweite Kurs war durch die entsprechende Mundpropaganda bereits so populär, dass er weit vor den Sommerferien ausgebucht war, obwohl sogar 65 Plätze zur Verfügung standen. Da war schnell klar, dass es weitere Kurse geben wird, den dritten ab Februar 2012. Gerne würde der Verein das Angebot noch erweitern, doch im Augenblick steht den Frauen das Badehaus in Rödermark nur jeden Dienstag von 21 bis 22 Uhr zur Verfügung; eine zusätzliche Stunde Wasserzeit wäre eine große Hilfe.

Mehr Mut und Selbstvertrauen

Auch wenn der Kurs offen ist für alle Frauen, besteht der Großteil der Teilnehmerinnen doch aus Migrantinnen. Das ist auch darauf zurückzuführen, dass ihnen in Selda Öztürk und Nurdan Özcan gleich zwei ausgebildete Trainerinnen mit Migrationshintergrund zur Seite stehen.

„Das Grundvertrauen ist leider noch nicht immer vorhanden“, so Soosten-Höllings, weshalb es für Öztürk und Özcan leichter sei, die Frauen aus der Zielgruppe direkt anzusprechen. „Es geht ja um sie: Was brauchen sie, was wünschen sie – das sind die entscheidenden Fragen“, sagt die Vorsitzende. „Die Frauen bekommen hier mehr Selbstvertrauen und Mut“, sagt Öztürk, „sie merken, dass sie etwas können ? das ist wichtig.“

Indirekt werden damit auch die Mütter der Kinder mit Migrationshintergrund erreicht, die nachhaltiger gefördert werden können, wenn Kontakt zu den Familien besteht. „Die meisten haben gar keine Vorstellung vom deutschen Vereinswesen“, sagt Soosten-Höllings, die ihnen aber mit dem Projekt einen Einblick in die Vereinsarbeit und -angebote geben will.

Langfristig erhofft sich der VFS von seiner Maßnahme, die Migrantinnen ins gesellschaftliche Leben in Rödermark integrieren zu können. Ohnehin soll sich das Zusammensein nicht nur auf die Zeit im Badehaus beschränken, auch außerhalb des Wassers sind gemeinsame Unternehmungen geplant. „Wir wollen die Frauen anregen, auch Angebote zu nutzen, die sie normalerweise nicht nutzen würden“, so Soosten-Höllings. Die Arbeit ist für den VFS also noch lange nicht vorbei.

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