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Kämpfen bis zum Umfallen: Die Ungarn, hier Roland Sallai, geben nicht klein bei.
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Kämpfen bis zum Umfallen: Die Ungarn, hier Roland Sallai, geben nicht klein bei.

Ungarn im Flow

Wie Kinder im Freizeitpark: Auf Deutschland kommt ein starker EM-Gegner zu

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Ungarns Nationalelf berauscht sich gegen Weltmeister Frankreich an der Atmosphäre – gegen Deutschland könnte die Aufgabe zu groß sein.

Budapest – Marco Rossi schien der Ratschlag wichtig. „Die Leute sollen einfach einen schönen Sonntag verbringen“, lautete die Botschaft des ungarischen Nationaltrainers, nachdem sich seine heldenhaft fightenden Fußballer der ungarischen Nationalmannschaft im Budapester Brutkessel ein 1:1 gegen den Weltmeister Frankreich erkämpft hatten. Die Menschenmenge wirkten nahezu berührt von so viel Einsatz, die Ehrenrunde wollte nicht enden, der Applaus sowieso nicht. Und bevor alles zu früh auf das Duell gegen Deutschland blickt, fand der kahlköpfige Italiener Rossi, schenkt er den Menschen in seiner Wahlheimat mal ein freies Wochenende.

Wobei die Bewohner der an vielen Ecken betörend schönen Metropole gerade nicht den Eindruck erwecken, als könnten sie diesen EM-Sommer nicht genießen. Vor atemberaubenden Donau-Panoramen sind zahlreiche entspannte Public-Viewing-Bereiche entstanden, die am Samstag unter freiem Himmel das Geschäft ihres Lebens machten. Von einem besonderen Tag erzählte auch Lebemann Rossi: „Vorher habe ich eine EM immer nur im Fernsehen gesehen. Jetzt bin ich hier und fühle mich wie ein Kind, das einen Freizeitpark besucht und die Fahrgeschäfte ausprobieren will.“

Deutschland gegen Ungarn bei der EM: Herausfordernde Aufgabe für Rossis Elf

Doch in Achterbahnen gehört dazu, dass es schnell wieder runtergeht. Ungeachtet aller Hochgefühle scheint die Aufgabe herausfordernd, mit einem Sieg gegen Deutschland als Außenseiter das Achtelfinalticket der EM 2021 zu lösen. In München gibt es kein Geschrei, Gesang und Gegröle der ungarischen Fans, die diesmal wieder zu Abertausenden ungeachtet aller Corona-Regeln vom Heldenplatz in die Puskas-Arena gepilgert waren. Der Trainer weiß, dass am Mittwoch diese Rückendeckung fehlt. „Ich bin nicht dumm und arrogant. Ich sage nicht, dass wir nach München fahren und gewinnen“, sagte der 56-Jährige. „Ich sage, dass wir nach München fahren und alles versuchen werden, um das beste Ergebnis zu erzielen.“

Notfalls geht man mit erhobenem Haupt aus diesem Turnier, das selbst für den sonst so besonnenen Tormann Peter Gulacsi, 31, unvergessen sein wird. Ausgelassen wie ein Kind tanzte der Ballfänger von RB Leipzig durch seinen Torraum, sackte dann am Pfosten in die Knie und verriet später: „Dass wir so etwas erleben durften.“ Auch der mal für Werder Bremen spielende Mittelfeldmann Laszlo Kleinheisler, 27, als giftiger Schattenmann von Weltstar N’golo Kante zum „Spieler des Spiels“ ausgezeichnet, äußerte sich gerührt: „Das alles gibt uns große Kraft für das letzte Gruppenspiel.“ Vermutlich wird auch Kapitän Adam Szalai, 33, zur Verfügung stehen, nachdem der Mittelstürmer nach einem Zusammenprall wegen Kreislaufproblemen früh vom Feld musste.

Emotionales EM-Spiel: Ungarn und Frankreich trennen sich nach 1:1 Unentschieden

„Nach zwei Stunden voller Adrenalin und Spannung“ (Rossi) waren Spieler und Trainer im Overkill der Emotionen trotzdem zunächst fix und fertig. Beim Nationalcoach entluden sich weniger die elektrisierenden Eindrücke des Tages, sondern vielmehr die anstrengende Arbeit von drei Jahren. Er erinnerte daran, wie er bei seinem Amtsantritt 2018 im ungarischen Trainingszentrum im Vorort Telki von einer „Beerdigungsatmosphäre begrüßt“ worden sei: „Damals habe ich den Jungs gesagt, dass ich möchte, dass jeder Nationalspieler mit ganzem Herzen für die Mannschaft kämpft.“ Die Zulassung fürs halbe Heimturnier erarbeiteten sich die Magyaren erst in den letzten Minuten des Playoff-Rückspiels gegen Island. Damals noch vor leeren Rängen – und Rossi fehlte wegen eines positiven Corona-Tests.

Am Samstag erlebte nun eine Menschenmenge von offiziell 55 998 Besuchern das Lehrstück vom tapferen Außenseiter, der dem trägen Favoriten ein Bein stellt. Als der aufgerückte Verteidiger Attila Fiola einen Konter erfolgreich abschloss (45.+2) räumten Torschütze und Teamgefährten den am Spielfeldrand stehenden Tisch der Stadionsprecherin ab. Wenn nicht Ungarns Abwehrchef Willi Orban den Ball nach einer Hereingabe des nie zu fassenden Stürmerstars Kylian Mbappé abgelenkt hätte, wäre Antoine Griezmann kaum zum Ausgleichstreffer gekommen (66.). Trotz eines siebten EM-Treffers fühlte sich Frankreichs Torschütze im Tollhaus gar nicht wohl: „Wir sind ein volles Stadion nicht mehr gewohnt. Wir haben uns nicht gehört.“ Überdies: „Der Rasen war trocken, es war heiß und schwül.“ Hörte sich ein bisschen an wie beim Kind, das im Freizeitpark keinen Spaß hatte. (Frank Hellmann)

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