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Blick auf die EZB.

Mein Frankfurt

Hoch hinaus

Bei der Europäischen Zentralbank arbeiten Menschen aus allen Ländern der EU.

Von Mina Ivovic-Tomovic, Sophia Mayorny und Alida Muratovic

In der Sicherheitskontrolle angekommen, wurden unsere Pässe kontrolliert und all das, was wir dabeihatten. Das war wie am Flughafen, nur im Mini-Format. Aus der Ferne begrüßten uns schon alle Flaggen der Europäischen Union. Als wir das große Glasgebäude betraten, kam uns ein Sprachgewirr aller Sprachen, die in der EU gesprochen werden, entgegen.

Von Eva Taylor, der Pressesprecherin der Europäischen Zentralbank EZB, wurden wir abgeholt, fuhren mit einem sehr schnellen Aufzug in die dritte Etage und gingen zu einem Raum, in dem uns Lars Michalik, Principal Human Resources Expert, und seine Kollegin Georgia Blackwell bereits freundlich erwarteten. Auf dem Weg dorthin beobachteten wir, wie sich Kollegen verschiedener Nationen trafen, Kaffee tranken und die Aussicht auf die Frankfurter Skyline genossen.

Wenn man EZB hört, denkt man sofort an Geld. Worum geht es genau?

Lars Michalik:Unser primäres Ziel ist die Preisstabilität. Dabei geht es nicht nur die Banknoten und Münzen, sondern den Euro als Ganzes, also auch Guthaben auf Bankkonten. Wir haben zusätzlich zu der eigentlichen Aufgabe der Geldwertstabilität auch noch die Aufgabe dazu bekommen, die größten Banken der Euro-Länder zu beaufsichtigen,

Warum hat die EZB ihren Sitz in Frankfurt?

Ich weiß gar nicht, ob ich das so genau sagen kann. Als die Entscheidung getroffen wurde, kam ich gerade aus dem Studium. Wenn ich mich recht erinnere, gab es damals eine Konkurrenz mit anderen europäischen Städten, zum Beispiel London und Paris. London fiel aber raus, da London den Euro nicht wollte, sie waren zwar Teil der EU, aber nicht des Euroraums. Sie haben ihr britisches Pfund behalten. Dann stand zur Diskussion Paris oder Frankfurt. Warum es am Ende Frankfurt wurde, da spielte die politische Entscheidungsgewalt eine Rolle, aber auch dass Frankfurt sich als Bankenstadt stark etabliert hatte und weil damals schon große Banken ihren Sitz in Frankfurt hatten.

Wie viele Angestellte hat die EZB?

Wir liegen über 3000, das ist tatsächlich eine Zahl, die sich recht regelmäßig ändert, weil wir unterschiedliche Verträge mit Mitarbeitern haben, teilweise unbefristet und teilweise gibt es Verträge, die eher kurzfristig laufen.

Wie viele Nationalitäten gibt es in der EZB?

Alle 28 Nationalitäten der EU. Die Mitarbeiter müssen eine EU Nationalität haben und das sind die Staaten, die entweder den Euro eingeführt haben oder aber innerhalb des Systems der Europäischen Zentralbank integrieret sind, das sind zum Beispiel Rumänien oder bis zumindest März – Großbritannien. Um bei der EZB arbeiten zu können, muss man eine dieser 28 Nationalitäten haben. Wir haben tatsächlich auch alle 28 Nationalitäten bei uns.

Wird hier eher Deutsch oder Englisch gesprochen?

Englisch ist die offizielle Sprache der EZB. Alle Kommunikation, die irgendwo förmlich ist, die dann auch in unser Archiv wandert, ist auf Englisch. Wenn man aber durch unsere Flure läuft, hört man alle Sprachen, die in der EU gesprochen werden. Wir übersetzen aber auch alle offiziellen Dokumente vom Englischen in andere EU- Sprachen, d.h. haben wir Übersetzer, die in beide Richtungen übersetzen.

Kommen eher viele aus Deutschland oder eher aus dem Ausland?

Ich denke, ein Drittel ist deutsch und zwei Drittel sind entsprechend andere Nationalitäten. Das liegt aber eher primär daran, dass die Institution in Deutschland ist, also weil es mehr Bewerber aus Deutschland gibt. Es ist einfacher für Deutsche, sich hier zu bewerben. Tatsächlich ist es auch so, dass wir keinen Nationalitätenschlüssel haben. Wir schauen, wenn wir einstellen, dass wir die gewinnen, die am besten für diesen Job geeignet sind.

In welchen Bereichen bietet die EZB Ausbildungsplätze?

Eine klassische Ausbildung bieten wir gar nicht an. Da wir alle 28 Nationalitäten unterstützen, müssten wir es auch eigentlich allen 28 Staaten anbieten und dann haben wir auch irgendwann eine Kapazitätsgrenze erreicht, wenn wir das wirklich machen wollten. Wir haben auch nicht den klassischen Ausbildungsberuf. Wir fangen mit jungen Studienabgängern an. Wir haben verschiedene Programme, wo wir jungen Studienabgängern die Möglichkeit geben, bei der EZB bis zu ein Jahr zu arbeiten. So können sie erste Berufserfahrungen sammeln und dann gucken, gehen sie weiter in ihrer Ausbildung und machen sie noch einen Master hintendran. Diejenigen, die länger bei der EZB bleiben wollen, haben die Möglichkeit, sich auf Ausschreibungen zu bewerben für Stellen, wo wenig Berufserfahrung verlangt wird. Das ist unser Einstieg. Das gilt nicht nur im Bereich der Volkswirtschaft, sondern auch für Abteilungen wie Kommunikation, Personalwesen, IT, wir haben auch Architekten im Haus.

Kann man ein duales Studium machen?

Dadurch, dass man bei uns keine Ausbildung machen kann, gibt es auch keinen dualen Studiengang. Wir arbeiten auch mit keiner Universität zusammen. Die Bundesbank bietet so etwas an. Sie hat eine eigene Fachhochschule, die einen dualen Studiengang hat, der zum Bachelor führt. Wir bei der EZB haben das aber nicht. Bei uns ist es so, dass man sich mit dem Abschluss eines Studienganges wie zum Beispiel mit dem Bachelor bewerben kann. Wenn wir dann einstellen, unterstützen wir die jungen Menschen, indem wir Gästehäuser haben, wo sie dann unterkommen. Oder wir geben ihnen extra Geld, damit sie sich eine Wohnung oder ein WG- Zimmer suchen können.

Worin sollte man den Bachelor machen? Was soll man studieren?

Jeder sollte anfangs überlegen, wo er sich im Beruf sieht und sich fragen, woran habe ich Spaß. Das Ziel sollte meiner Meinung nach nicht sein, dass ich bei der EZB arbeite und ich mache alles, was es braucht, um in der EZB arbeiten zu können. Das Ziel muss sein, ich möchte in einem Bereich arbeiten und guck dann, ob die EZB ein passender Arbeitgeber ist, denn sonst wird man nicht glücklich. Man hat bei der EZB mit vielen Studiengängen eine gute Chance. Wichtig ist, dass man an der Sprache arbeitet, weil fließendes Englisch Voraussetzung ist.

Mich persönlich interessiert die Börse, zum Beispiel wie die Aktien steigen und sinken, meine Frage ist, ob es dafür Voraussetzungen gibt?

Erst einmal zählt das Interesse. Für Investmentbanker haben wir bei der EZB natürlich wenig Jobs, weil wir keine Kunden haben, deren Geld wir verwalten. Wir sind die Bank der Banken, d.h. wenn überhaupt, dann geben wir Kredite an andere Banken, die wiederum Geld in die Realwirtschaft, an Kunden oder an Unternehmen als Kredite rausgeben, damit die wiederum arbeiten können. Aber wir selbst investieren kein Geld, einfach um Gewinne zu machen. Also wenn es in Richtung Investmentbanking geht, dann sind wir wahrscheinlich der falsche Arbeitgeber. Aber wenn man zum Beispiel Spaß an dem Markt Wertpapiere hat und schaut, wie der Markt funktioniert, da ist man bei uns richtig. Dann kann man das Wissen, was man im Studium oder als Banker lernt, bei uns anwenden, zum Beispiel indem man als einer unserer Aufseher in die Banken geht und den Leuten auf die Finger schaut, die das Geld verwalten und investieren.

Braucht man einen Numerus Clausus?

Du musst nicht studiert haben, um bei der EZB arbeiten zu können. Man braucht keinen Numerus Clausus, weil wir nicht vergleichen können, ob jetzt eine Note 1 in Deutschland vergleichbar ist mit der Note 1 in Portugal. Deswegen gucken wir nicht auf Noten selbst, sondern eher, was man für einen Abschluss hat und was für einen Inhalt, also was waren die Themen, die jemand im Studium behandelt hat. Dies und die Motivation sind relevant für uns.

Dauert ein Karriereaufstieg bei der EZB lange?

Wofür wir stehen als Arbeitgeber, ist nicht unbedingt eine steile Karriere, wo man schnell die Karriere Leiter hoch klettert und plötzlich jedes Jahr mehr Geld verdient und andere Titel bekommt. Das, was wir anbieten, ist ein sicherer Job, ein Job, in dem man viel Einblick hat und Entscheidungen, die man in der Privatwirtschaft nicht hat. Sicherlich ist es auch die Idee, etwas zu tun, um Europa zu helfen, den europäischen Gedanken aufrecht zu erhalten, den Euro als Währung zu unterstützen, etwas zu tun, damit es uns in Europa besser geht. Wir haben genug Probleme in einzelnen europäischen Staaten, die noch nicht gelöst sind, wo es noch viel zu erreichen gibt. Darüber hinaus versuchen wir, den Mitarbeitern auch die Möglichkeiten zu geben, sich zu verändern. Das muss nicht heißen, dass es vertikal nach oben geht. Ich bin vor neun Jahren in die Personalabteilung gewechselt, weil ich gemerkt habe, dass ich lieber mit anderen Menschen zusammenarbeite und gucke, wie ich gemeinsam mit ihnen erreichen kann was sie erreichen möchten, […]. Das ist das Entscheidende hier, dass wir Möglichkeiten bieten, sich innerhalb der Bank zu verändern und dann natürlich irgendwann die Möglichkeit hat, aufzusteigen. In einem Haus, wie der EZB, ist es eher wie mit einer Pyramide, nicht jeder wird am Ende seiner Karriere auf der gleichen Stufe stehen. Da gibt es eine interne Konkurrenz und man schaut, wer wo am besten aufgehoben ist, weil: nicht jeder ist auch am besten geeignet, diesen Job da oben zu tun. Jeder hat seine eigenen Stärken und die gilt es gemeinsam zu finden und zu unterstützen.

Was genau bedeutet Principal Human Resources Expert?

Ähnlich wie in den meisten öffentlichen Behörden, sowohl national als auch bei der Europäischen Kommission, sind die Stellen in einem bestimmten Muster sortiert. Es gibt bestimmte Hierarchiestufen und jeder, der auf einer Stufe steht, weiß, dass er das gleiche Geld bekommt, also die Gleichbehandlung von allen Mitarbeitern. Principial Expert ist eine dieser Stufen. Es fängt bei A an und hört bei L auf, also hat man 12 verschiedene Stufen und der Principal ist einer dieser Stufen.

Seit wann gibt es die EZB eigentlich?

Die EZB selbst gibt es seit 1998. Drei Jahre zuvor gab es einen Übergang, das nannte sich damals Europäisches Wirtschaftsinstitut (EWI). Nach den drei „Versuchsjahren“ haben sich die Regierungschefs zusammengesetzt und sagten, dass wir auf einem guten Weg seien und dass alles gut aussehe, sie wollten es weiterführen. 1998 hat man die EZB dann offiziell gegründet und dieses Wirtschaftsinstitut ist in die EZB übergegangen. Die Einführung des Euros gab es erst nur auf dem Konto und schließlich auch als Bargeld.

Was war für Sie der Auslöser, hier zu arbeiten?

Ich habe von Anfang an, seit 1995, an dem Budget der EZB mitgearbeitet, aber von Seiten der Bundesbank. Ich hatte also schon eine Verbindung zur EZB, aber von einer anderen Seite und über die Jahre hinweg sind die Verbindungen gewachsen. Ich war ich in Arbeitsgruppen tätig, wo ich Kollegen aus der EZB getroffen habe und irgendwann hat man mir angeboten, für ein Jahr zur EZB zu kommen. Ich habe zugestimmt und es hat mir so gut gefallen, dass ich bleiben wollte. Deswegen habe ich mich intern beworben und hab die Stelle dann auch bekommen und jetzt bin ich seit 2004 hier.

Wenn man sein Studium absolviert hat, kann man dann direkt die Bewerbung rausschicken?

Initiativbewerbungen werden bei der EZB in der Regeln nicht berücksichtigt. Als öffentliche Institution folgen wir den Prinzipien der Transparenz und Chancengleichheit. Deshalb schreiben wir Stellen auf unserer Internetseite aus. Jeder kann sich bewerben. In den Kernbereichen unserer Aufgaben, also wenn es darum geht sich als Volkswirt bei der EZB zu bewerben, wird es mit einem Bachelor allein schwer. Da gibt es zu viele Bewerber, die dann schon Master-Abschlüsse haben. Es gibt auch die Möglichkeit, dass wir sagen, dass wir Leute bevorzugen, die bereits ihren Master haben. In anderen Bereichen, wo wir wissen, dass der Bachelor üblich ist und man da nicht unbedingt einen Master machen muss, würde schon ein Bachelor reichen, um erfolgreich zu sein. Aber bewerben kann man sich immer und mein Rat an euch wird immer sein >nicht zögern, einfach machen<, wenn es schiefgeht, dann daraus lernen. Wenn ihr es nie versucht, werdet ihr nie wissen, ob es geklappt hätte oder woran es gescheitert ist.

Gehen Sie auf Geschäftsreise, wenn ja wohin?

Ja, wir gehen regelmäßig auf Geschäftsreise, um zum Beispiel mit anderen Zentralbanken an gemeinsamen Aufgaben zu arbeiten. Wir besuchen auch internationale Konferenzen, um die Entwicklungen in unseren Arbeitsgebieten, zum Beispiel im Personalwesen, zu verfolgen und mitzugestalten.

Die Autorinnen sind Schülerinnen der Klasse 9c des Lessing-Gymnasiums in Frankfurt.

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