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Willingen ohne Schnee ist ? mit hoher Wahrscheinlichkeit ? in nicht allzu ferner Zukunft Realität. Nur gut, dass sich ein paar Schülerinnen schon Gedanken machen.

Schülerforen in Hessen

Vom Brexit bis zur City-Bahn

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Schulen in ganz Hessen beteiligen sich am Schülerwettbewerb "präsentieren & gewinnen". Die FR stellt herausragende Arbeiten vor.

Würde eine neue Schienenverbindung, die City-Bahn, Wiesbaden wirklich helfen? Was geschieht, wenn der Brexit kommt? Kann der Bäcker um die Ecke sich gegen die Discounter behaupten – und wie wichtig ist Tourismus für Nordhessen?

Das sind Fragen, mit denen sich die Schülerinnen und Schüler beschäftigt und auf die sie sehr spannende und teils überraschende Antworten gefunden haben. Zahlreiche Teams aus Schulen in ganz Hessen haben sich am Schülerwettbewerb „präsentieren & gewinnen“ von Frankfurter Rundschau, der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) und der Landesarbeitsgemeinschaft Schule–Wirtschaft Hessen beteiligt.

Die zehn Arbeiten, die wir auf dieser Doppelseite vorstellen, sind aus der aktuellen Wettbewerbsrunde hervorgegangen. Aus diesen und zahlreichen weiteren Beiträgen werden die Juroren nun die Sieger auswählen.

Wettbewerb: Beteiligen können sich alle Kurse im Fach Politik und Wirtschaft der gymnasialen Oberstufen in Hessen. Die Teams, deren Wettbewerbsbeiträge wir auf dieser Doppelseite vorstellen, können sich schon jetzt als Gewinner fühlen. Ihre Arbeiten haben durch ihre Originalität, Gründlichkeit und Aktualität beeindruckt. Aber auch jene Teilnehmerinnen und Teilnehmer, deren Arbeiten wir hier nicht vorstellen können, haben zumeist sehr bemerkenswerte Ergebnisse abgeliefert.

Veranstalter: Eingeladen zu dem Wettbewerb hat die Frankfurter Rundschau gemeinsam mit der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) und der Landesarbeitsgemeinschaft Schule–Wirtschaft, und das bereits zum zwölften Mal.

Jury: Die Juroren sind Stefan Schulte, Vorstandsvorsitzender der Fraport AG, Tilman Wittershagen, Sprecher der Geschäftsleitung der Deutschen Bank, sowie der Chefredakteur der Frankfurter Rundschau, Arnd Festerling. Sie wählen aus allen Beiträge die drei Gewinner aus.
Preise: Die drei siegreichen Teams erhalten die Gelegenheit, ihre Beiträge in einem öffentlichen Forum zu präsentieren, über das wir ausführlich berichten. Zudem gibt es Apple iPads inklusive der Frankfurter Rundschau als E-Paper.

Brexit: Was hat Frankfurt davon?

Manchmal scheint es, als wollten die Briten selbst den Brexit am liebsten absagen. Wenn er aber nun kommt? Was bedeutet das für den Wirtschaftsstandort Frankfurt? Schadet es der Rhein-Main-Region, oder profitiert sie vom Ausscheiden Großbritanniens aus der Europäischen Union. Anna Gabelin und Carolin Winter von der Albert-Einstein-Schule in Schwalbach (Main-Taunus-Kreis) haben die Konsequenzen am Beispiel der Deutschen Bank und des Frankfurter Flughafens untersucht, sie haben gefragt, was der Brexit für die Immobilienpreise, Mieten und die Zahl der Arbeitsplätze bedeuten würde. Und sie erklären schließlich auch, was es mit der „Brexitlücke“ auf sich hat.

Albert-Einstein-Schule Schwalbach, Lehrkraft: Cordula Russe-Kalenberg, Schülerinnenteam: Anna Gabelin und Carolin Winter

Amazon: Onlinehändler oder Logistiker?

Wenn es nicht so ernst wäre, könnte man meinen, der regelhaft wiederkehrende Streik bei Amazon sei so etwas wie der Running Gag der Tarifauseinandersetzungen. Seit Jahren schon versucht die Gewerkschaft Verdi, für die Beschäftigten von Amazon den Tarif der Versand- und Einzelhändler durchzusetzen. Das Unternehmen weigert sich, darauf einzugehen, und beharrt auf dem Logistiktarif. Johanna Hundeshagen, Ilya Kopshteyn und Anna-Katharina Wohlers vom Beruflichen Gymnasium Eschwege haben in ihrem Wettbewerbsbeitrag sehr anschaulich gegenübergestellt, was die jeweiligen Tarife für die Beschäftigten bzw. das Unternehmen bedeuten. Und für die zumeist wirtschaftlich schwachen Regionen, in denen Amazon seine großen Versandzentralen betreibt.

Berufliches Gymnasium Eschwege, Lehrkraft: Dr. Claus Wenzel, Schülerteam: Johanna Hundeshagen, Ilya Kopshteyn und Anna-Katharina Wohlers

Digitalisierung: Was sind Berufe mit Zukunft?

Was soll man werden? Ist Bankkauffrau ein Beruf mit Zukunft? Hat man mit einem Informatikstudium die besten Karrierechancen? Und was macht die Digitalisierung überhaupt mit dem Arbeitsmarkt? Für Isabel Branzei und Marine Ukens vom Kaiserin-Friedrich-Gymnasium in Bad Homburg sind das hochaktuelle Fragen, schließlich stehen die Schülerinnen kurz vorm Abitur und damit vor der Entscheidung, welchen Weg ins Berufsleben sie einschlagen wollen. Sie haben dazu eine Reihe von Experten gefragt, wie sie und ihre Altersgenossen sich auf die Zukunft vorbereiten können und was Unternehmen von ihnen erwarten. Welche Fähigkeiten und Kenntnisse sind es, die wirklich wichtig sind? Denn klar ist: Die Digitalisierung krempelt ganze Branchen um, lässt alte Berufe verschwinden und neue entstehen. Die Antworten, die die Schülerinnen von den Experten dazu erhalten haben, sind übrigens alles andere als eindeutig. Was die Berufswahl nicht unbedingt leichter macht.

Kaiserin-Friedrich-Gymnasium Bad Homburg, Lehrkraft: Dr. Hans-Jürgen König, Schülerinnenteam: Isabel Branzei und Marine Ukens

City-Bahn: Eine Chance für Wiesbaden?

Sie soll von Bad Schwalbach aus über Wiesbaden bis nach Mainz fahren, die Strecke ist rund 34 Kilometer lang. Diese neue Straßenbahn soll täglich knapp 100 000 Menschen transportieren können, Lärm und Abgasbelastung verringern und den öffentlichen Personennahverkehr attraktiver machen. Schließlich gehört die Landeshauptstadt zu den Orten, die besonders mit Luftschadstoffen aus dem Verkehr belastet sind. Fertig werden soll die City-Bahn bis zum Jahr 2022 und insgesamt mehr als 300 Millionen Euro kosten. Doch was bringt die City-Bahn wirklich? Immerhin hat der Bund schon zugestimmt, einen Großteil der Kosten zu übernehmen. Aber es gibt auch Nachteile. Kritiker fürchten Eingriffe ins Stadtbild und Engpässe durch den Bau neuer Schienenwege. Alioth Biemel, Serafina Schneiberg und Lara Weinsberg von der Martin-Niemöller-Schule in Wiesbaden haben sich die City-Bahn als Wettbewerbsthema vorgenommen. In ihrer Arbeit zeigen sie ausführlich, welche Konsequenzen das ehrgeizige Projekt haben könnte, wägen dabei Nutzen und Aufwand gegeneinander ab – und kommen am Ende schließlich zu einem Ergebnis, das weitere Impulse zur Diskussion liefern kann.

Martin-Niemöller-Schule Wiesbaden, Lehrkraft: Dr. Benjamin Laqua, Schülerteam: Alioth Biemel, Serafina Schneiberg, Lara Weinsberg

Skigebiet Willingen: Und was, wenn es keine Winter mehr gibt?

Willingen (Upland) liegt im Landkreis Waldeck-Frankenberg, hat gut 6000 Einwohner und lebt hauptsächlich vom Wintertourismus. Neun Schlepplifte gibt es dort in der Arena Sauerland, acht Förderbänder, Gondel- und Sessellift und fast 100 Kilometer gespurte Loipen. Dort steht die größte Skisprungschanze der Welt. Nachts kann man sogar bei Flutlicht Ski laufen. Doch was, wenn der Winter ausbleibt, die Wetterextreme zunehmen? Lea Amthauer, Carolin Maschita und Charlotte Weinmeister vom Engelsburg-Gymnasium in Kassel haben versucht herauszufinden, welche Alternativen es zum bisherigen Skizirkus gibt. Genügen die vorhandenen Attraktionen wie Abenteuergolfplatz, Sommerrodelbahn, das Bergwerk „Schiefergrube Christine“, das Willinger Brauhaus, Wild- und Freizeitpark, die Schwarzlicht-Minigolfhalle und das Lagunen-Erlebnisbad, um touristisch auch ohne Schnee überleben zu können? Schließlich ist die Landschaft auch für Wanderer, Radfahrer und Mountainbiker attraktiv. Die drei Schülerinnen setzen dabei ihre Hoffnungen in einen langsamen, aber stetigen Wandel – denn den Klimawandel zu stoppen, das erscheint dann doch nicht möglich.

Engelsburg-Gymnasium Kassel, Lehrkraft: Julia Anselmann, Schülerinnenteam: Lea Amthauer, Carolin Maschita und Charlotte Weinmeister

Strukturwandel:  Hat der Bäcker ums Eck eine Zukunft?

Wenn die kleine Bäckerei schließt, in der man immer diese knusprigen Brötchen und das leckere Brot bekommen hat, dann ist das natürlich ein Verlust. Denn für viele Menschen sind Nähe, Frische und eine hohe Qualität der Produkte die wichtigsten Kriterien beim Einkauf. Das jedenfalls ist das Ergebnis jener Umfrage, die Helena Averdung, Lea Rosenbauer und Chiara Rummelsberger von der Internatsschule Schloss Hansenberg zum Teil ihres Wettbewerbsbeitrags gemacht haben. Aber sie haben auch noch anderes herausgefunden: Die Discounter nehmen den Kleinen immer mehr Marktanteile weg. Denn tatsächlich kaufen viele Menschen ihre Brötchen dort, wo sie am billigsten zu haben sind – allen Bekenntnissen zum Qualitätsanspruch zum Trotz. Was also können kleine Backbetriebe und Mittelständler gegen die Marktmacht der großen Ketten ausrichten? Wie können sie sich behaupten und vielleicht sogar Kunden hinzugewinnen? Das sind Fragen, auf die die drei Schülerinnen Antworten gesucht – und gefunden – haben. Sie haben sich dazu ganz in ihrer Nähe umgesehen, Umsatzzahlen und Kostenstrukturen untersucht und so eine insgesamt sehr ausführliche, klare und interessante Arbeit abgeliefert.

Internatsschule Schloss Hansenberg Geisenheim, Lehrkraft: Paul Rauh, Schülerinnenteam: Helena Averdung, Lea Rosenbauer und Chiara Rummelsberger

Hessenkasse: Raus aus den Schulden?

Wer ein Girokonto hat, kann dort einen Überziehungskredit in Anspruch nehmen. Er muss ihn nur irgendwann zurückzahlen – und so lange dafür Zinsen zahlen. Genauso ist es bei Kommunen. Nur dass es dann Kassenkredit heißt. Und davon haben Hessens Kommunen eine ganze Menge. Lena-Marie Alsdorf, Michelle Lohn und Katharina Schiebelgut vom Beruflichen Gymnasium Eschwege haben nachgefragt, ob die vom Land angebotene Hessenkasse ein guter Weg ist, um von diesen Schulden wegzukommen. Oder ob die Regeln, die dabei gelten, die Städte, Gemeinden und Landkreise zu sehr in ihrer Handlungsfreiheit einschränken. Dabei kommt auch zur Sprache, ob das Land den Kommunen überhaupt genug Geld gibt, damit diese ihre Aufgaben auch ordentlich erfüllen können. Oder ob dies zwangsläufig nur mit der Aufnahme von Krediten zu bewerkstelligen war und ist. Denn dann wäre die Hessenkasse ja eine Mogelpackung.

Berufliches Gymnasium Eschwege, Lehrkraft: Dr. Claus Wenzel, Schülerinnenteam: Lena-Marie Alsdorf, Michelle Lohn und Katharina Schiebelgut

Tourismus: Waldecker Land im Fokus

Welche Bedeutung hat die Tourismusindustrie für die eher wirtschaftsschwache Region Nordhessen? Und welche Auswirkungen hat eine auf Massentourismus ausgerichtete Ökonomie auf die Natur und die Lebensqualität? Für Jonas, Joshuah und Jannis vom Gustav-Stresemann-Gymnasium in Bad Wildungen sind das wichtige Fragen, denn schließlich ist Nordhessen ihre Heimat. Die drei Schüler sind mit Kamera, Mikrofon und einem Drehbuch in der Tasche losgezogen und haben ihre Region wortwörtlich in den Fokus genommen. Was fehlt, um auch künftig vom Tourismus leben zu können? Wo liegen die Schwierigkeiten, etwa wenn der Wasserstand des Edersees immer häufiger so absinkt, dass Wassersport dort kaum noch möglich ist? Entstanden ist ein sehenswerter Film mit interessanten Antworten.

Gustav-Stresemann-Gymnasium Bad Wildungen,  Lehrkraft: Dr. Johannes Salzig, Schülerteam:
Jonas, Joshuah und Jannis

Stromtrassen: Zwischen Himmel und Erde

Es ist ein gewaltiges Projekt: Neue Stromtrassen sollen Solarstrom vom Norden, wo er in großen Windparks erzeugt wird, in den Süden transportieren, wo man ihn dringend für die Energiewende braucht. Dort, wo die Leitungen verlaufen sollen, ist der Widerstand erheblich. Anwohner fürchten um das Landschaftsbild, den Wert ihrer Immobilien und um die Gesundheit, wo riesige Masten und Freileitungen entstehen sollen. Sind Erdkabel die Lösung? Oder sind die dann doch zu teuer und gar nicht so umweltfreundlich wie vermutet? Julia Koch, Lisa Meier und Tina Reckelkamm vom Beruflichen Gymnasium Eschwege haben nachgefragt und interessante Antworten gefunden.

Berufliches Gymnasium Eschwege, Lehrkraft: Dr. Claus Wenzel, Schülerinnenteam: Julia Koch, Lisa Meier und Tina Reckelkamm

Protektionismus: Was gehen uns die USA an?

Der amerikanische Präsident Donald Trump wirbelt mit seinem Gebaren die Weltpolitik heftig durcheinander. So auch die Wirtschaftspolitik. Einfuhrzölle, Abschottung und das Aufkündigen von Handelsverträgen bis hin zum Handelskrieg gehören dabei zu seinem Repertoire. Welche Auswirkungen das auf die Europäische Union und Deutschland hat, haben Alexander Durkacz, Laurens Jacob und Julius Reichel vom Kaiserin-Friedrich-Gymnasium Bad Homburg untersucht. Sie stellen in ihrer umfangreichen Arbeit dar, wie globale Handelsbeziehungen funktionieren und was passieren kann, wenn man diese kappt. Zu ihrem Wettbewerbsbeitrag gehört auch die Frage, ob sich die EU in Sachen Protektionismus eigentlich viel besser verhält als die USA – ein Blick auf Afrika kann da durchaus einige Erkenntnisse fördern.

Kaiserin-Friedrich-Gymnasium Bad Homburg, Lehrkraft: Dr. Hans-Jürgen König, Schülerteam: Alexander Durkacz, Laurens Jacob und Julius Reichel

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