Erkan Bozkurt (57) ist Technischer Angestellter bei der Post.

Mein Frankfurt

„Ich bin froh, dass ich in diesem Land leben darf“

Erkan Bozkurt mag die Internationalität Frankfurts und findet, dass ein harmonisches Miteinander möglich ist.

Von Steffi Ferent und Sahily Tavera Gazca

Erkan Bozkurt ist 57 Jahre alt, hat zwei Töchter, kommt aus der Türkei und arbeitet als Technischer Angestellter bei der Deutschen Bahn. 1967 kam er im Alter von gerade einmal sechs Jahren hierher. Doch der Anfang war schwer. Die Integration verlief sehr schleppend, er fühlte sich nicht akzeptiert.

„Damals konnte man mit Ausländern nicht richtig umgehen, es war eine sehr exzessive Fremdenfeindlichkeit zu spüren, so habe ich es wahrgenommen“, erzählt er. Eiserner Wille und seine Selbstdisziplin sowie die deutschen Sprachkenntnisse hätten ihm geholfen, sich zu integrieren.

Den Deutschen und der deutschen Kultur gegenüber hat er ein sehr gutes Verhältnis, weshalb er auch die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen habe, wie er sagt. Andere Ausländer sieht er positiv. „Sie bereichern uns, sie gehören dazu, wir leben nun mal in einer bunten Welt, und in einer bunten Welt gehören alle zusammen.“

Der deutsche Staat sei einer der fortschrittlichsten und am weitesten entwickelten, ein Staat, der sich tatsächlich Demokratie nennen könne. Deshalb sei er auch froh, hier leben zu dürfen. Die Ausländerpolitik findet er sehr gut, allerdings manchmal zu „blauäugig“, da die Politik nicht immer rechtzeitig bemerke, welche Ausländer die Gesellschaft bereichern wollten und welche nicht. 

Außerdem kritisiert er die Praxis der Duldung, wie sie sich in manchen Fällen auswirke. Es dürfe nicht sein, dass sich Familien integrierten, in Deutschland eine Zukunft aufbauten und schließlich doch noch ausgewiesen würden.

Die ausländische Bevölkerung in Frankfurt empfindet er als äußerst wichtig, da es zu einer multikulturellen Gesellschaft dazu gehöre, dass verschiedene Menschen zusammen leben könnten. Frankfurt biete ein sehr gutes Beispiel dafür. „Ich erlebe es immer wieder, sei es auf diversen Feiern, sei es auf Straßenfesten, dass ein harmonisches Miteinander recht gut möglich ist“, sagt er.

Deutschland sei nun seine Heimat, trotz allem bestehe eine Bindung zu seinem Herkunftsland, in welchem er aber vieles kritisch sieht. Auswandern zieht Erkan nicht in Betracht, allerdings würde er sich im Rentenalter eine Auszeit von Deutschland nehmen. „Mittlerweile lebe ich seit 50 Jahren in Frankfurt und ich muss sagen, ich habe kein Jahr davon bereut.“

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