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Eintracht Frankfurt: Fußball im Herzen von Europa

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Eintracht Frankfurt nach dem Gewinn der Europa League 2021
Eintracht Frankfurt nach dem Gewinn der Europa League 2021. (Archivfoto) © NurPhoto/Imago Images

Eintracht Frankfurt hat viele Höhen und Tiefen erlebt. Mit dem DFB-Pokal-Sieg 2018 und dem Gewinn der Europa League 2021 konnte die SGE zuletzt begeistern.

Frankfurt – Es war ein Moment, der vielen Fußball-Fans noch lange im Gedächtnis bleiben wird: Als Mijat Gaćinović am 19. Mai 2018 in der sechsten Minute der Nachspielzeit auf das leere Tor des FC Bayern München zulief und den Ball zum 3:1-Endstand einschob, bebte nicht nur das Berliner Olympiastadion, sondern halb Hessen. Der Sieg im DFB-Pokalfinale 2018 markierte für Eintracht Frankfurt den ersten Titelgewinn seit 30 Jahren und führte die Fußballmannschaft aus Hessen direkt auf die internationale Bühne. Der Titelgewinn in der UEFA Europa League und die Siege gegen Mannschaften aus Rom, Mailand, London und Barcelona markierten den Höhepunkt der jüngeren Vereinsgeschichte und erinnerten an vergangene Zeiten. Denn Eintracht Frankfurt und Europa – das hat eine lange Tradition. Deutlich wird das beim Blick auf die Historie des Vereins, der 2019 sein 120-jähriges Jubiläum feierte.

Die Geschichte von Eintracht Frankfurt reicht bis in das vorletzte Jahrhundert zurück: Mit dem Frankfurter Fußball-Club Victoria gründete sich am 8. März 1899 der erste direkte Vorgängerverein von Eintracht Frankfurt, der sich später mit dem vermutlich im selben Jahr entstandenen Frankfurter Fußball-Club Kickers zusammenschloss. Erst 1969 wurde der Verein nach mehreren Fusionen offiziell unter seinem heutigen Namen „Eintracht Frankfurt“ eingetragen, den Begriff „Eintracht“ führt er jedoch bereits seit 1920. Heute hat Eintracht Frankfurt 19 Abteilungen, deren bekannteste die Profi-Fußballabteilung ist, die im Jahr 2000 als Aktiengesellschaft mit dem Namen Eintracht Frankfurt Fußball AG ausgegliedert wurde. Der Verein ist auch unter der Abkürzung SGE bekannt, die für die traditionelle Bezeichnung Sportgemeinde Eintracht steht.

Eintracht Frankfurt im Nationalsozialismus: „Juddebube“ und „Schlappekicker“

In den 1920er und 1930er Jahren entstanden zwei Spitznamen für die Mitglieder von Eintracht Frankfurt, die sich über Jahrzehnte halten sollten: „Juddebube“ und „Schlappekicker“. Beide gehen auf einen Sponsor zurück, der den Verein in dieser Zeit tatkräftig unterstütze: die Schuhfabrik J. & C. A. Schneider, die im Volksmund als „Schlappeschneider“ bezeichnet wurde und deren Geschäftsführer jüdischen Glaubens waren. Die engen Verbindungen zu der Firma, bei der auch zahlreiche Eintrachtler angestellt waren, dürften maßgeblich dazu beigetragen haben, dass die Eintracht gemeinhin als „Juddeclub“ bezeichnet wurde. Gleichzeitig hatte der Verein jedoch auch zahlreiche Mitglieder jüdischen Glaubens – kein Wunder, hatte die Stadt Frankfurt gemessen an ihrer Gesamtbevölkerung zu Beginn der 1930er Jahre doch den höchsten Anteil jüdischer Einwohner in ganz Deutschland.

NameEintracht Frankfurt
Anteile von Eintracht Frankfurt e.V.67,88%
VorstandMarkus Krösche, Axel Hellmann, Oliver Frankenbach
Cheftrainer der ersten Männer-MannschaftOliver Glasner
SpielstätteDeutsche Bank Park
Kapazität der Spielstätte51.500

Obwohl der Verein bereits in den 1920er Jahren international ausgerichtet war und als liberal galt, kooperierte er nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 widerstandslos mit den neuen Machthabern. Und wie vielerorts setzte die Aufarbeitung der NS-Zeit erst in den 1990er Jahren ein. Allerdings hat sich bei Eintracht Frankfurt vor allem in den vergangenen knapp zwei Jahrzehnten viel getan. Insbesondere das 2007 gegründete Eintracht Frankfurt Museum ist sehr um die Aufarbeitung dieser Zeit bemüht und organisiert regelmäßig Ausstellungen und Projekte zum Thema.

Seit 2008 beteiligt sich die Frankfurter Eintracht an Stolpersteinverlegungen für Opfer der Nationalsozialisten. Und 2018 hat Eintracht Frankfurt das Fritz Bauer Institut mit einer externen Studie beauftragt, deren Ergebnisse dazu führten, dass Rudi Gramlich die Ehrenpräsidentschaft aberkannt wurde. Im Eintracht-Umfeld stoßen die Bemühungen um eine lehrreiche Aufarbeitung der NS-Zeit auf viel Zuspruch: So ist Präsident Peter Fischer für seine klare Kante gegen rassistische Ansichten bekannt und die Fanszene positioniert sich ebenfalls öffentlich gegen Rechtsextremismus und Rassismus, etwa mit Aktionen wie „United Colors of Bembletown“.

Höhepunkte der Eintracht-Geschichte: Deutscher Meister 1959 und UEFA-Cup-Sieg 1980

Nach dem Zweiten Weltkrieg etablierte sich Eintracht Frankfurt als Größe in der Fußball-Welt. 1959 wurde die SGE durch ein 5:3 gegen den Lokalrivalen Kickers Offenbach im Finale erstmals Deutscher Meister und erreichte im Folgejahr als erste deutsche Mannschaft das Finale des Europapokals der Landesmeister. Obwohl Eintracht Frankfurt das Duell mit Madrid mit 7:3 verlor, zählt es bis heute zu den legendärsten Fußballspielen der Vereinsgeschichte.

1963 war Eintracht Frankfurt Gründungsmitglied der Bundesliga und spielte in der Folge auch immer mal wieder um die vorderen Plätze mit, zur Deutschen Meisterschaft reichte es jedoch nie. Dafür qualifizierte sich die SGE 1971 und 1972 für den neu eingeführten UEFA-Cup und gewann 1974 und 1975 den DFB-Pokal. Den Höhepunkt auf internationaler Bühne erlebte der Verein dann 1980: Im deutsch-deutschen Finale gegen Borussia Mönchengladbach gewann Eintracht Frankfurt den UEFA-Cup. In den 1980er Jahren steckte die Mannschaft dann zuweilen zwar im Abstiegskampf, holte mit dem DFB-Pokal 1981 und 1988 jedoch zwei weitere Titel.

Bewegte Jahre bei Eintracht Frankfurt: „Fußball 2000“ und sportlicher Abstieg des Vereins

Dass der DFB-Pokal-Sieg 1988 für drei Jahrzehnte der letzte Titelgewinn sein würde, hätte sich in dieser Zeit wohl niemand vorstellen können. Denn zu Beginn der 1990er Jahre war Eintracht Frankfurt ein Spitzenteam. 1992 stand die Mannschaft sogar kurz davor, Deutscher Meister zu werden, verspielte den Titel jedoch am letzten Spieltag gegen Hansa Rostock - unter anderem wegen eines nicht gegebenen Elfmeters. Und der Offensivfußball von Eintracht Frankfurt mit Spielern wie Anthony Yeboah, Jay-Jay Okocha und Uwe Bein wurde damals gar mit einem eigenen Namen bedacht, weil er als so modern galt: der „Fußball 2000“.

Tatsächlich setzte der sportliche Abstieg des Vereins jedoch noch vor der Jahrtausendwende ein: Der erste Abschied aus der Erstklassigkeit im Jahre 1996 sollte nicht der letzte Abstieg bleiben. Zwar rettete sich Eintracht Frankfurt 1999 noch in einem Herzschlag-Finale am letzten Spieltag mit einem 5:1 gegen Kaiserslautern und machte auch im Jahr 2000 am 34. Spieltag noch den Klassenerhalt klar, doch 2001 ging es abermals in die zweite Liga. Aufgrund von Lizenz-Problemen stand Eintracht Frankfurt 2002 sogar kurz vor dem Zwangsabstieg in den Amateurbereich und konnte sich nur durch Sponsorengelder in letzter Sekunde retten.

ZeitraumLigazugehörigkeitDauer der Ligazugehörigkeit
1963/64 - 1995/96Erste Bundesliga33 Jahre
1996/97 - 1997/98Zweite Bundesliga2 Jahre
1998/99 -2000/01Erste Bundesliga3 Jahre
2001/02 - 2002/03Zweite Bundesliga2 Jahre
2003/04Erste Bundesliga1 Jahr
2004/05Zweite Bundesliga1 Jahr
2005/06 - 2010/11Erste Bundesliga6 Jahre
2011/12Zweite Bundesliga1 Jahr
2012/13 -Erste Bundesligabisher 9 jahre

30 Jahre ohne Titel: Wirtschaftliche Konsolidierung lange Zeit bei SGE im Fokus

Von Glanz und Gloria war in den vergangenen Jahren dann nicht viel zu spüren. Wenn es gut lief, fristete Eintracht Frankfurt als „graue Maus“ ein Leben im Mittelfeld der Bundesliga, allerdings kam die SGE auch um den ein oder anderen Abstieg nicht herum. Trotzdem gelang unter dem Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen die wirtschaftliche Konsolidierung des Vereins, der nun seit 2012 durchgehend erstklassig ist und mehrfach auch international spielte.

Nachdem die Mannschaft 2016 in der Relegation gegen Nürnberg den fünften Abstieg der Vereinsgeschichte vermeiden konnte, erfolgte unter Trainer Niko Kovač ein unerwarteter Aufschwung: Gleich zwei Mal in Folge zog Eintracht Frankfurt ins Finale des DFB-Pokals ein und besiegte 2018 als Underdog sogar den haushohen Favoriten Bayern München. Die ausgelassene Feier von mehreren zehntausend Fans auf dem Römer und in der ganzen Stadt machte deutlich, wie lange die Fans sich nach einem Titel gesehnt hatten.

Abschied vom „Graue Maus-Image“: Eintracht Frankfurt begeistert international

Doch mit der Feier auf dem Römer waren die Fußballfestwochen in Frankfurt noch lange nicht vorbei. Unter Ex-SGE-Trainer Adi Hütter zog die Mannschaft in der kommenden Spielzeit bis ins Halbfinale der UEFA Europa League ein, in dem sie sich erst im Elfmeterschießen gegen den FC Chelsea geschlagen geben musste und erreichte 2020 das Achtelfinale der UEFA Europa League – obwohl sie vor der Saison ihr legendäres Sturm-Trio, das auch als Büffelherde bezeichnet wurde, verloren hatte. Mit ihren leidenschaftlichen Auftritten und nicht zuletzt durch die aufwendigen Choreografien der Eintracht-Fans machte sich die Eintracht dabei auch international wieder einen Namen.

Vom „Image der grauen Maus“, das den Verein nach der Jahrtausendwende zum Teil geprägt hatte, war spätestens nach dem Gewinn des DFB-Pokals und den Spielen in der Europa League nichts mehr übrig geblieben.

Der größte Moment der Vereinsgeschichte: Eintracht Frankfurt gewinnt die Europa League

Ein Jahr später knüpfte die SGE an ihre starken Leistungen auf der internationalen Bühne an. In der Europa League setzte sich die Eintracht gegen Wettbewerbsveteranen wie Olympiakos Piräus oder Fenerbahce Istanbul durch und zog als Gruppenerster in K.O.-Runde ein. Nachdem im Achtelfinale der spanische Erstligist Betis Sevilla geschlagen wurde, wartete im Viertelfinale das nächste LaLiga-Schwergewicht auf die SGE: Der FC Barcelona.

Es folgte ein Aufeinandertreffen für die Geschichtsbücher: Nach einem Unentschieden im Hinspiel, behielt der Underdog aus Frankfurt vor spanischem Publikum die Nerven und zeigte, dass es nur 25 Prozent Ballbesitz braucht, um drei Tore zu schießen. Die beiden Treffer des Gastgebers in der Nachspielzeit zum Endstand von 2:3 sorgten nochmal kurz für Spannung, waren letztlich allerdings nur Ergebniskosmetik. Beflügelt von den Erfolgen aus Barcelona räumte die SGE im Halbfinale mit zwei Siegen souverän West Ham United aus dem Weg und traf im Finale schließlich auf die Glasgow Rangers.

Nach einer packenden Partie und herausragenden Leistung von SGE-Torhüter Kevin Trapp, standen sich die beiden Euro-League-Finalisten im Elfmeterschießen gegenüber. In einem Herzschlagfinale verwandelte Rafael Borré den entscheidenden Strafstoß zum Sieg und dem ersten europäischen Titel seit 42 Jahren. Dass der Verein, der gegenwärtig unter der sportlichen Führung von Sportvorstand Markus Krösche, Cheftrainer Oliver Glasner und Chefscout Ben Manga steht, sich auf der internationalen Bühne am wohlsten fühlt, zeigt auch die Umbenennung der Vereinsadresse: die Geschäftsstelle ist bald offiziell „Im Herzen von Europa 1“ zu finden. (Lena Karber)

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