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Bronski ist Ihr Verbindungsmann zur FR-Redaktion.

FR-Leserbriefe

Bronski - Ihr Mann in der FR

Lutz Büge hat sich mit Bronski unterhalten, denn Bronski weiß, was FR-Leserinnen und -Leser von ihrer Zeitung halten. Bei ihm landet, wer tadeln möchte, wer loben will, wer Verbesserungsvorschläge hat...

FR: Bronski, Sie korrespondieren und telefonieren nicht nur mit Lesern. Sie sind ihnen auch schon leibhaftig begegnet.

Bronski: Das ist vorgekommen. Einmal wurde ich, das war noch im alten RundschauHaus, zum Empfang gerufen, wo ein Leser darauf bestand, mit der Chefredaktion zu reden. Er war ziemlich erregt, weil er offenbar ein paar Mal vertröstet worden war und sein Anliegen nicht ausreichend gewürdigt sah. Er hatte die Lokalredaktion auf ein Thema aufmerksam gemacht und hatte nun das Gefühl, dass er ignoriert würde, weil die FR nicht sofort berichtet hatte. Die Lokalredaktion war zu diesem Zeitpunkt aber bereits am Recherchieren. Ich glaube, es ging um die ungünstige Verteilung der Telefonzellen im Frankfurter Zoo. Ich konnte den Leser davon überzeugen, dass die FR berichten würde, und das hat sie dann ja auch getan.

Klingt, als ob Sie Mühe gehabt hätten, ihn zu überzeugen.

Nein, jedenfalls nicht so wie im Fall eines Mannes, der mit handgeschriebenen, na ja, eher gekritzelten Unterlagen ins Rundschau-Haus gekommen war und nicht gehen wollte, ehe er diese Unterlagen nicht der Chefredaktion übergeben hatte. Er fühlte sich von der deutschen Justiz verfolgt, und die FR sollte seinen Fall übernehmen. Ich sagte ihm, dass die FR keine Anwaltskanzlei sei und ihm nicht helfen könne, und wollte ihm Vorschläge machen, was er tun kann, aber das registrierte er nicht. Er zeigte dann Gewaltbereitschaft und bekam Hausverbot.

Es hat aber hoffentlich auch angenehme Begegnungen mit Lesern gegeben?

Natürlich. Die wohl rührendste war die mit einer alten Dame, die nicht mehr gut zu Fuß war, aber trotzdem immer noch zweimal pro Jahr zwei riesige selbst gebackene Käsekuchen und einen Geschenkkorb für die Redaktion ins Rundschau-Haus schleppte. "Damit ihr mir nicht vom Fleisch fallt bei all der schweren Arbeit", sagte sie Ostern, als sie zuletzt da war.

Wie sind Leserin und Leser denn wirklich?

Ich bleibe mal beim Plural. Ist etwas einfacher, als immerzu "er und sie" zu sagen oder "die Leserinnen und Leser". Das ist übrigens ein Punkt, den ich immer wieder von den Lesern höre: Dass in vielen Texten die Frauen mitgemeint sind, aber nicht mitbenannt. Sie sollen sich automatisch eingeschlossen fühlen. Einige Leserinnen mögen das überhaupt nicht. Ein anderer Punkt ist die Rechtschreibung. Die ist für die Leser ungeheuer wichtig. Von einer Zeitung wie der Frankfurter Rundschau erwarten sie allererste Qualität. Diesen Anspruch trägt die FR ja auch nach außen. Wenn die Leser dann aber sehen, wie viele Fehler in dieser Zeitung stehen …

Andere Zeitungen sind nicht besser.

Wen interessiert das? Die FR-Leser lesen normalerweise keine anderen Zeitungen. Und sie sollen das auch nicht müssen. Sie wollen die FR, und die soll so gut sein, wie es nur geht. Manchmal vergaloppieren sich die Leser aber auch. Zum Beispiel dieser Leser aus Frankfurt, der eine Formulierung falsch fand. Die FR hatte geschrieben: "Zum Verkauf standen drei Viertel der Ölfirma Juganskneftegas, dem Kernstück des umkämpften Jukos-Konzerns." Wir hätten hier den Genitiv nehmen können, haben uns aber für den Dativ entschieden. Das ist weniger elegant, aber grammatikalisch nach der Rechtschreibreform trotzdem richtig.

Mit solchen Details beschäftigen sich Leser?

Sehr häufig. Aber dabei sind sie sich nicht einig. Eine Leserin fand etwa, dass wir über den Tod von Johannes Paul II. und die Wahl des neuen Papstes zu ausführlich berichtet hatten. Das war ihr zuwider. Ein anderer wollte mehr davon, wegen der welthistorischen Bedeutung. Und manchmal können sich die Leser nicht entscheiden, wie sie die FR einordnen sollen - links oder rechts? Hier schreibt ein Leser aus Wuppertal: "Ich kann Ihr Geschreibsel nicht mehr ertragen. Sie haben den Rechtsruck der SPD Richtung Neoliberalismus hundertprozentig mitgemacht." Ein anderer Leser aus Neu-Isenburg meint dagegen: "Nie ist die FR linkslastiger gewesen als heute. Wie Sie die notwendige Reformpolitik der Regierung mit linken Parolen zu unterlaufen versuchen, das geht auf keine Kuhhaut." Ein Leser findet, dass wir die neue Linkspartei mit Kübeln von Häme überschütten, ein anderer meint, dass wir sie totschweigen.

Nörgeln Leser eigentlich immer?

Keineswegs. Sie haben meistens sogar das Beste für die FR im Sinn. Sie wollen eben die optimale Zeitung. Ich telefoniere gelegentlich mit einem technisch begabten Menschen aus Bad Vilbel, der zwar kein typischer FR-Leser ist, weil er auch noch andere Zeitungen daneben liest, der aber ein gewaltiges Interesse daran hat, die FR so werden zu lassen, wie er sie gern hätte. Der Mann mag die Richtung unserer Zeitung, aber nicht immer die Ausführung. Er sagt, wir müssen mehr danach gucken, was die Leute wissen wollen.

Hoffentlich nicht in dem Sinn, dass die FR den Leuten aufs Maul schauen soll, um nachzuplappern, was gerade angesagt ist.

Genau das nicht. Das ist auch etwas, das in den Leserreaktionen immer wieder vorkommt: Dass die FR dem Zeitgeist nachlaufe. Das Magazin. Die großen Bilder. Überhaupt, die FARBIGEN Bilder. Das ist für viele FR-Leser schon zu viel. Es gibt den FR-Leser, der sich am Telefon meldet: "Hören Sie mal, ich bin seit 40 Jahren Abonnent Ihrer Zeitung, aber jetzt will ich doch mal was los werden..." Das sind Leute, die die FR nicht nur lange lesen, sondern auch lange lieben.

Übertreiben Sie da nicht ein wenig?

Keineswegs. Viele Leser sind der FR tief verbunden. Die FR ist ihre Zeitung. Besonders deutlich wurde das nach dem Relaunch vom Herbst 2003. Da ist den Lesern eine Menge zugemutet worden. Für viele war nicht erkennbar, dass die FR nur ihre Gestalt, aber nicht ihre Identität verändert hatte. Die ist immer noch unverwechselbar, jedenfalls wenn ich Leserreaktionen wie diese zitieren darf: "Mein Mann und ich fühlen uns seit vielen Jahren durch die FR gut unterrichtet. Doch nach zwei Augenoperationen kann er nur noch mit Brille und Lupe lesen. Das ist so zeitintensiv und mühevoll, dass es keinen Sinn mehr hat. Leider müssen wir auf die FR verzichten. Die Zeitung wird uns sehr fehlen."

Und was wünschen sich die Leser aus Ihrer Erfahrung am meisten von der Rundschau?

Debatten. Die meisten FR-Leser mögen Pro und Contra, Stimme und Gegenstimme. Sie wollen Alternativen hören, neue Anregungen und Horizonte erfahren. Die lebendige Auseinandersetzung. Die sind wissbegierig, auch die ältesten unter ihnen. Und deswegen mache ich mir keine Sorgen, denn davon haben wir jede Menge im Blatt. Das ist geradezu unser Markenzeichen.

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